Las Vegas

Der 22-jährige Pius Heinz ist neuer Poker-König

In der Nacht auf Mittwoch spielte sich ein Drama ab. Ein Poker-Drama. Als Siebter hatte sich Pius Heiz aus Deutschland in die besten Neun gespielt. Seine Chancen auf den Sieg waren gering. Doch der 22-Jährige belehrte alle eines Besseren.

Der Weg von Pius Heinz an die Spitze der Poker-Elite war steinig. Im ersten Ausscheidungsturnier musste er sich gegen 6 865 andere Spieler durchsetzen. Es war das drittgrösste Live-Poker-Turnier, das je gespielt wurde. Die Qualifikation gelang, worauf Heinz im Sommer dieses Jahres nach Las Vegas reiste.

Final-Qualifikation

Gegen ein deutlich stärkeres Feld schaffte es der Deutsche erneut unter die besten Neun vorzustossen. Er sammelte während den acht Tagen am siebtmeisten Chips. Als zweitletzter dieser finalen Spieler traute ihm zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand einen Sieg zu.

Es folgten vier lange Monate des Wartens auf den Poker-Event des Jahres. In dieser Zeit ging der 22-Jährige seinen Studien in Wirtschaftspsychologie nach. Anfang November flog der junge Deutsche also ein zweites Mal nach Las Vegas um den Titel für Deutschland zu gewinnen.

Das Finalspiel

Am Sonntag, 6.November 2011, begann die Final-Session, in welcher nochmals sechs Spieler eliminiert werden würden. Nach acht Stunden stand das Ergebnis fest. Pius Heinz hatte sich zum Chip-Leader gekämpft. Der Tscheche Martin Staszko, ein noch unbeschriebenes Blatt im Poker-Sport, und Ben Lamb, WSOP «Player of the Year», hatten ihn herausgefordert.

Am Dienstagabend wurde das Finalspiel wieder aufgenommen. Und schon von Beginn an war das Spiel ausserordentlich spannend. Ben Lamb ging gleich von Anfang an aufs Ganze. Er spielte attraktiv und risikofreudig. Dies ging aber schnell nach hinten los. Mit einem äusserst riskanten Bluff wollte der «Player oft he Year» dem Tschechen Staszko eine sicher geglaubte Hand stehlen.

Nachdem Staszko nur schwach «raiste», ging Lamb zum Angriff über und «re-raiste». Dies obwohl er eine eigentlich nicht sehr gute Hand hatte. Staszko beglich den Betrag und ging gleichzeitig «All-In». Lamb verlor die Hand und einen Grossteil seiner Chips. Fünf Minuten später schied er aus.

Heads-Up

Damit begann ein unglaubliches «Heads-Up» zwischen dem Tschechen und Pius Heinz. Der Deutsche führte zu Beginn minimal. Während den nächsten sechs Stunden wechselte die Führung mehrere Male. Es war das längste und sicherlich auch eines der spannendsten Duelle der Poker-Geschichte.

Diese Spannung färbte auf die Zuschauer ab, wie die WSOP, der Organisator des Turniers, schreibt. Die Fans der beiden Spieler feuerten ihre Schützlinge teilweise mit Fussball-ähnlichen Sprechchören an. Ein weiteres Novum in der Geschichte des Pokers.

Die entscheidende Hand

Die letzte Hand wurde gespielt, als Heinz eine sogenannte «Anna Kurnikowa» (sieht schön aus, gewinnt aber selten) hielt. Gemeint ist eine Hand mit Ass und König. Mit dieser Hand setzte der junge Deutsche den Tschechen «All-In». Die folgenden fünf Karten bescherten Keinem der Beiden ein pair, weshalb Heinz mit «High-Card» gewann.

Die letzte Hand des Heads-Up. DIe Spannung ist greifbar.

Die letzte Hand des Heads-Up. DIe Spannung ist greifbar.

Mit den 8,7 Millionen US-Dollar strich der Student das dritt-höchste je beim Pokern vergebene Preisgeld ein. Auch anderweitig brach das Finale ein Rekord. Noch nie war ein Poker-Spiel in so viele Länder live übertragen worden. (cht)

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