Kino

Denzel Washington wartete 41 Jahre auf sein erstes Mal

Die erste Filmrolle, in die er ein zweites Mal geschlüpft ist: Denzel Washington als Ex-CIA-Agent Robert McCall in «The Equalizer 2».

Die erste Filmrolle, in die er ein zweites Mal geschlüpft ist: Denzel Washington als Ex-CIA-Agent Robert McCall in «The Equalizer 2».

Der Hollywoodstar stand bereits für 56 Filme vor der Kamera - sein neuer Actionfilm «The Equalizer 2» ist trotzdem eine Premiere.

Bruce Willis hat schon, genau wie Harrison Ford und Arnold Schwarzenegger auch. Nur Denzel Washington, der hat noch nie.

Seit 1977 steht der heute 63-jährige Hollywoodschauspieler schon vor der Kamera, er hat seither 56 Filme gedreht und dabei unvergessliche Rollen gespielt wie jene als Menschenrechtsaktivist Malcolm X, als Boxer Rubin «Hurricane» Carter oder als Drogenkönig Frank Lucas in «American Gangster».

Aber im Gegensatz zu den meisten seiner Berufskollegen hat er noch nie eine Rolle zweimal gespielt. Washingtons Credo lautet «No sequels», während seiner 41-jährigen Karriere war er in keiner einzigen Fortsetzung zu sehen gewesen. Bis jetzt.

Offizieller Filmtrailer zu «The Equalizer 2».

Robert McCall, der Held aus dem Actionfilm «The Equalizer» (2014), der gerne Bücher liest und Unrechtmässigkeiten ausgleicht – nicht selten mit zwei Pistolen –, ist die erste Filmrolle, in die Washington nun ein zweites Mal geschlüpft ist.

Regie führte bei «The Equalizer 2» wie schon bei Teil eins der 52-jährige amerikanische Actionspezialist Antoine Fuqua, den die «Nordwestschweiz» kürzlich am Filmfestival in Locarno zum Gespräch traf.

«Genau wie Denzel habe ich noch nie ein Sequel gemacht», erzählt Fuqua, «denn ich hatte bei keinem meiner Filme das Gefühl, dass das nötig sei. Doch dann wurde uns ein Drehbuch vorgelegt, das uns beide begeisterte. Weil es nicht einfach eine Kopie von Teil eins ist, sondern uns Einblicke in McCalls rätselhafte Vergangenheit gibt.»

Ein zeitloser Held

Fuqua nennt Robert McCall, diesen einsamen Wolf, der auf eigene Faust nach dem Rechten sieht, einen «zeitlosen Helden». Genau wie einst George Lucas und Francis Ford Coppola liess Fuqua die Arbeit des berühmten Mythologie-Autors Joseph Campbell in seine Filmwelt einfliessen.

Traumduo: Regisseur Antoine Fuqua gibt seinem Star Anweisungen auf dem Set.

Traumduo: Regisseur Antoine Fuqua gibt seinem Star Anweisungen auf dem Set.

«McCall befindet sich auf einer Reise ins Herz der Dunkelheit», sagt Fuqua. «Es ist dieselbe Reise, die jeder von uns unternimmt – und an deren Ende wir mit uns selbst konfrontiert werden.»

Für McCall bedeutet das, dass er sich in «The Equalizer 2» seiner Vergangenheit stellen muss, die die Form einer Gruppe schwerbewaffneter Kerle annimmt. Wie bereits in Teil eins wechseln sich hier laute, extrem gewalttätige Actionszenen mit ruhigeren, intimeren Momenten ab.

Der herumballernde Robert McCall, der seine Vergeltungsaktionen kein einziges Mal hinterfragt, ist dabei weitaus weniger interessant als jener McCall, der sich rührend um das Wohlbefinden seiner Nachbarn kümmert.

Es sind kuriose kleine Nebenabenteuer, die wenig mit der eigentlichen Filmhandlung zu tun haben und die viele andere Hollywoodregisseure wohl rausgeschnitten hätten.

Fuqua nickt: «Das stimmt, doch viele Fans des ersten ‹Equalizer›-Films haben mir gesagt, dass genau diese Szenen ihre Lieblingsszenen waren. Ich habe auf sie gehört, denn ich mache Filme nicht für mich, sondern für ein möglichst grosses Publikum, das im Kino Spass haben und etwas fühlen soll.»

Robert McCall (Denzel Washington) nimmt den Teenager Miles (Ashton Sanders) unter seine Fittiche.

Robert McCall (Denzel Washington) nimmt den Teenager Miles (Ashton Sanders) unter seine Fittiche.

Die besten Szenen in «The Equalizer 2» sind denn auch jene, in denen McCall einen begabten Teenager (stark: «Moonlight»-Star Ashton Sanders), der von einer Strassengang angeworben wird, unter seine Fittiche nimmt.

«McCall ist nicht ein Held, weil er andere Leute bekämpft», sagt Fuqua, «sondern weil er einem Teenager beibringt, dass ‹Mann› nicht ‹g-u-n› buchstabiert wird, und sich Zeit nimmt, mit einem einsamen alten Mann auf einer Bank Platz zu nehmen und sich dessen Probleme anzuhören.»

Ein Duo, das sich versteht

Es sind zweifellos auch jene Szenen, in denen das grosse Einfühlungsvermögen von Denzel Washington am besten zur Geltung kommt. Bereits viermal stand er nun für Antoine Fuqua vor der Kamera, darunter auch für die Rolle als korrupter Cop im Film «Training Day», der Washington 2002 seinen zweiten Oscar einbrachte.

«Manchmal hast du als Regisseur dieses Glück und findest einen grossartigen Darsteller, mit dem du dich blind verstehst», sagt Fuqua über die langjährige Zusammenarbeit, «Scorsese hatte das mit Robert De Niro, ich habe das mit Denzel.»

Kein Wunder, fasst Fuqua schon das nächste Projekt mit Washington ins Auge: ein Remake des Mafia-Klassikers «Scarface». «Denzel glaubt, ich scherze, doch sobald ich ein gutes Drehbuch habe, lege ich los.»

Denkbar ist wohl auch ein dritter «Equalizer»-Film. Denn nach 41 Jahren ist der Sequel-Bann bei Denzel Washington nun gebrochen.

The Equalizer 2 (USA 2018), 121 Min. Regie: Antoine Fuqua. Ab Donnerstag, 16.8., im Kino. ★★★☆☆

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