Pago Libre

Der Berg singt – in nah und fern, dank der Seilschaft Pago Libre

Pago Libre. Von links: Pianist und Komponist John Wolf Brennan, Tom Götze (Kontrabass), Florian Mayer (Violine) und der Horn-Virtuose Arkady Shilkloper.

Pago Libre. Von links: Pianist und Komponist John Wolf Brennan, Tom Götze (Kontrabass), Florian Mayer (Violine) und der Horn-Virtuose Arkady Shilkloper.

Das Quartett Pago Libre verbindet in «Mountain Songlines» einheimisches Liedgut, Klassik und Jazz. Emotional und gekonnt.

Bereits 1989 setzte das transeuropäische Quartett Pago Libre mit einer eigenen Klangnote seinen Fuss in die aktuelle Jazzszene. Eine Band, die mit Piano, Horn/Alphorn, Kontrabass und Violine eine Art Kammermusik zelebrierte, die auf klassischem Klang-Fundament die Rhythmen und Verzacktheiten von Jazz und die atmosphärischen Stimmungslagen von Volksmusik einwob. Eine Hörmusik, die als Fusion von leichter Klassik, tänzerischem Traditionserbe und querer Jazz-Veredelung, gespielt von vier ausgezeichneten Instrumentalisten, bis heute ihre Gültigkeit bewahrt.

Von der Ursprungsformation sind bei «Mountain Songlines» der aus Irland stammende Weggiser Pianist und Komponist John Wolf Brennan und der russische Horn-Virtuose Arkady Shilkloper geblieben. Seit ein paar Jahren neu dabei sind die deutschen Musiker Tom Götze (Kontrabass) und Florian Mayer (Violine).

Auf zwei Stücken wirkt die Ostschweizer Sängerin und Jodlerin Sonja Morgenegg mit, die auch im neuen Trio Sooon mit Brennan zusammenspielt. Das gibt dem Album definitiv den alpinen Volksmusikgeschmack, wie er auch auf anderen Stücken des Albums mal tänzerischer, mal andachtsvoller zum Ausdruck kommt. Dem Titel des Albums entsprechend hat Wolf Brennan, der regelmässige Berggänger, diesmal seine Inspirationen aus der alpinen Landschaft und den singenden Horizontlinien gezogen.

Die Inspiration lieferten die Berge und Bücher

Die Intention, «landscape» und «soundscape» zu verbinden, resultierte auch aus Brennans Lektüre von zwei Büchern. Zum einen «Zur Tonpsychologie des Schweizer Volksliedes» von Leonz Gassmann, zum anderen «The Songlines» von Bruce Chatwin. Sie lassen die Pole von Heimat und Ferne, eigenem Volksliedgut und globalen Einflüssen aufscheinen, die musikalisch verarbeitet werden.

Es ist eine Fahrt auf Nummer sicher, die das tänzerische und das besinnliche Element enthält, in der Durchdringung aber eher klassisch-verhalten bleibt. Es gibt schöne Melodien, die sich schlicht entfalten und auch mal den Sentimental-Klang berühren. Wir hören stimmungsvolle Interplay-Aktionen von allen vier Instrumentalisten, mit dem prägnanten (Alp-)Hornklang von Shilkloper. Die wendige Musikalität der frühen Pago Libre ist einer dezenteren Spielweise gewichen, die mehr auf Getragenheit und Emotionalität setzt.

Als witzige Zweittat: PlatzDada!

Gleichzeitig mit «Mountain Songlines» haben Pago Libre ein klanglich vollständig erneuertes Album aus dem Jahr 2008 neu veröffentlicht: Die remasterte Version von «PlatzDada!» gefällt mit ihrer Transparenz und Präsenz. Auf 24 Tracks werden Gedichte von Hans Arp, Kurt Schwitters und Daniil Charms musikalisiert, und mit dadaistischen Inspirationen zwischen Spoken-Word-Frühzeit und Opern-Witz verwoben. Das Album wurde 1999 mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet und bietet ein nahrhaftes Wiederhören.

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