Kultur

Eliane erzählt in ihrer Zeit ohne Konzerte vom Vermissen und Geduld üben

Eliane Müller im Soundfarm-Studio in Obernau.

Eliane Müller im Soundfarm-Studio in Obernau.

Die Luzernerin Eliane musste im Frühjahr ihre Tournee abbrechen. Der Lockdown hat ihren Rhythmus durcheinandergebracht, aber auch Positives zu Tage gefördert. Dennoch: Die Singer-Songwriterin vermisst ihr Publikum.

Die Musikerin hat sichtlich Freude, an einem grossen Flügel zu sitzen und einfach nur zu spielen. Manchmal summt sie leise vor sich hin, zuweilen blickt sie etwas gedankenverloren in den Raum. Eliane Müller – mit Künstlernamen einfach Eliane – sitzt im Aufnahme- und Probestudio Soundfarm in Obernau, wo sie und ihre Band zuletzt im Juni für die Fans ein kleines Video aufgenommen haben. Und die Luzernerin schreibt auf ihrer Website zudem: «Ich vermisse Euch auch!»

Es waren Monate der Abgeschiedenheit, auf die Eliane und ihre Band aufgrund der Coronapandemie zurückschauen. Die Singer-Songwriterin erzählt während eines Treffens im Studio, wie sie diese seltsame Zeit erlebt hat, welche Lehren sie daraus zieht und wie es nun weitergeht.

Was wirklich zählt im Leben

Im Januar musste Eliane die Tour mit dem neuen Album nach lediglich drei Gigs abbrechen. Das habe ihren Rhythmus durcheinandergewirbelt. «Normalerweise bringt man eine neue Platte heraus und geht dann auf Tour, um die frischen Songs vor Publikum zu spielen. Meist folgt erst dann wieder eine Phase, in der Neues entsteht», so die 30-Jährige. Die Konzerte fielen reihenweise aus oder wurden verschoben. Nun auch eines, das im bernischen Biglen auf Ende September geplant war. Bald ein Jahr ist es her, als Eliane ihre fünfte Platte auf den Markt brachte. «Das Album ist für mich aber noch derart aktuell, dass ich eigentlich gar nicht in dem Modus bin, an etwas Neuem zu arbeiten. Trotzdem habe ich im Juni damit angefangen», sagt Eliane. Das sei ihr allerdings schwergefallen:

© Pius Amrein

In dieser eigenartigen Phase des Stillstands fand sie aber auch die Muse, sich mit grundlegenden Fragen zu beschäftigen. Zum Beispiel damit, was ihr wirklich wichtig ist im Leben. «Ich kam immer wieder zum Schluss, dass Musikmachen ein elementarer Bestandteil bleiben soll, egal wie unabsehbar die Coronasituation ist.» Die Essenz ihrer Kunst sei es, vor und vor allem für das Publikum zu spielen. «Ich kann dabei viel Freude bereiten, das macht am meisten Spass», sagt Eliane mit funkelnden Augen. Ganz klar: Sie vermisst den Live-Auftritt. Vor allem denjenigen an der Seite ihrer Bandkollegen.

Elianes Gedanken gingen über die eigene Musikerkarriere hinaus: Sie könne sich vorstellen, verstärkt im Songwriting, auch für andere Künstlerinnen und Künstler, tätig zu werden. Und der Lockdown habe für sie bei allen Mühen auch positive Seiten gehabt: «Das Leben zu verlangsamen, tat irgendwie gut. Als Person, die in der Öffentlichkeit steht, ist es schön, sich mal zurückzuziehen und in Ruhe gelassen zu werden.» Die Entschleunigung und das «Auf-sich-geworfen-sein» habe Eliane gelehrt, mit schwierigen Situationen besser und gelassener umzugehen.

Vorsichtige Planung

Seit nunmehr acht Jahren und ihrem Durchbruch bei der Castingshow «Die grössten Schweizer Talente» steht Eliane im Rampenlicht. Manch eine prominente Person gewöhnt sich nicht nur an die stetige Aufmerksamkeit, sondern sucht sie ganz gezielt, wird süchtig danach. Eliane gehört nicht zu dieser Gruppe Mensch. «Die Öffentlichkeit würde mir überhaupt nicht fehlen. Aber ich brauche das Wechselspiel zwischen neuen Songs schreiben, einspielen und proben einerseits und dem Präsentieren des neuen Materials vor Publikum», sagt sie.

Inzwischen ist das kulturelle Leben vielerorts wiedererwacht. Doch Eliane plant vorsichtig. Im Schnitt spiele sie in Lokalitäten mit Kapazitäten von 300 bis 1000 Leuten. Doch wenn an bestimmten Orten aufgrund der Covid-19-Schutzkonzepte ein Drittel oder gar mehr Plätze wegfallen, wird es kritisch. Eliane sagt:

Und schiebt eine zentrale Frage gleich selbst nach: «Und was geschieht, wenn die Fallzahlen wieder steigen?» Die Musikerin müsste lügen, wenn sie sagen würde, diese Ungewissheit beschäftige sie nicht. Eliane ist hauptberuflich Künstlerin und damit ein Stück weit von einer fixen Planung abhängig. Zumindest gibt ihr seit Frühling 2019 ein Teilzeitjob im Marketing- und Kommunikationssektor eine gewisse finanzielle Sicherheit.

© Pius Amrein

Die Ungewissheit bleibt bestehen

Inzwischen seien Proben mit der ganzen Band wieder normal. Doch fügt Eliane an: «Man überlegt sich zwischendurch schon: Für was machen wir das eigentlich? Können wir im Herbst überhaupt auftreten? Für wie viele Konzerte üben wir hier?» Die Ungewissheit bleibt.

Zumindest zwei weitere Konzerttermine stehen für Ende Oktober an. Alle anderen Gigs, vor allem diejenigen der eigentlichen Album-Tour, sind erst auf 2021 angesetzt. Geduld zu üben ist gefragt. Aber das hat Eliane in Lockdown-Zeiten bekanntermassen gut gemeistert. Nun muss das Publikum eben nachziehen.

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