Open Air
Lenzburgiade wertet die Volksmusik auf

Das Lenzburger Festival für Klassik und Folk präsentiert ihr Programm. Erstmals sind alle Konzerte überdacht und finden an der frischen Luft statt.

Stefan Künzli
Drucken
Teilen
Pepe Lienhard gibt zuhause in Lenzburg ein Konzert.

Pepe Lienhard gibt zuhause in Lenzburg ein Konzert.

Gaetan Bally / KEYSTONE
Intendant und Pianist Oliver Schnyder.

Intendant und Pianist Oliver Schnyder.

Photo: Marco Borggreve
Die Mezzo-Sopranistin Marie-Claude Chappuis.

Die Mezzo-Sopranistin Marie-Claude Chappuis.

Michel Canonica

Der Crossover-Gedanke zwischen Klassik und Folk war von Anfang an die Idee der Lenzburgiade. Effektiv stand das Festival auf der Lenzburg unter den Gründern, den Geschwistern Stephan und Adrian Goerner und Ruth Zenger-Goerner, aber in stilistischer Schieflage. Zu stark lag das Gewicht bei der Klassik. Das Programm konnte nicht immer einhalten, was das Festivalkonzept versprach.

Mit dem Wechsel zum Intendanten-Paar Oliver Schnyder und seiner Partnerin, der Violinistin Fränzi Frick, hat sich das geändert. «Ich bin zuvor als Klaviersolist einige Male an der Lenzburgiade aufgetreten und mir ist schon damals aufgefallen, dass der Titel Klassik und Folk zu Ungunsten des Folks interpretiert wurde», sagt der Pianist von Weltruf. Schnyder und Frick sind deshalb vor zwei Jahren angetreten, um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren und das Folkige zu profilieren. «Aber nicht auf Kosten der klassischen Musik», wie er sofort einwirft. Vielmehr sei es das Bestreben, möglichst beides zu gleichen Teilen miteinander zu verbinden. «Die Konzertbesucher, die wegen der Volksmusik kommen, sollen etwas erleben, das sie weniger kennen – und umgekehrt», sagt Schnyder.

Mustergültig umgesetzt wird dieses Konzept etwa im Eröffnungskonzert der berühmten Schweizer Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis, die mit klassischem Kunstgesang traditionelle Lieder aus dem Alpenraum interpretiert und dabei vom Männerchor Chœur des Armaillis de la Gruyère und einem ausgesuchten Streich­ensemble begleitet wird. Oder im Aufeinandertreffen von Argovia Philharmonie mit dem Ostschweizer Hackbrett-Spieler Nicolas Senn und den russischen Virtuosen Anastasia Tyurina (Balalaika) und Sofia Tyurina (Saxofon). Aber auch im Konzert unter dem Titel «Brahms, Beatles, Bangalore», wo sich das Rastrelli Cello Quartett und die indische Sitar von Klaus Falschlunger begegnen.

Selbst das Konzert von Oliver Schnyder und dem Trompeter Immanuel Richter mit dem Kammerorchester I Tempi aus Basel ist nur vordergründig ein rein klassisches Konzert. Die Komponisten Dmitri Schostakowitsch, Béla Bartók und der armenische Komponist Komitas Vardapet kommen aus der Klassikschublade, haben aber starke Bezüge zur Volksmusik. «Auch klassische Musik basiert auf Volksmusik», sagt Schnyder.

Heimspiel von Pepe Lienhard

Nicht bei allen Konzerten kommt es zu stilistischen Mischformen. Die swingende Big-Band-Musik von Pepe Lienhard zum Beispiel hat natürlich weder mit klassischer Musik, noch mit Folk oder Volksmusik zu tun. Schnyder sieht das aber nicht so eng. «Wir wollen auch aufzeigen, dass alle Musik denselben Ursprung hat», sagt er. Hauptgrund für das Konzert unter dem Titel «Pepe!» ist aber, dass Lienhard aus Lenzburg stammt. «Wir wollen ‹Pepe› zurück nach Lenzburg bringen», sagt der Intendant und verrät noch ein privates Motiv: Schnyders Mutter Susi war in der Bezirksschule Lenzburg das «Schuelschätzli» des berühmten Big-Band-Leaders. Angedacht ist am Konzert auch ein kurzer Gastauftritt des Klavier-Intendanten.

Die «Stars AG» unter der Leitung von Robbie Caruso findet in diesem Jahr nicht öffentlich statt. Das Intendanten-Paar betont aber, dass die am Festival 2019 erfolgreich gestartete Plattform für Aargauer Bands aus Rock und Pop 2022 unbedingt weitergeführt werden soll.

Über 250 Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Israel, Kolumbien, Spanien, Frankreich, Simbabwe und Armenien gastieren im Juni in Lenzburg.

Frische Luft soll Aerosole verwehen

Oliver Schnyder ist zuversichtlich, dass die Durchimpfungsrate im Juni so gross ist, dass die Lenzburgiade auch wirklich durchgeführt werden kann. Sein Optimismus hat auch damit zu tun, dass erstmals alle Konzerte im Schlosshof und auf dem Metzgplatz überdacht, aber trotzdem im Freien sind. Die frische Luft soll die Aerosole verwehen, der coronasicheren Abstand der Sitzplätze ist auch gewährleistet.

Lenzburgiade Klassik und Folk Festival Lenzburg: 15.-20. Juni.

Aktuelle Nachrichten