Rudolf Häsler, 1927 in Interlaken geboren und 1999 verstorben in Barcelona, war nicht nur eine imposante Erscheinung. Er hat auch eine ungewöhnliche Lebensgeschichte. Und der Stil seiner Malerei fiel bereits zu seiner Zeit als ungewöhnlich auf: Er widmete sich dem Hyperrealismus.

Mit seinem Entschluss, «den langen, steinigen Weg auf sich zu nehmen und Künstler zu werden», quittierte er 1952 den Schuldienst, den er in Balsthal und Boningen ausgeübt hatte. Er begann zu reisen – nach Spanien, in die Wüste Marokkos, nach Jugoslawien. In Granada lernte er 1956 seine künftige Frau, die Kubanerin Maria Dolores Soler kennen. Kurz entschlossen reiste das Paar nach Kuba. Die Absicht war, sich während eines 14-tägigen Aufenthaltes in der Heimat der Braut trauen zu lassen. Doch aus den geplanten zwei Wochen sollten zwölf Jahre werden.

Eigendynamischer Lebenslauf

Es «war der Glaube an eine gerechte Welt, den ich an den kubanischen Menschen so sehr spürte und schätzte». Häsler hatte sich in das Land und die Leute verliebt, und er war fasziniert von der gerade sich anbahnenden Revolution. «1957 war ich sozusagen im Fallschirm mitten im Zentrum der kubanischen Revolution gelandet, zu einer Zeit, wo deren bewaffnete Phase noch in ihren Kinderschuhen steckte.» Er machte Bekanntschaft mit allen wichtigen Funktionären der Revolution. Dem ausgebildeten Lehrer und guten Organisator gelang die Gründung einer Institution, die nach europäischem Vorbild die Ausbildung von Handwerkern und Gestaltern vereint. Als Direktor für Kunstgewerbe war der behäbige Oberländer nach dem Argentinier Che Guevara der zweithöchste ausländische Funktionär in Kuba. Doch mit der steten Annäherung Kubas an die damalige Sowjetunion war Häsler nicht einverstanden. Er verweigerte die Umsetzung absurder Planforderungen. Er fiel in Ungnade, seine Wohnung und Büros wurden durchsucht. Allen Ämtern und Privilegien enthoben, fürchteten Häsler und seine Familie um ihre Existenz. Sie wollten weg aus Kuba, denn man unterstellte jetzt dem Künstler, ein CIA-Agent zu sein. Die Ausreise gelang 1969, mithilfe der Schweizer Botschaft liess sich die Familie in Sant Cugat bei Barcelona nieder.

Häsler intensivierte seine künstlerische Tätigkeit und setzte fort, was ihn am meisten umtrieb: «Das Sein der Dinge mit dem Pinsel festzuhalten». Er reiste um den ganzen Globus und wandte sich – ganz eigenständig und ohne Kontakt zu Berufskollegen – immer mehr dem Hyperrealismus zu. Alleine eiferte er seinen Vorbildern nach – Frank Buchser oder Cuno Amiet, deren Arbeiten er im Kunstmuseum Solothurn kennen gelernt hatte. In den späten 1980er- und 1990er-Jahren war der Künstler immer wieder im Solothurnischen unterwegs. Er traf alte Freunde und Bekannte, zeigte ihnen seine Bilder, die er in Mappen mit sich führte. Er versuchte, zu verkaufen, schuf auch Kunst im öffentlichen Raum und sprach über sein Leben. 1988 erhielt er einen Kunstpreis des Kantons Solothurn.

Häslers ungewöhnliches Leben, vor allem sein Wirken im revolutionären Kuba, wird heute anlässlich der Premiere des Dokumentarfilms «Coca-Castro» in lichtdurchfluteten Bildern vorgestellt. Im 50-minütigen Film besucht sein Sohn Rodolfo einige der wichtigsten Orte von Häslers Wirken in Kuba und unterhält sich mit damaligen Kolleginnen und Weggefährten über die Kunst und die Arbeit seines Vaters. Aus dem Off sind Texte, die Rudolf Häsler selbst über sein Leben hinterlassen hat, gesprochen von Marcel Signer (Dr Goali bin ig) zu hören. Realisiert wurde der Film von Christian Herren und Daniel Bleuer, die damit gleichzeitig einen Künstlerfilm und einen Film über die kubanische Revolutionsgeschichte vorlegen.

«Das Lebenswerk von Häsler hat mich von Beginn an in einen magischen Bann gezogen», sagt Galerist René Brogli aus Roggwil. Er zeichnet als Produzent für den Film verantwortlich. Gleichzeitig mit der Filmpremiere zeigt Brogli in seiner Bromer Art Collection in Roggwil eine grosse Auswahl von Bildern und Dokumenten von und über Rudolf Häsler (bis 19. März 2017).

Coca-Castro Filmpremiere und Vernissage. Bromer Kunst Roggwil. Sa., 16 Uhr.