TV-Kritik

Die ach so heile Promi-Welt von «Glanz & Gloria»

Nicole Berchtold ist viel unterwegs (Bild: SF)

Nicole Berchtold ist viel unterwegs (Bild: SF)

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

Typisch Schweizerisch war das Motto der gestrigen Ausgabe des People-Magazins «Glanz & Gloria». Und typisch Schweizerisch ist auch das Sendeformat: Brav, nett und völlig korrekt. Pünktlich geht's um 18.40 los. Die blonde Moderatorin Nicole Berchtold strahlt mit Zahnpastalächeln und funkelnden Augen in die Kameras und begrüsst das Fernsehpublikum im sympathischen Berndeutsch.



Drei Beiträge gibt es jeweils pro Sendung, die effiziente 15 Minuten dauert und durchschnittlich 270 000 Personen vor die Bildschirme lockt. Das Rezept von Dienstag: Ein Prise Auslandschweizer mit Carlos Leal, ein Schuss Homestory mit einem knackigen Basler Männermodel und zu guter Letzt noch das Sahnehäubchen mit Schlagerstar Marianne Cathomen im sexy Kleidchen bei ihrer CD-Taufe.

Das ist alles unterhaltend, kurzweilig und nett gemacht. Aber nicht mehr. Im Beschreib zur Sendung steht, dass man «das Informationsangebot des Schweizer Fernsehens optimal zu ergänzen versucht» - doch wirklich Informatives gibt es kaum zu erfahren. Oder reicht es zu wissen, welcher SF-Kollege gerade Vater geworden ist und weshalb Marianne Cathomen eine Auszeit so gut getan hat?

Das grösste Problem von «Glanz&Gloria» ist aber die fehlende kritische Distanz zu den Prominenten. Da wird gedutzt, was das Zeug hält oder Frau Cathomen mit Superlativen in den Schlagerhimmel gelobt. Kein kritisches Wort von Reportern oder Moderatorin - und kaum ein Fünkchen Ironie.

Das ist schade, denn der eine oder andere freche Spruch könnte dieser - vom Handwerk her wunderbar gemachten - Sendung den nötigen Pfiff verleihen. Und vielleicht auch die Zuschauerzahlen, die in den letzten Jahren leicht rückläufig waren, wieder ein wenig ankurbeln. Doch wahrscheinlich ist die Angst zu gross, es sich mit den wenigen Schweizer Promienten zu verscherzen - und man spielt weiter heile Promiwelt. Typisch schweizerisch halt. (jep)

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