Pro und Kontra

Debatte um Empfinden: Wie wohl ist uns noch im Kinosaal?

Die Schweizer Kinos stehen kurz vor ihrer Wiedereröffnung.

Die Schweizer Kinos stehen kurz vor ihrer Wiedereröffnung.

«Bedenkenloser Filmgenuss», sagt unsere Filmredaktorin, «ein Unbehagen bleibt», schreibt unser Filmredaktor.

Pro: Bedenkenloser Filmgenuss

Regina Grüter

Regina Grüter

Fünf Tage, fünf Filme. Ich habe mir gewisse extra für die grosse Leinwand aufgespart. «About Endlessness» von Roy Andersson etwa oder die Jane-Austen-Verfilmung «Emma.».

Ich habe nichts gegen Streaming, gar nicht, schaue mir Filme und Serien auf dem Fernsehbildschirm an, auf dem Laptop, manchmal sogar auf dem Smartphone. Das Kino kann nicht alles abdecken. Doch der Cineast ist nicht nur cinephil, er ist auch ein begeisterter Kinogänger; liebt nicht nur den Film, sondern auch das Kino und will nicht dessen Totengräber sein. Und im Gegensatz zu den momentanen Bedingungen für die Betreiber ist dieser Idealismus für uns nicht mit Opfern verbunden.

Meine Erfahrungen? Die sind rundweg positiv. Wo auch immer, Luzern oder Zürich, Arthousekino oder Multiplex, der Kinobesuch gestaltete sich einfach, die Filmtheater haben das Schutzkonzept praktikabel umgesetzt. Die Angestellten wie die Gäste verhalten sich rücksichtsvoll, achten auf Abstand – und die Freude steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

regina.grueter@chmedia.ch

Contra: Ein Unbehagen bleibt

Daniel Fuchs.

Daniel Fuchs.

So richtig geniessen kann ich einen Kinobesuch noch nicht. Da war doch was, Corona, während zweier Monate achteten wir penibel auf die Distanzregeln. Ja keinem zu nahe kommen! Und dann regten wir uns auf, weil es zu wenig Masken gab. Und jetzt, wo es sie gibt, trägt sie niemand. Nicht in der voll besetzten S-Bahn, nicht beim Einkaufen, auch nicht im Kino.

Dabei ist die Empfehlung klar: Können Abstände nicht eingehalten werden, dann soll man sich eine Maske anziehen, auch im Kino. Und bei bloss einem leeren Sessel zwischen den Kinobesuchern ist der Sicherheitsabstand für mein Verständnis eher gering. Mir bereitet diese neue Sorglosigkeit etwas Kummer. Im bereits abgedunkelten Kino war ich es, der sich nach einem neuen Sitzplatz umsah, weil der ältere Mann, der zu spät in den Saal schlich, sich direkt hinter mich setzte.

Entspannt im Kino sitzen kann ich zurzeit wirklich nur mit wenigen anderen Gästen, auf gut besetztes Kino verzichte ich momentan lieber. Das Virus ist ja noch nicht weg, auch wenn es die meisten bereits verdrängt haben.

daniel.fuchs@chmedia.ch

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