Im Aargau sind in den letzten Jahren Open-Air-Veranstaltungen aus dem Boden geschossen. Eine blühende Landschaft der unterschiedlichsten Sommerfestivals ist entstanden. In den Sommermonaten von Juni bis September zählten wir im Bereich des Rock und Pop zuletzt gegen 40 Open Airs oder Sommerfestivals. Der Aargau ist mit einer einmaligen Festivaldichte zum Kanton der Open Airs geworden.

Doch jetzt, 50 Jahre nach Woodstock, der Mutter aller Open Airs, zeichnet sich eine Trendwende ab. Vom 27. bis 29. Juni lädt das traditionsreiche Open Eye Oberlunkhofen zum letzten Tanz. Eine Derniere gibt es auch in Wohlen, am Open Air Zamba Loca. Und schon ein Jahr zuvor haben die sommerliche Freiluft-Konzertreihe «Mittwochsmusig» in der Strandbar Villnachern sowie die Muri Nights im Klosterhof aufgehört.

Eindrücke vom Openeye 2017

«Immer höhere Gagenforderungen», «immer mehr Auflagen für die Veranstalter», «immer schwierigerer Vorverkauf und Publikumszahlen, die unter den Erwartungen blieben» geben die Muri Nights als Gründe für das Aus an. «Grundsätzlich möchten wir betonen, dass wir gegenüber Vorschlägen interessierter Vereine offen sind. Vielleicht kann auf diesem Weg ein neuer kultureller Event entstehen und sich wieder etablieren», sagt Thomas Haller vom OK. Ob und wie es weitergehen soll, lässt auch Veranstalter Robbie Caruso von der Strandbar Villnachern offen. Aber es wäre sicher ein anderes Projekt an einem anderen Ort.

Openair Zamba Loca in Wohlen 2017

Nachwuchsprobleme

Endgültig ist der Abschied dagegen bei Zamba Loca und Open Eye: «Nach 10 Jahren Engagement für das Festival möchten sich einige OK-Mitglieder anderen Vorhaben widmen und es fand sich nicht genügend Nachwuchs, der das Festival in unserem Geiste weitergeführt hätte», erklärt Lukas Renckly von Zamba Loca. Ausserdem sei das Festival in den letzten Jahren immer grösser geworden (bis zu 4000 Eintritte pro Wochenende) und es brauche viel Erfahrung, um eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

Mit einer ähnlichen Ausgangslage hat das Open Eye zu kämpfen, das in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert. «Ein Festival bedeutet viel Freude, Leidenschaft und Schweiss. Nach einigen Jahren im OK traten vermehrt Abnützungserscheinungen auf und der Wunsch nach mehr Freizeit stieg. Für das Festival werden schliesslich zwei Wochen Ferien, mehrere Wochenenden und Feierabende hergegeben», meint Marco Schwab vom Openeye. Generell habe sich in den letzten Jahren gezeigt, dass es immer schwieriger wurde, genügend Helfer zu finden. «Nur wenige Leute wollen sich fest verpflichten oder permanent ehrenamtlich für einen Anlass einsetzen», meint Renckly.

Zwangspausen

Bad News gibt es auch aus Stein und Aarau. Denn aus unterschiedlichen Gründen machen in diesem Jahr das Open Air Sommerloch sowie das Klingen Open Air Pause. Die Wetterlage der letzten zwei Jahre hat auf dem Klingenberg bei Stein am Rhein grosse finanzielle Einbussen hinterlassen. Weshalb das Open Air für mindestens ein Jahr aussetzt. «Die personellen, finanziellen und administrativen Vorgaben stellen momentan ein zu grosses Risiko für uns dar», teilt das OK mit.

Generationenwechsel bringt Neues

Anders ist die Situation beim Festival Sommerloch, das im Juli vor einem Jahr zum ersten Mal durchgeführt wurde. Hier verhindern die Umbauarbeiten in der Alten Reithalle eine zweite Auflage. «Wir sind guten Mutes, dass es 2020 weitergeht», heisst es vonseiten des OK. Das hängt aber vom Standort ab. Die alte Reithalle ist dann nämlich immer noch im Umbau.

Mit grossem Elan in die zweite Runde geht dafür das Aarauer «Festival am Gleis» auf der Wenk-Wiese vom 30. August bis 1. September.

«Wir durften uns in den letzten Jahren über stetigen Zuwachs freuen», meint Lukas Renckly, Mitgründer und Koordinator des Festivalforums Aargau. Jetzt schrumpft die Festivallandschaft erstmals. Folgt auf die Festivallust ein Festivalfrust? Renckly widerspricht und macht einen natürlichen Generationenwechsel geltend. Die Lust sei keineswegs vergangen. Vielmehr finde ein Prozess statt, bei dem Altbekanntes durch Neues abgelöst werde. «Junge, motivierte Leute wollen sich nicht ins gemachte Nest setzen. Sie wollen etwas Eigenes aufbauen, ihr eigenes Baby», sagt Renckly.

Was kommt im Freiamt?

Tatsächlich braut sich gerade im Freiamt wieder etwas zusammen. 2020 soll es unter neuem Namen, auf einem neuen Gelände ein neues Festival geben, verrät Martina Arnet vom noch namenlosen, neuen Freiämter Open Air. Hip-Hop, Reggae, Psychedelic Rock und etwas Electronica sind die musikalischen Vorlieben. Als Knacknuss erweist sich aber der Standort. «Wir möchten gern in Wohlen bleiben, den geeigneten Platz haben wir aber noch nicht gefunden», sagt Arnet weiter.