Kino

Der Filmemacher Kurt Meier hat die Gabe des Tüftlers

Der Basler Lithograf, Lehrer und Filmemacher Kurt Meier.

Der Basler Lithograf, Lehrer und Filmemacher Kurt Meier.

Der Basler Filmemacher Kurt Meier wird 70 und zeigt gleich fünf seiner Filme im kult.kino atelier in Basel. Der gelernte Lithograf hat sich das Handwerk selber angeeignet.

Bilder für den Keller malen wolle er nicht mehr. Stattdessen widmet er sich dem Medium Film. Und das im Alter von fast 60 Jahren, ohne Geld und filmhandwerkliches Wissen. Sich die Dinge selber aneignen, an ihnen tüfteln und werkeln, bis sich ein zufriedenstellendes Ergebnis abzeichnet, das ist wohl die Gabe von Kurt Meier.

Soweit sich der gebürtige Basler zurückerinnert, haben ihn die beweglichen Bilder bereits als Kind fasziniert. Er sei wie gefesselt gewesen von flimmernden Bildern, sagt er, und habe sich die Filme in Endlosschlaufe ansehen können. Die Kinoeintritte erwarb er als kleiner Junge mit dem unermüdlichen Sammeln von Altpapier und leergeschossenen Patronenhülsen am Schiessstand.

Ein aussterbender Beruf

Von einer Filmschule träumte Kurt Meier aber nie. Zum Leiden seiner Mutter, die ihn lieber als Theologiestudent sehen wollte, träumte er vom eigenen Bauernhof. In der Schule lief es für den Jungen nicht gut. Algebra, passé composé und Baumkunde interessierten ihn nicht. Den Sekundarabschluss verdankt Meier einem resignierten Lehrer, der verstand, dass vom jungen Meier mit Druck nichts zu erzielen war.

Also spazierte Meier mit seinem Vater, der damals Küchenchef war, in die Firma Wasser und fragte nach einer Lehrstelle. In der Lithografie sei noch ein Posten frei, gab man ihm zur Antwort. Der Küchenchef und sein Junge wussten wenig mit dieser Antwort anzufangen. Dass Lithografie etwas mit Steinen, Zeichnen und Drucken zu tun hat, wussten sie ebenso wenig, wie dass der Beruf am Aussterben war.

Obwohl ihn die Aussicht auf ausbleibende Aufträge als Lithograf traurig stimmte, trat Kurt Meier die Lehre an. Gleichzeitig eröffnete er als 17-Jähriger eine eigene Druckwerkstatt, gegenüber von Ernst Beyelers Galerie. Ein günstiger Standort, wie sich später herausstellte. Schillernde Persönlichkeiten mit internationalem Ruhm gaben dem jungen Lithografen Aufträge. Max Ernst und Meret Oppenheimer waren beispielsweise Kunden in seinem Atelier, für Beyelers Ausstellung druckte Meier mehrere Plakat-Serien.

Er schrieb dennoch rote Zahlen. So wurde Meier 21-jährig Lehrer für Lithografie an der Kunstgewerbeschule – der heutigen Hochschule für Gestaltung und Kunst. Anfangs war er jünger als die Hälfte seiner Schüler. Auf die Frage, wie er mit dem Altersunterschied umging, antwortet er mit verschmitztem Grinsen: «Ich habe meinen Schülern das Du angeboten und es 38 Jahre so beibehalten.» Vor dem Putzen fliehende Schüler fing er mit abgeschlossener Ateliertür ein.

Neben der Schultätigkeit malte er Bilder. Ab 1990 zwar nicht mehr mit Pinsel und Stift, sondern mit der Maus am Computer. So erfolgte die Umsetzung der künstlerischen Arbeiten in digitale Formate. Meier bekam davon nicht genug und besorgte sich Videokamera und Film-Schneideprogramme. Auf Kassetten im Miniformat speicherte Meier unzählige Stunden Filmmaterial.

Zu lang oder zu kurz

2010 zeigte das kult.kino in Basel einer seiner ersten Filme. In «Die unbeliebten Ausseinseiter», so heisst der Streifen, verbindet Meier Dokumentation von lithografischer Arbeit mit einem Porträt dreier Schweizer Künstler – Walter Wegmüller, Jörg Schulthess und Kurt Fahrner. Es sei schwierig, mit den eigenen Filmen ins Kino zu kommen, sagt Meier in einem Gespräch. Die Länge sei entweder zu lang für einen Kurzfilm, oder zu kurz für einen Spielfilm.

Hinzu kommt das Problem, dass seine Filme «komisches Zeugs», wie Kurt Meier gerne selber sagt, enthalten. Damit meint er die zusammenhangslose Einspielung von Bildern, musikalische Sondereinsätze, oder unbearbeitete Tonspuren, wie die eines Gesprächs bei offenem Fenster – ein offenes Fenster sorgt für unerwünschte Hintergrundgeräusche und gilt unter Filmprofis als Fauxpas.

Das ist Kurt Meier egal. Seine Filme kommen ungeschminkt auf die Leinwand.

Das Programm im Kino

Nach 13 Jahren intensiver Auseinandersetzung ist es endlich so weit: Am 19. und 26. April flimmern gleich 5 seiner experimentellen Dokumentarfilme über die Leinwand im kult.kino atelier in Basel. Jeweils um 11 und 13 Uhr zu sehen sein werden:

  • Farbtöne, kurzer Musikfilm
  • Warum denn nicht, Dokumentarfilm über die Ita Wegman Klinik
  • Farbe, mit dem Künstler Hans Rémond
  • Die unbeliebten Aussenseiter, Porträt über drei Schweizer Künstler
  • Die Vorstellung hat schon begonnen, Porträt von Christina Jermann

Mehr Informationen zum Programm und Tickets unter: www.kultkino.ch.

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