Film

Der Neue von Steven Spielberg: Der Mann, der in die Kälte kam

20th Century Fox

Tom Hanks soll als Versicherungsjurist James B. Donovan einen Gefangenaustausch in Ostberlin über die Bühne bringen.

20th Century Fox

Steven Spielberg setzt mit dem Kalte-Krieg-Drama «Bridge of Spies» abermals auf eine Geschichtslektion. Die gelingt. Vor allem dank Schauspieler Mark Rylance und den Coen-Brothers als Drehbuchautoren.

Zurück in den Kalten Krieg. Zurück zu grauen Männern in Uniform und Anzügen. Muss das sein? Ja, es muss, denn erstens handelt es sich bei «Bridge of Spies» um den besten Steven-Spielberg-Film seit Jahren, und zweitens ist allein die Eröffnungssequenz das Eintrittsgeld wert.

Hier werden wir Zeuge, wie der russische Spion Rudolf Abel, getarnt als unscheinbarer älterer Maler, in Brooklyn verhaftet wird. Das Spezielle daran: Der Fokus des Films bleibt stets auf Abel, der im Gegensatz zu den übermotivierten FBI-Agenten die Ruhe selbst scheint.

"BRIDGE OF SPIES" Trailer auf Deutsch

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Ernste Geschichte mit Witz

Gespielt wird Abel vom Briten Mark Rylance, der bislang hauptsächlich als Theaterdarsteller für Furore sorgte und unter anderem drei Tony-Awards gewann.

Was Rylance in «Bridge of Spies» zeigt, wirkt so souverän wie beiläufig: Seine Figur tut scheinbar nichts, ausser mit unbewegter Miene dazusitzen – und trotzdem kann man als Zuschauer den Blick nicht von ihm wenden.

Später, als Abel im Gerichtssaal die Todesstrafe droht, kriegt er von seinem Verteidiger zu hören: «Sie scheinen nicht beunruhigt zu sein ...» Worauf Abel entgegnet: «Würde das helfen?»

Dieser Dialog ist eines von vielen lakonischen Müsterchen, die wir in «Bridge of Spies» serviert bekommen. Und es sind diese Momente, die dazu beitragen, dass diese 141-minütige Geschichtslektion nicht zur grauen Ödnis verkommt.

Regisseur Spielberg, der sich in seinen letzten Filmen regelmässig mit historischen Stoffen befasste («Lincoln», «Munich»), hat gut getan, für diesen Film die famosen ¬Coen-Brothers («No Country for Old Men») als Autoren an Bord zu holen, die das ursprüngliche Drehbuch von Matt Charman überarbeiteten.

Und die den Witz in diese Geschichte brachten.

Zweigeteilter Film

«Bridge of Spies» ist ein Film, der im Grunde zwei Geschichten erzählt. Teil eins: Der angeblich ahnungslose US-Versicherungsjurist James B. Donovan (Tom Hanks) soll den Spion Abel vor Gericht verteidigen. Donovan gelingt es, Abel vor der Todesstrafe zu bewahren.

Damit wird Donovan zur nationalen Hassfigur. Teil 2: Abel soll für zwei US-Amerikaner, die in der DDR und Russland festgenommen wurden, ausgetauscht werden.

Und abermals soll es Donovan richten, der zu diesem Zweck als Unterhändler nach Ostberlin entsandt wird.

Letzteres ist der interessantere, weil menschlichere Teil des Films. Donovan wird in Berlin als Erstes der Mantel geklaut, danach wird er von einer heftigen Erkältung geplagt. Der auftragsbeladene Mann möchte nur noch nach Hause ins Bett.

Zuvor allerdings muss er «Gespräche führen, die unsere Länder nicht können», wobei Donovan (und der Zuschauer) lange nicht weiss, wann wo und mit wem über was verhandelt werden soll.

Kurz: «Bridge of Spies» bringt das Chaos des Kalten Kriegs auf den Punkt. Die Kamera ist exquisit, die Ausstattung ebenso, und Tom Hanks zeigt einmal mehr, weshalb er seit Jahrzehnten auf den Durchschnittsamerikaner, der über sich hinauswachsen muss, abonniert ist.

Die eigentlichen Attraktionen dieses Films sind jedoch Mark Rylance und die Coen-Brothers. Sie schaffen es, historische Figuren zu lakonischen und mitunter orientierungslosen Gestalten zu machen. So werden Helden zu Menschen. Und damit zu grossen Kinoerlebnissen.

Bridge of Spies (USA/D/IND 2015) 141 Min. Regie: Steven Spielberg. Ab Donnerstag im Kino. 

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