Bei Presswehen hört der Spass bekanntlich auf: Väter erleben die Geburt ihrer Kinder einer Studie zufolge als weit weniger angenehm als erwartet. Zuvor wurde alles akribisch vorbereitet, Massagetechniken geübt, die Videokamera platziert. Und dann das unerwartete Schreckensmoment: Spätestens bei den Presswehen schreit die Frau, gesetzt der Fall, die PDA fiel aus, wie ein Tier. das ist normal - bloss für die Väter nicht, die dank der heute üblichen Rednerei von der sanften Geburt etwas erwartet haben, das alles war, bloss nicht so animalisch wie das, was sie hier erleben.

In Elternforen schreiben Väter zwar, «die Geburt meines Kindes war ein Schreckensmoment» oder ein «furchtbares Naturereignis», aber die Aufrichtigkeit hört spätestens dann auf, wenn die Gratulanten vor der Türe stehen. Denn mehr als die Hälfte der Männer, die bei der Geburt ihres Kindes dabei sind, werden von dem Ereignis so überrumpelt, dass sie hinterher finden, ihre positiven Erwartungen seien nicht erfüllt worden.

«Ein schreckliches Geburtserlebnis»

Dies hat eine Studie der Universitätsklinik Bonn (D) ergeben. Valenka Dorsch von der Abteilung für Gynäkologische Psychosomatik befragte dazu 171 Männer, nachdem diese live miterlebt hatten, wie ihr Kind auf die Welt kam. Fast ein Viertel der Väter sprach von einem «sehr schrecklichen Geburtserlebnis». Zentral in diese Befinden war das eigene Gefühl der Ohnmacht, nichts tun zu können, sondern einfach nur dabei zusein.

Früher waren die Männer gezwungen, kettenrauchend auf dem Flur die Gänge abzuschreiten, bis zum erlösenden Schrei. Dann wurde ihnen die gute Nachricht überreicht, und sie durften ihr Kind durch eine Scheibe bewundern. Die Frau wurde ihnen erst präsentiert, wenn sie von den Strapazen der Geburt nicht mehr gezeichnet war. Heute scheint es Pflicht zu sein, dass Väter bei der Geburt dabei sind. Der französische Vorreiter der sanften Geburt, Michel Odent, plädiert zwar dafür, dass Frauen ihre Männer auch aus dem Gebärsaal schicken, in Wirklichkeit kommt das allerdings selten vor.

Bei Heidi Klum, dem deutschen Supermodel war es nicht anders. Der Vater ihrer drei Kinder, der UK-Sänger Seal, war bei allen Geburten dabei, bekannte das deutsche Supermodel der «Bild-Zeitung». Aber nicht nur Seal, sondern auch ihre eigenen Eltern Günter (ist Heidis Manager) und ihre Mutter Erna (sie hütet die Kinder) waren am Kindbett, als Heidi in den Wehen lag. Heidi fand, es sei der schönste Moment in ihrem Leben gewesen. Was Seal dabei empfand, ist leider nicht überliefert. Auch nicht, ob er sein Geburtserlebnis «verarbeitet» hat. (cls)