Beziehung

Das sind die Komponenten für eine lange Partnerschaft und Ehe

Streiten ist für eine Beziehung gar nicht so schlimm – viel dramatischer wird es, wenn Schweigen oder Verachtung vorherrschen.CINETEXT

Streiten ist für eine Beziehung gar nicht so schlimm – viel dramatischer wird es, wenn Schweigen oder Verachtung vorherrschen.CINETEXT

Wer schon bei der Hochzeit gerne wissen möchte, ob die Partnerschaft ewig halten wird, sollte den Oxford-Professor James Murray und seinen Kollegen John Gottman von der Universität Washington in Seattle befragen.

Der schottische Mathematiker und der US-amerikanische Psychologe haben zusammen eine Formel entwickelt, mit der sich berechnen lässt, ob die Ehe eines Tages geschieden wird oder nicht – mit einer Vorhersagegenauigkeit von 94 Prozent.

«Es klingt verrückt und ich war selber überrascht», sagt Murray, «dass menschliche Emotionen sich in eine mathematische Formel übersetzen lassen und damit dann Vorhersagen getroffen werden können.»

Die beiden Wissenschafter behaupten das nicht einfach so, sie können es auch belegen, und zwar mit einer Langzeitstudie, die sie 1992 begonnen haben. Damals holten sie sich 700 frisch vermählte Paare ins Labor der Universität Washington in Seattle und unterzogen sie einem Beziehungsstresstest.

Humor gibt vier Pluspunkte

Beide Ehepartner mussten sich dabei an einen Tisch setzen und 15 Minuten lang über heikle Themen miteinander diskutieren, beispielsweise Schwiegereltern, Geld oder gemeinsame Zukunftsplanung.

Diese oft schnell zum Streitgespräch ausartenden Unterhaltungen wurden von den Forschern mit Filmkameras festgehalten und von physiologischen Untersuchungen begleitet, bei denen der Blutdruck oder die Schweissproduktion gemessen wurden. Ein Team von Psychologen bewertete daraufhin Gesichtsausdruck und Körpersprache jedes einzelnen Probanden mit einem speziellen Punktesystem.

So gab es etwa für offen gezeigte Gleichgültigkeit vier Minuspunkte, Herumjammern wurde mit einem Minuspunkt bewertet, ebenso wie Zorn und Wut oder auch Dominanzgebaren dem Partner gegenüber, wohingegen aufrichtiges Interesse zwei Pluspunkte einbrachte und Zuneigung oder Humor sogar vier.

Am Ende stand so ausreichend Material zur Verfügung, dass die Forscher in ihre Eheformel eingeben konnten. Die Ergebnisse der recht komplexen Berechnungen wurden dann in der Folge jedes Jahr überprüft.

Die Forscher schauten also, ob die Paare noch verheiratet waren oder sich inzwischen getrennt hatten und vor allem, ob ihre Prognosen korrekt waren. «In den vielen Jahren hat sich gezeigt», sagt die beteiligte Mathematikerin Kirsten Swanson, «dass diejenigen Paare sich nicht scheiden liessen, die ein durchschnittliches Punkteverhältnis von 5 zu 1 hatten, also auf einen Minuspunkt im Schnitt fünf Pluspunkte erreichten.»

Mehr noch: «Paare, die sich scheiden liessen, wiesen eine Punkteverteilung von 0,8 zu 1 auf.» Noch etwas fanden die Forscher heraus: Diejenigen Paare, die stark von diesem idealen Punkteverhältnis von 5 : 1 abwichen, liessen sich im Schnitt nach fünf Jahren scheiden, Paare mit nur leichten Abweichungen erst nach 16 Jahren.

Streit ist nicht zwingend schlecht

Die Langzeitstudie brachte aber auch ans Licht, was diese Beziehungen tötete. «Es sind Entfremdung, Gleichgültigkeit oder Verachtung», sagt der Psychologe John Gottman, «und nicht unbedingt der Streit, wie man vielleicht vermuten könnte. Wer streitet, aber als Ausgleich viel lacht, kann durchaus eine stabile Ehe führen.»

Wenn man sich hingegen emotional voneinander entfernt und nichts mehr zu sagen hat, dann steht die Ehe unter keinem guten Stern, so Gottmann: «Man erkennt diese Paare im Restaurant, wenn sie sich stumm gegenübersitzen.»

Die Studie hat auch gezeigt, dass Ehepartner, die gemeinsamen Erinnerungen gar nichts Positives abgewinnen konnten, auf das Scheitern ihrer Ehe zusteuerten.

Aber selbst derartige Fälle müssen nicht zwangsläufig in einer Katastrophe enden, weiss der Psychologe aus Seattle, und macht den Betroffenen Hoffnung: «Manche Menschen wissen nicht, wie man eine emotionale Beziehung zum Partner aufbaut oder wie man Dinge mit Humor nimmt. Wichtig ist in so einem Fall die Bereitschaft, sich zu ändern und aufeinander zuzugehen. Ein professioneller Eheberater kann dabei eine gute Hilfe sein.»

Es gibt eine Reihe von Anhaltspunkten, an denen sich erkennen lässt, ob die Ehe zum Scheitern verurteilt ist, sagt Gottman, der die vier wichtigsten die «apokalyptischen Reiter» nennt. Dieses sind die Folgenden.

Erstens: Schuldzuweisungen, mit der Absicht, sich selbst ins Recht und den Partner ins Unrecht zu setzen. Generalisierungen sind dabei an der Tagesordnung, frei nach dem Motto: «Immer machst du dies und jenes» oder «niemals ...».

Zweitens: Das Blossstellen und Herabwürdigen des Partners, indem man ihn beschimpft, mit Sarkasmus überzieht oder mit negativer Mimik und Gestik seine Verachtung ausdrückt.

Drittens: Sich selbst als Opfer darstellen, indem man jammert, dem Partner die Worte im Mund umdreht und sich selbst in den Vordergrund drängt, ohne auf die Belange des anderen einzugehen. Viertens: Eine Mauer um sich herum errichten, indem man sich emotional zurückzieht, schweigt und Distanz zum Partner aufbaut.

Aufeinander eingehen und lachen

Andererseits profitiert die Beziehung laut dem Psychologen davon, wenn man seinem Partner gegenüber aufgeschlossen ist, auf ihn eingeht und sich für seine Belange ernsthaft interessiert. Respekt und sachliche Argumentation tun ein Übriges. Vor allem aber sollte man ruhig öfter einmal herzhaft zusammen lachen.

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