Vor fast fünfzig Jahren konnte sich der Aargau einer kulturpolitischen Pioniertat rühmen: Als einer der wenigen Kantone gab er sich 1968 nicht nur ein Kulturgesetz, sondern setzte mit dem Kuratorium auch ein unabhängiges Fachgremium für die Kulturförderung ein, um das ihn die anderen Kantone beneidet haben. Die Kultur im Agglo-Kanton blühte auf. Leider müssen wir das in der Vergangenheitsform schreiben.

Das Kuratorium hat seit acht Jahren keine Erhöhung seiner Mittel bekommen – und jetzt wollen die Finanzkommissionen sein Budget gar noch kürzen. Bei der Revision des Kulturgesetzes 2009 hat das Volk Kulturförderung als Staatsaufgabe bestätigt. Trotzdem haben Regierung und Grosser Rat ihre Finanzierung 2014 teilweise an den Swisslos-Fonds ausgelagert – ein staatspolitischer Sündenfall. Ebenfalls 2009 hiess das Volk die Schaffung von Leuchttürmen aus dem Staatsbudget gut. Aber kaum waren die neun Institutionen mit lobenden Worten und hohen Erwartungen der Politiker gekürt, hat man ihnen wieder 15 Prozent der Mittel gekürzt. Nur befristet, hiess es 2015. Doch dieses Versprechen hat das neue Parlament anscheinend schon wieder vergessen.

Die Kommissionen des Aargauer Parlaments haben den Rotstift angesetzt. Nur ein bisschen, mag man denken. Was sind schon 200'000 oder 235'000 Franken! Für das Kantonsbudget von über 5 Milliarden sind es Mini-Beträge, in der Kultur aber richten sie grossen und vor allem nachhaltigen Schaden an: beim Kuratorium, den Leuchttürmen, den kantonalen Institutionen – und beim Image.

Dürfen wir Sie, verehrte Grossrätinnen und Grossräte, an den Willen des Volkes und Ihre Aussagen erinnern. Oder ist es Ihr Ziel, auch bei den Kulturausgaben unbedingt den letzten Platz unter den Kantonen zu erreichen. Weit ist dieser Weg nicht mehr. Auf Rang 21 ist der Aargau bereits gesunken. Falls Sie am Dienstag tatsächlich streichen, seien Sie danach aber bitte so ehrlich, nie mehr den Begriff Kulturkanton zu verwenden. Den schaffen Sie nämlich gerade ab.