Konflikte

Der S.Fischer Verlag stellt seine langjährige Autorin Monika Maron auf die Strasse

Umstritten: Die deutsche Schriftstellerin Monika Maron.

Umstritten: Die deutsche Schriftstellerin Monika Maron.

Der Konflikt zwischen der 79-jährigen Schriftstellerin Monika Maron und ihrem Verlag zeigt es deutlich: Am rechten Rand wird die deutsche Literaturszene allergisch.

Eine viel gelesene, aber in letzter Zeit wegen ihren als rechtslastig empfundenen Büchern und Essays umstrittene Autorin wird auf die Strasse gestellt: Monika Maron, 79, bis 1988 in der DDR lebend, wo ihr Roman «Flugasche» über einen vertuschten Umweltskandal nicht erscheinen durfte. Im westdeutschen S.Fischer Verlag fand die Autorin 1981 eine publizistische Heimat. Per Pressemitteilung kündigte der Verlag am Montag die Zusammenarbeit mit der Autorin auf. Auch in dieser Zeitung schüttelte der Kritiker beim neuen Roman «Artur Lanz» den Kopf: Die Sehnsuchtsfantasie nach neuen Helden wirke wie die Proklamation humorlos rechtslastigen Heldentums.

Entspannte Situation bei den Debatten? Fehlanzeige

Doch als Grund für die Trennung gibt der S.Fischer Verlag nicht etwa ein literarisches Qualitätsmerkmal an, sondern dass sich Monika Maron mit ihrem neuen Essayband im Dunstkreis der Neuen Rechten bewege. Der Band erscheint in einem Verlag in Dresden. Deren Verlegerin Susanne Dagen ist eine langjährige Freundin Marons und gilt als Aktivistin der Neuen Rechten.

Als entspannt kann man die deutsche Debattenkultur bezüglich politischer Ansichten am rechten Rand des Spektrums ohnehin nicht bezeichnen. Ausschluss oder Gegenrede wechseln sich in den Strategien ab. Die wüsten Szenen an der Frankfurter Buchmesse 2017 waren auch in der Buchbranche ein Weckruf. Da prügelten sich Aktivisten vor den Ständen der Neuen Rechten, wo aggressive Schriften etwa gegen Angela Merkel, Multikulturalismus und die deutsche Bildungspolitik auflagen. Die Polizei musste einschreiten. Der rechte Verleger Götz Kubitschek blieb fortan der Messe fern. Und da schliesst sich der Kreis. Denn dass ebendieser Kubitschek in seinem Bücherversand den neuen Essayband von Monika Maron anbietet, stösst dem S.Fischer Verlag sauer auf. In Kubitscheks Verlag «gehören zahlreiche Bücher, die völkisch-rassistische Positionen vertreten», kritisiert Siv Bublitz, Verlagschefin bei S.Fischer. Zensur oder neumodisch «cancel culture» weist sie von sich. Monika Maron wiederum fühlt sich an die Zensur in der DDR erinnert. Es ist eine innerdeutsche Allergie: Ex-DDRler reagieren trotzig auf vermeintliche Zensur, Medien wehren sich verzweifelt dagegen, rechtsextreme Tendenzen salonfähig zu machen.

Verwandte Themen:

Autor

Hansruedi Kugler

Meistgesehen

Artboard 1