Aarau

Eine Frau mit grossem Rucksack: Wer ist die neue Direktorin des Aargauer Kunsthauses?

Katharina Ammann, 46, wird Kunsthausdirektorin.

Katharina Ammann, 46, wird Kunsthausdirektorin.

Katharina Ammann wird ab Juli Direktorin des Aargauer Kunsthauses. Mit ihr hat man nicht gerechnet. Doch die gebürtige Thurgauerin bringt viel mit.

«Es ist meine Traumstelle», sagt Katharina Ammann am Telefon. «Das Aargauer Kunsthaus ist ein Ort, wo Menschen gerne hingehen, es ist ein Kompetenzzen­trum für Schweizer Kunst und wird doch international wahrgenommen, das Team ist gut aufgestellt», schwärmt sie. Diese Tonlage folgt allerdings erst, nachdem sie sachlich und klar dargelegt hat, warum sie diese Stelle wollte und wie sie das Haus weiterentwickeln will.

Eine Schwärmerin ist die neue Direktorin also nicht. Warum hat sich die Findungskommission für die 46-jährige Kunstwissenschafterin entschieden, die aktuell als Abteilungsleiterin Kunstgeschichte und Mitglied der Institutsleitung beim Schweizerischen In­stituts für Kunstwissenschaft SIK in Zürich arbeitet?

«Der grosse Rucksack hat uns überzeugt», sagt Thomas Pauli-Gabi, Kulturchef des Aargaus und Präsident der Findungskommission. «Sie hat in Museen wie auch in der Wissenschaft und Forschung gearbeitet, und sie hat grosses Wissen über Schweizer Kunst. Wir wollten jemanden, der die Kompetenz hat, mit der Sammlung zu arbeiten, sie ist der Schatz des Kunsthauses.»

Den Rucksack mit Umsicht gepackt

Ihren Rucksack gepackt hat Katharina Ammann in den letzten 25 Jahren mit Umsicht und vielfältig. Nach dem Kunstgeschichtsstudium hat sie mehrere Jahre in den Kunstmuseen Solothurn und Chur als Kuratorin gearbeitet, hat dort Sammlungen mit Schwerpunkt Schweizer Kunst kennen gelernt, aber auch thematische Ausstellungen und digitale Projekte betreut.

Am MoMa New York hat sie internationale Luft geschnuppert. Ihre Doktorarbeit hat sie zur Videokunst und ihren Präsentationsformen geschrieben. Am SIK hat sie zu Schweizer Kunst geforscht und publiziert und dort auch eine öffentliche Diskussionsplattform initiiert.

Digital wird ein Schwerpunkt

Sie freue sich, dass sie am Kunsthaus wieder direkter, näher beim Publikum sei, sagt Ammann. «Und ja, digitale Formen der Vermittlung will ich vorantreiben.» Ziel müsse sein, «die Sammlung gut zu erschliessen und auch online so zu vermitteln, damit Kunst für alle sozialen Schichten und Generationen interessant ist und bleibt.»

Zur Leitung des Hauses gehört es auch, Sponsorengeld aufzutreiben. Das macht Ammann aktuell auch am SIK. Aber weiss sie, wie schwierig das gerade im Aargau ist? «Es wird keine einfache Aufgabe», gibt sie zu, «aber ich werde es frisch anpacken, das ist meine Chance.»

Eine Frau zu wählen, war nicht das Ziel

Suchte die Findungskommission für die Nachfolge von Madeleine Schuppli primär eine Frau? Pauli winkt ab: Man habe mit sechs der dreissig Bewerber Gespräche geführt, mit Frauen wie mit Männern. Katharina Ammann habe vor allem mit der Präsentation, wie sie das Kunsthaus in die Zukunft führen wolle, überzeugt.

Was hat die Neue also vor? «Das Haus ist gut aufgestellt», sagt sie, «darauf kann ich weiterbauen.» Ihr Leitsatz laute «Substanz und Innovation». Was meint, sie will das Haus nicht auf den Kopf stellen, aber auf Trab halten. «Mich interessieren Themen», sagt sie. «Unser Programm soll aktuelle, gesellschaftliche Fragen verhandeln.» Schweiz-bezogen oder auch international, wie Madeleine Schuppli das eingeführt hat?

«Internationale Vernetzung ist wichtig, aber ich werde das eher thematisch angehen», sagt Ammann. Eine internationale Einzelausstellung müsse sich inhaltlich aufdrängen, thematisch eingebunden sein. Sie könne sich gar vorstellen, Jahresthemen zu setzen. Ins Detail gehen will sie nicht, «das will ich zuerst mit dem Team diskutieren und erarbeiten».

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