Konzert
Klassik in der Megger Piuskirche: Wie die Musik sich im Licht der Marmorwände spiegelt

Das Schweizer Klaviertrio und Fabio di Casola musizierten Beethovens Klaviertrios am Festival Klang Meggen.

Gerda Neunhoeffer
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Mit jeweils 50 Personen viermal ausgebucht: das Schweizer Klaviertrio in der Piuskirche Meggen.

Mit jeweils 50 Personen viermal ausgebucht: das Schweizer Klaviertrio in der Piuskirche Meggen.

Bild: PD/Klang

«Beethoven – Revolutionär, Visionär, Romantiker»: Unter diesem Titel führte das international gefeierte Schweizer Klaviertrio am Festival Klang Meggen bis Sonntag sämtliche Werke Beethovens für Klaviertrio auf. Die vier Konzerte wurden wegen Corona vom Schloss Meggenhorn in die Piuskirche Meggen verlegt. Aber der kühl anmutende Bau mit seinen dünnen Marmorwänden erwies sich akustisch und optisch als passend. Das durch die Wände scheinende Licht spiegelte die Vielfarbigkeit der Musik wider, mal hell leuchtend, mal fahl und düster.

Am Freitag startete der Zyklus mit dem berühmten «Gassenhauertrio» op. 11, in dem Beethoven eine bekannte Melodie aus einer Oper in vielfältigen Variationen kunstvoll verarbeitet. Der Pianist Martin Staub mit ebenso kraftvollem wie filigranem Spiel, der Cellist Joel Ma­rosi mit unglaublich variablem Ton und der Klarinettist Fabio die Casola mit weichen Klängen ebenso wie mit herrlich spitzbübischen Tönen lösten hinreissend ein, was Zeitgenossen an Beethovens eigenem Spiel bewunderten – seinen singenden Ton, den orchestral wirkenden, klangmodulierenden Anschlag und das Legatospiel, wie es Staub dem Publikum erläuterte.

Wie ein Gebet im sakralen Raum

In den selten aufgeführten Variationen op. 44 spielte das Schweizer Klaviertrio in gewohnter Formation mit der Geigerin Angela Golubeva, die ihren singenden Ton hinreissend mit Cello und Klavier verband. Aus einem einfachen Dreiklang formen sich kleine Klanggemälde, in fast abstrakter Weise übertreffen sich immer neue Ideen. Wechsel zwischen Dur und Moll, hauchzart hingetupfte Töne, hochdramatische Ausbrüche wurden meisterhaft interpretiert. Im «Erzherzogtrio» op. 97, in dem Beethoven ein «Ideal von Heiligkeit und Göttlichkeit» anstrebte, schwangen sich die Klänge des Schweizer Klaviertrios wie ein Gebet in den sakralen Raum.

Den Charakter eines – nachgeholten – Beethoven-Festivals verstärkte, dass die Programme frühe Kompositionen mit späteren zu einer Art Gesamtbild des Komponisten verbanden. Am Samstag setzte das Klaviertrio der Lebenslust und Unbekümmertheit des op. 1.1 die Schubert-Anklänge eines Allegretto gegenüber, das Beethoven 1812 für eine Schülerin «zur Aufmunterung zum Klavierspiel» komponierte. Das Klaviertrio op. 38 (nach dem Septett von Beethoven selbst gesetzt) wurde, wieder mit Fabio di Casola, mit seinen vielen eingängigen Themen und sichtbarer Spielfreude zum krönenden Abschluss.

Das Schweizer Klaviertrio hat die Trios von Beethoven integral auf CD eingespielt (Audite). Bestellung: www.swisspianotrio.com

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