Glosse

Die «verschwörten Geschwüre» des Marco Rima

Comedian Marco Rima: Seine 40-Jahr-Jubiläumstournee musste er wegen Corona verschieben.

Comedian Marco Rima: Seine 40-Jahr-Jubiläumstournee musste er wegen Corona verschieben.

Comedian Marco Rima zweifelt in Facebook-Posts und im Gespräch mit Roger Schawinski an, dass die Corona-Massnahmen wirklich notwendig seien. Was treibt diesen Mann an?

Marco Rima hat mich mal zum Lachen gebracht. Kaum zu glauben, aber wahr. Ich war fünf, gerade in die Schweiz eingewandert und lernte mit einer Marcocello-Kassette Schweizerdeutsch. Und ich schwor mit Rimas damaligem Bühnenkollegen Marcello Weber (heute ein Anwalt) den Chrütlischwur: «Also traten sie dicht zusammen. Denn es war feucht und kalt, und schwörten den Schwur der verschwörten Geschwüre.»

20 Jahre später dürfen wir erstens nicht mehr dicht zusammentreten, und zweitens gibt’s nichts, worüber man bei Marco Rima lachen könnte. Der Comedian gibt in schlaflosen Nächten auf Facebook – das letzte Video erreichte rund eine Million Klicks – und zuletzt bei Roger Schawinski im Radiostudio Bekenntnisse ab, die sich wahrhaftig wie verschwörte Geschwüre anhören.

Der 59-Jährige hat sich unsere schöne Schweiz angesehen. Unsere sauberen Gewässer. Er hat tief unsere saubere Luft eingeatmet. Und da hat ihm sein Bauchgefühl geflüstert: Warum wird uns überall eingeredet, Corona sei ­gefährlich? Coronatests hält er für überflüssig. Masken auch, die implizierten ja, man sei «krank». Und sterben müssten wir sowieso. Auf dem ­Messengerdienst Telegram werden seine Facebook-Videos schon in Gruppen von ­Verschwörungstheoretikern wie der QAnon-Bewegung verlinkt.

Haben die acht Monate Australienurlaub, die sich Rima im letzten Jahr gönnte, zu einer Realitätsverzerrung geführt? Es scheint, als wäre gegen die unterkomplexe Weltsicht Marco Rimas derzeit nur ein Chrütli gewachsen: eine sachliche, nüchterne Aufklärung.

Autor

Julia Stephan

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