Theater

Ein deutscher Theater-Star in Baden

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Das Kurtheater Baden eröffnet seine Saison mit einer Inszenierung von Kafkas Erzählung «Der Bau» und der Ausnahmeschauspielerin Valery Tscheplanowa.

Ausnahmetalent, Glücksfall, eine der besten Theaterschauspielerinnen unserer Zeit. Für die Protagonistin des Kafka-Stückes gibt es viele Beschreibungen. Gelobt wird sie aber stets. Valery Tscheplanowa ist ein «Wesen aus der Zwischenwelt», sagt dieJury des Bayerischen Kunstförderpreises. 2015 gewann die Schauspielerin diesen Preis, der jährlich für aussergewöhnliche künstlerische Begabung und herausragende Leistungen vergeben wird. Valery Tscheplanowa bringt beides mit.

Seit 2013 gehört die 36-jährige deutsche Schauspielerin zum Ensemble des Münchner Residenztheaters. Zuvor war sie als Ensemblemitglied tätig am Deutschen Theater Berlin und am Schauspiel Frankfurt, zwei der grossen deutschen Bühnen. Trotz allem Erfolg lässt sich die Tochter
einer Dolmetscherin und eines Mathematikers nicht von ihrem Weg abbringen. Auf die Frage «Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?», antwortet sie mit einer Gegenfrage: «Was ist Erfolg?» Dann aber führt sie doch noch ein wenig weiter aus: Die Möglichkeit, mit Menschen, die sie erreichen, arbeiten zu dürfen, sich nacheinander zu strecken und wiederzufinden, sei für sie Erfolg. In ihren Antworten schwingt die Mystik mit, die ihr immer mal wieder nachgesagt wird.

Ein kafkaesker Monolog

Im aktuellen Werk im Kurtheater Baden trägt Tscheplanowa einen einstündigen Monolog vor – inszeniert von Jakub Gawlik. Als Ich-Erzählerin des Kafka-Werkes «Der Bau» kann sie in einer Solo-Performance alle Facetten zeigen, die ihr attestiert werden: rätselhaft, kraftvoll, bodenständig, gleichzeitig unnahbar. Das dachsähnliche Tier, in das sie sich hineinversetzt, hat sich einen unterirdischen Bau errichtet. Mit sicherer Entfernung zur Gesellschaft lebt das Tier tief im Waldboden – bis es ein Geräusch hört, das sein Sicherheitsbedürfnis infrage stellt. Tscheplanowa kann sich mit dem Tier identifizieren: «Sich einen Bau einzurichten, einen Wohn-, Arbeits-, Gedanken- und Körperraum ... Ja, das bestimmt auch mein alltägliches Handeln.»

Gedankenräume sind sehr wichtig für Tscheplanowa. So schrieb sie vor vier Jahren einem Journalisten der deutschen Zeitung «Die Zeit» kurzerhand, es sei alles gesagt, sie werde nicht mehr über sich reden. Und dann: «Aber gemeinsam denken!
Davon kriege ich nie genug!». Das Gemeinsame scheint Tscheplanowa umzutreiben. Auf die Frage, wo sie denn noch hinwolle, antwortet sie dieser Zeitung: «Ich
will mehr Menschen finden, mit denen ich eine Wahrnehmung teile, die sich gegenseitig beunruhigen.»

«Der Bau» Nach der gleichnamigen Erzählung von
Franz Kafka, 22. 10., 19.30 Uhr, Premiere, Kurtheater Baden.

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