Filmfestival Neuchâtel

Ehrengast Takashi Miike ist zu exzessiv für Hollywood

Takashi Miike ist seit Jahren ein sicherer Wert am Filmfestival Neuchâtel. Dieses Jahr ist er erstmals als Ehrengast mit dabei.

Takashi Miike ist seit Jahren ein sicherer Wert am Filmfestival Neuchâtel. Dieses Jahr ist er erstmals als Ehrengast mit dabei.

Japans Regie-Enfant terrible Takashi Miike präsentiert in Neuenburg Ausschnitte aus seinem gewaltigen und blutigen Œuvre. Als Weltpremiere bringt der NIFFF-Ehrengast «JoJo’s Bizarre Adventure» mit.

Takashi Miike ist ein Phänomen. In 26 Jahren hat er weit über fünfzig Spielfilme gedreht. Dutzende Fernseh- und Videoprojekte kommen noch dazu, sodass der 56-Jährige in den einschlägigen Datenbanken mehr als hundert Einträge aufweist. Ein buntes, aber doch meist blutiges Sammelsurium aus Gangster-, Horror- und Samuraistreifen wie «13 Assassins» (2010) oder auch mal einer schwarzen Musicalkomödie wie «The Happiness of the Katakuris» (2001).

Erstmals als Ehrengast vor Ort

Am Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF) sind Takashi Miikes Werke seit Jahren ein sicherer Wert. Mit «Ichi the Killer» gewann der Japaner 2002 den Jurypreis. Ein Dutzend weiterer seiner Filme wurde seitdem in Neuenburg gezeigt. Da scheint es nur folgerichtig, dass er in diesem Jahr erstmals als Ehrengast vor Ort ist und sein neuestes Werk als Weltpremiere vorstellt: «JoJo’s Bizarre Adventure: Diamond Is Unbreakable», die Verfilmung zu einer in Japan populären Manga-Serie von Araki Hirohiko.

Es hätte allerdings auch ganz anders kommen können. Als der damals noch unbekannte Regisseur zu Beginn des Jahrtausends mit dem Horrorfilm «Audition» gleich auf mehreren internationalen Filmfestivals Preise gewann, wäre er eigentlich reif für Hollywood gewesen. Stattdessen aber setzte er seine eigenwillige Laufbahn in Japan fort, drehte Film um Film und sorgte mit oft extremen Gewalt- und Folterszenen für skandalträchtigen Gesprächsstoff.

Dabei, behauptete er in einem Interview, habe er überhaupt keine Vorliebe für blutrünstige Stoffe. Die Gewalt ergebe sich vielmehr aus der inneren Logik seiner Charaktere. Eine Vorliebe für gewalttätige Charaktere kann er aber wohl kaum abstreiten.

Der Rennfahrer als Filmemacher

Miike wuchs in den Aussenbezirken von Osaka im Umfeld der japanischen Yakuza-Mafia auf. Als Jugendlicher nahm er an illegalen Motorradrennen teil und träumte davon, professioneller Rennfahrer zu werden, ehe ihn sein Weg über die «Fachschule für Funk und Film» in Yokohama und das japanische Fernsehen schliesslich zum Kino führte.

Dass er am Ende nicht in Hollywood landete, erklärt er sich mit den umständlichen Arbeitsprozessen dort, den komplexen Verträgen und dem Sicherheitsbedürfnis der Studios. Einen Film in Hollywood zu drehen, sagte er einmal, hätte ihn so viel Energie gekostet wie zehn Filme in Japan. Dann aber bestünde sein Œuvre heute aus gerade mal einem halben Dutzend Filmen, und auf dem NIFFF wäre er in diesem Sommer vermutlich auch nicht zu Gast.

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