Zwischenruf
Er fiel schon früher mit streitbaren Ansichten auf: Ist Eric Clapton ein Coronaleugner?

Der britische Gitarrist spricht sich in einem neuen Song gegen das Maskentragen aus. Es ist nicht seine erste streitbare Aussage.

Stefan Strittmatter
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Clapton an einem Konzert im Madison Square Garden in New York. (Archivbild)

Clapton an einem Konzert im Madison Square Garden in New York. (Archivbild)

Charles Sykes/Invision/AP

Eric Clapton zählt zu den besten Gitarristen der Welt. Auffällig ist, dass der britische Bluesmusiker aufgehört hat, diesen Ruf zu nähren – Slowhands Spiel fällt längst vor allem durch sein Understatement auf. Vergleichsweise viel Energie verwendet der 75-Jährige hingegen darauf, eigenartige Ansichten zu äussern. Aktuellstes Beispiel hierfür ist das Lied «Stand and Deliver», eine vertonte Lockdown-Kritik mit Anti-Masken-Floskeln, wie man sie sonst bei den selbst ernannten «Querdenkern» findet.

“Stand and deliver / You let them put the fear on you / Stand and deliver / But not a word you heard was true.”

Clapton singt von Angstmacherei und Lügen. Das sind schwammige Pauschal-Vorwürfe, wie sie gewisse Kreise in Ermangelung von Argumenten seit Beginn der Pandemie Politikern und Presse entgegenschleudern. «Stand and Deliver» wiederum ist der Drohruf von Räubern – vergleichbar mit unserem «Geld oder Leben».

Unklar bleibt, wen er in der Song-Zeile mit dem maskierten Mehrfach-Mörder Dick Turpin (1705–1739) vergleicht: Die britische Regierung, die den Lockdown verhängt hat, oder die Bürger, die eine Maske tragen? Vermutlich gilt der Angriff ihnen und uns allen.

Einen angeknacksten Ruf zu verlieren

Nun kann man einwerfen, dass das Lied von Van Morrison geschrieben wurde und Clapton ja nur der Interpret ist. Doch während sich der irische Musiker schon seit dem Spätsommer regelmässig mit Wortmeldungen gegen die Covid-Massnahmen in die Nesseln setzt, hätte Clapton noch einen Ruf zu verlieren ... wenn auch einen angeknacksten.

Denn 1976, bei einem Konzert in Birmingham, hatte er in einer rassistischen Rede, Ausländer aufgefordert, Saal und Land zu verlassen. Grossbritannien sei weiss und solle so bleiben, sagte er. Es vergingen Jahre, ehe Clapton sich von den Aussagen distanzierte – selbst dann nur mit Verweis auf seine damalige Alkohol- und Drogensucht.

Und nun dies:

«Do you want to be a free man / Or do you want to be a slave?»

Maskentragen als Freiheitsentzug? Lockdown als Sklaverei? Clapton, der manchen Hit und sämtliche Blues Licks schwarzen Musikern verdankt, vergleicht allen Ernstes die Unannehmlichkeit eines Stücks Stoffs vor Mund und Nase mit Enteignung, Folter und Tod?

Vermutlich kann Clapton von Glück reden, wenn sein «Stand and Deliver» sang- und klanglos untergeht. Sonst könnte es durchaus sein, dass die erzwungene Konzertpause für Eric Clapton noch lange über den Lockdown hinaus andauert.