Es hat sie immer gegeben, die spannenden, qualitativ hochwertigen Produktionen von Schweizer Musikerinnen aus dem Pop- und Rocklager. In jüngster Zeit zum Beispiel jene des Elektro-Pop Duos True mit Sängerin Daniela Sarda. Die Kritiken Ende 2016 zu diesem futuristischen Sound waren überschwänglich, das Echo aus dem Ausland vielversprechend.

Doch die Band schaffte hierzulande nicht einmal eine Hitparadenplatzierung. Gleich erging es vor einem Jahr Brandy Butler, immerhin einer der besten, gefragtesten Stimmen des Landes, mit ihrem von der Kritik gefeierten Album «The Inventory of Goodbye».

Weitere Beispiele gefällig? «JPTR», das Album der Avantgarde-Popband mit der Sängerin Andrina Bollinger, gehörte 2017 genauso zu meinen Lieblingsalben wie ein Jahr zuvor «Eclecta», Bollingers Projekt mit der Sängerin Marena Whitcher. Eine eigenwillige, unangepasste, engagierte Musik, die es dem Hörer nicht einfach macht. Kompromissloser, risikofreudiger, lustvoller und abenteuerlicher Pop, der Risiken eingeht, sich nicht um Hörgewohnheiten schert und auf Hitparaden-Platzierungen schielt.

Zu den Vorreiterinnen dieser Unangepassten gehören die 28-jährige Evelinn Trouble, die schon in den unterschiedlichsten Projekten auf ihre Talente aufmerksam gemacht hat sowie die 39-jährige famose Sängerin Joy Frempong mit dem schrägen Duo OY.

Doch jetzt kommen die jungen Wilden in geballter Ladung. Es ist eine neue Generation der Unangepassten und Aufmüpfigen, die sich laut bemerkbar macht. Musikerinnen mit einem rebellischen Geist, die ihren Weg ohne kommerziellen Ab- und Rücksichten beschreiten. Extrovertierte, selbstbewusste Musikerinnen, die auf die Bühne drängen und sich zu präsentieren wissen.

Uli Heinzler, Hauptfachlehrer Elektro-Bass an der ZHdK, kennt diese neue Frauen-Generation aus seiner Arbeit an der Pop-Abteilung. Von einem Frauenproblem im Schweizer Pop will er denn auch nichts wissen. Das Problem sei vielmehr, dass die Musikerinnen «nicht unbedingt Songs für den Mainstream schreiben» und deshalb von der mainstreamorientierten Musikindustrie nicht unterstützt werden. Spannend und hörenswert sind sie allemal. Wer sie sucht, der findet sie. Hier ist sie, die Liste der Unerhörten. Ohren auf!

Mama Jefferson (Vanja Vukelic): Liquor Liquor

JPTR (Andrina Bollinger): Transformers

Eclecta (Andrina Bollinger/Marena Whitcher): Winging The Flame

Klain Karoo (Carla Fellinger): Don’t Talk

Len Sander (Blanka Inauen): Woman On The Run

Phanee de Pool: Des miettes sur le canapé

Veronica Fusaro: Better If I Go

Marey (Maryam): The Story Of The Broken Cake

OY (Joy Frempong): Made Of Love

Evelinn Trouble: Touching Air

True (Daniela Sarda): Holiday Tickets

Brandy Butler: Gentle Beating Heart