Kultur

Ein Vierteljahrhundert im Dienst der guten Laune

Kalles Kaviar üben eine andere Art des social distancing.

Kalles Kaviar

Kalles Kaviar üben eine andere Art des social distancing.

Die Basler Ska-Formation Kalles Kaviar tauft ihr siebtes Album. Statt eines Konzerts gibt es einen Stream.

«Oooo whap do whap» – genau das will man jetzt hören. Kein Krisentalk, keine Durchhalteparolen, überhaupt nichts, was mit Corona zu tun hat, sondern sonnige Musik, die das Gemüt aufheitert. Und hier sind Kalles Kaviar mit ihrem siebten Album «Probably The Next Big Thing», das dieser Tage im Eigenvertrieb erschienen ist, zur Stelle.

Dass bei der Basler Ska-Formation auch im 25. Bandjahr die gute Laune im Zentrum steht, wird bereits im Opener deutlich. In «See The River Flow» schmatzt die Hammond genüsslich zum entspannten Groove, und die verschlafene Posaune untermalt den Text von Sänger Andi Schär: Man könne einen Fluss nicht aufhalten, heisst es da. Es geht um Abschied und ­darum, Geliebtes loszulassen. Das Bild des vorbeiziehenden Flusses stimmt auch in Zeiten, in denen man sich nicht am Rheinbord aufhalten sollte.

Eine Anspielung auf die eigene Bandgeschichte

Dass nicht immer alles so kommt, wie geplant, ist auch die Botschaft des Titelstücks. «Probably The Next Big Thing» handelt von einem Boxer, der überhäuft mit Vorschusslorbeeren in den Ring steigt und in der ersten Runde zu Boden geht. Der Titel sei aber auch eine Anspielung auf die eigene Geschichte, sagt Schär: «Wir haben immer wieder gehört, dass Ska das nächste grosse Ding wird.» Seit seiner Entstehung Anfang der 1960er-­Jahre auf Jamaika sei der Stil aber eine Nischen- und somit auch Szenenmusik geblieben, meint Schär.

Eine Szenenmusik, die – so stimmig dargeboten wie im vorliegenden Fall – ein Garant wäre für ein tanzbares Konzert. Dieses ist nun aber dem Corona­virus zum Opfer gefallen. Die Band ist zuversichtlich, dass der Rest der Tour, ein knappes Dutzend Shows, wie geplant stattfinden kann. Ein Verschiebedatum für die Taufe wurde im November gefunden.

Anmoderationen der einzelnen Bandmitglieder

Doch weil bis dahin noch viel Wasser den Rhein hinunter fliesst, haben sich Kalles Kaviar für diesen Freitag ein doppeltes Streaming-Schmankerl ausgedacht: Auf der Plattform Rochade gibt es zuerst ein 2016 aufgezeichnetes Konzert der Band zu sehen und im Anschluss das aktuelle Album in voller Länge zu hören. Zwischen den Songs sind Anmoderationen der einzelnen Bandmitglieder geplant. Gitarrist Joël Neuhaus, der die Clips zusammenschneiden wird, erklärt, es gebe keine weiteren Vorgaben: «Ich bin selber gespannt, was die Jungs schicken.»

Aber eines steht fest, um eine Zeile aus dem Song «Don’t Go Home» (nicht zu verwechseln mit der aktuellen Anweisung «Stay at Home») zu zitieren: «The weekend starts right now!»

Kalles Kaviar: «Probably The Next Big Thing», Eigenvertrieb.
www.kalleskaviar.ch
Stream: Fr, 3. April, 20 Uhr, auf www.twitch.tv/rochaderochade

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