Kunst

Ein Aargauer Maler zum (Wieder-)entdecken: Rojo, der Melancholiker

Unheimlich schön und typisch für Rojo: Der «Spalier der Unbekannten» von 1982 ist einfach konstruiert, aber wie raffiniert sind die Schatten gesetzt, wie unheimlich wirkt die Szenerie.

Unheimlich schön und typisch für Rojo: Der «Spalier der Unbekannten» von 1982 ist einfach konstruiert, aber wie raffiniert sind die Schatten gesetzt, wie unheimlich wirkt die Szenerie.

Er war der herausragende Surrealist der Aargauer Malerei. In Lenzburg wird sein Werk im Überblick gezeigt, das weckt Erinnerungen.

Nein, Rojo komme selber nicht zur Vernissage, sagt Kuratorin Julia Schallberger. «Still und zufrieden auf sein Werk zurückblickend, wünscht der Künstler, nicht kontaktiert zu werden», schreibt sie. Und man erfährt: 1996 hat ein Hochwasser einen Grossteil seines Werkes zerstört, eine Katastrophe für den Maler. 2013 hat Rojo dann definitiv aufgehört, zu malen. Deshalb war er in den letzten Jahren nicht mehr an Ausstellungen präsent – und ist aus der Wahrnehmung verschwunden. So makaber es klingt, die Einladung nach Lenzburg gab einem erst die Gewissheit, Rojo, Hans Rudolf Roth, lebt noch. Der Anstoss zur Übersichtsausstellung kam denn auch nicht vom Künstler, sondern von seinem Freund und Sammler Peter Hauri – unterstützt vom Kritiker, Sammler und Freund Walter Labhart.

Mit dem Namen Rojo tauchen wir in die Aargauer Kunstszene der 80er- und 90er-Jahre. Neben den sogenannten progressiven Künstlerinnen und Künstlern, welche die Grenzen der Kunst dehnten und neue Wege suchten, gab es jene, die der Malerei treu blieben und je in ihrem eigenen Stil malten. Rojo war dabei der herausragende Surrealist des Aargaus.

Konstruierte Szenen mit traumartigen Inhalten

Flächig trug er die Farben auf, geschickt konstruiert wirken die Szenerien, genial eingesetzt, die Schatten, abgründig verquickt er Realität und Traum, Melancholie und Sehnsucht. Doch wie fand er zu Bildern, die an die einsamen, leeren Plätze von Giorgio de Chirico oder die seltsamen Wirklichkeitsverschiebungen eines René Magritte erinnern? Rojo, 1942 in Menziken geboren, war Fotograf, der die Malerei während langer Aufenthalte in Frankreich und Spanien– daher sein Name Rojo – zu seinem Lebensinhalt machte.

Die quirligen Anfänge erinnern an seinen Mentor, den Lenzburger Lokalmatador Werner Hollenstein, doch die Einsamkeit auf Reisen und das Licht des Südens änderten seine Malerei. «Passagen» ist ein treffender Titel für diese Übersichtsschau. Strassen, die sich in der Ferne verlieren oder aber Engnisse und dunkle Räume malte er, Menschen lieber nur von hinten oder als Schatten. Die traumartigen Bilder eines Ruhelosen sind Unikate und wert wiederentdeckt zu werden.

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