Ein Zauberer für 007 Nr. 25

Der neue Bond-Regisseur hat vielen Fans des bewegten Bilds bereits den Kopf verdreht mit seiner Arbeit. Entsprechend gross sind nun die Erwartungen an Cary Fukunaga.

Susanne Holz
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Der amerikanische Filmemacher Cary Fukunaga tritt in die Fussstapfen mehrheitlich britischer Regisseure. (Bild: Eamonn M. McCormack/Getty; London, 13. September 2018)

Der amerikanische Filmemacher Cary Fukunaga tritt in die Fussstapfen mehrheitlich britischer Regisseure. (Bild: Eamonn M. McCormack/Getty; London, 13. September 2018)

Was für eine Nachricht: Cary Joji Fukunaga (41) wird Regie führen beim 25. James-Bond-Abenteuer. Der Brite Danny Boyle zog sich von der Aufgabe zurück, Protagonist Daniel Craig zum fünften und vermutlich letzten Mal als Agent im Geheimdienst Ihrer Majestät in Szene zu setzen. Cary Fukunaga tritt beim neuesten Job in die Fussstapfen vorwiegend britischer Regisseure. Man darf auf seine Handschrift gespannt sein, wenn der nächste 007-Wahnsinn aller Voraussicht nach am 14. Februar 2020 in die Kinos kommen wird. Start der Dreharbeiten: der 4. März 2019.

Der US-Amerikaner mit japanischen (väterlicherseits) und schwedischen Genen (mütterlicherseits) könnte das Kunststück schaffen, selbst Menschen in einen James-Bond-Film zu locken, die bislang einen weiten Bogen um jedes 007-Abenteuer machten. Weil zu oberflächlich. Zu altbacken. Zu vorhersehbar. Zu unbeseelt. Zu flach im Humor. Zu gewöhnlich. Was auch immer.

Emmy-Preisträger 2014

Der 41-jährige Emmy-Preisträger (2014 für die beste Regie bei einer Drama-Serie: «True Detective», Staffel 1) lässt nicht nur wegen seines klugen Blicks und der Ernsthaftigkeit in den Augen darauf hoffen, dass das kommende Bond-Projekt ein ganz besonderes wird. Denn kaum einer, der die acht Folgen von Staffel 1 der HBO-Krimiserie «True Detec­tive» (geschrieben von Nic Pizzolatto) gesehen hat, wird einen Zweifel daran haben, dass Fukunaga ein Zauberer ist, was die Regie betrifft.

Das Zusammenspiel von Matthew McConaughey und Woody Harrelson im vor Hitze flimmernden Louisiana auf der Suche nach einem Serienmörder, das vergisst man nicht so schnell. Es gehört vermutlich zum Besten, was das Fernsehen in den letzten Jahren zu bieten hatte. Und es begründete zu weiten Teilen den Kult um Cary Fukunaga. Die Fans lagen dem Regie­talent fortan zu Füssen, und die Ehrfurcht nahm noch an Fahrt auf, als die zweite Staffel von «True Detective», bei der Fukunaga nicht mehr Regie führte, der ersten nicht das Wasser reichen konnte.

Cary Fukunaga trug einen Smoking und zwei dünne schwarze Zöpfe, als er 2014 seinen «Emmy» entgegennahm. Der Mann hat seinen eigenen Kopf, den er sich wohl nicht verbiegen lässt. Und er ist für Überraschungen gut, überraschte er sich doch selbst immer wieder. Das ursprüng­liche Berufsziel des noch sehr jungen Kaliforniers war, professioneller Snowboarder zu werden. Laut der «New York Times» kann der heute 41-Jäh­rige sowohl mit Pfeil und Bogen umgehen, Berge besteigen, segeln, schreinern, kochen. Was Kino- und Serien-Fans allerdings kaum kümmern dürfte – Hauptsache, Fukunaga zaubert weiter auf dem Regiestuhl.

Aktuell gibt es noch ein neues «Produkt» des US-Amerikaners, das die Wartezeit auf den 25. Bond-Film verkürzen kann. Gestern startete auf Netflix die Serie «Maniac» mit Emma Stone und Jonah Hill. ­Regie: Cary Fukunaga. «Spiegel online» äussert sich kritisch: Die Serie basiere auf einer Persönlichkeit, nicht auf einer Idee. Selbst der Hauptdarsteller trage plötzlich Zöpfe. Immerhin trägt Fukunaga keine mehr.

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