Es gibt gewisse Dinge, die in einem Märchen einfach nicht fehlen dürfen. Edle Prinzen, schöne Prinzessinnen, sprechende Tiere und, zu guter Letzt, ein prächtiges Schloss – wie jenes in Wildegg. Das Schloss und die Anlage stehen an diesem Wochenende, 1. und 2. September, ganz im Dienste des Märchen- und Geschichtenfestivals «Klapperlapapp». Die besten Märchenerzählerinnen und -erzähler der Schweiz befinden sich seit Ende Mai auf Tournee durch das ganze Land und machen für das grosse Finale auf Schloss Wildegg halt. «Das Festival in Wildegg ist sicherlich die Krönung der Tournee. Die Location mit dem Schloss ist einfach einmalig», sagt Michael Furler, Gesamtverantwortlicher des Festivalprogramms.

«Klapperlapapp» ist eine Erfolgsgeschichte. Erstmals durchgeführt wurde das Festival 2013 im Berner Dählhölzliwald, unter dem Namen «Geschichtenfestival Bern». Die gemeinsame Idee von Märchen-Urgestein Tinu Baud und Erzählerin Maya Silfverberg hatte allerdings Pech und schrieb zu Beginn rote Zahlen. 2015 übernahm der Zürcher Michael Furler die Gesamtverantwortung des Festivals, das nun in «Klapperlapapp» umgetauft wurde. Mittlerweile spielt das Festival jährlich 500 Shows in zehn verschiedenen Regionen der Schweiz. Mit diesem Erfolg hatte selbst der Verantwortliche nicht gerechnet. «Ich hatte das Potenzial für Wachstum gesehen. Dass es dann aber so schnell gehen würde, hat mich schon überrascht. Es zeigt auch, dass ein Bedarf an künstlerisch hochwertiger Unterhaltung vorhanden ist», sagt Furler.

«Klapperlapapp» stellt sich vor

«Klapperlapapp» stellt sich vor

Bei «Klapperlapapp» treten die besten Märchenerzählerinnen und Märchenerzähler der Schweiz auf. Von Juni bis Oktober tourt das Festival durch die ganze Schweiz.

Die Kulisse von Schloss Wildegg wird dieses Wochenende von den Künstlern möglichst umfassend genutzt, sodass kleine und grosse Freunde von Märchen ganz auf ihre Kosten kommen dürften. Insgesamt wird es über 50 Shows geben, in denen Märchenerzähler, Animationskünstler und Musiker ihre Geschichten zum Besten geben. Das Herzstück des Festivals bilden sechs Schlossbühnen. Auf dem Areal warten die bekannten Märchen der Brüder Grimm, aber auch Sagen und Legenden aus dem Volksmund. «Wir sind besonders stolz darauf, dass Künstler aus der ganzen Schweiz bei uns auftreten. Insgesamt gibt es 8 Dialekte zu hören, vom Wallis bis zum Thurgau ist alles dabei», erklärt Furler.

Linard Bardill: Ein alter Hase

Zu den Künstlern gehören zum Beispiel die urchigen Boozu-Frauen aus den Walliser Bergen, die von unheimlichen Geschichten und sagenhaften Begegnungen zu erzählen wissen. Petit Pepe ist Clown, Zirkusdirektor, Grossvater, und Zauberer in einer Person und das Zürcher Minitheater Hannibal (Andrea Fischer Schulthess und Adrian Schulthess) verpasst alten Märchen einen modernen Anstrich. Natürlich darf unter den Märchenerzählern ein altbekanntes und allseits beliebtes Gesicht nicht fehlen: Linard Bardill.

Der Bündner ist seit über dreissig Jahren eine feste Grösse der Schweizer Märchen- und Liedermacher-Szene. Seine Musik wird von Generation zu Generation weitergegeben, was der Künstler auch an seinen Konzerten zu erleben bekommt. «Weil ich ein alter Hase bin, kommen heutzutage Mütter zu meinen Shows, die mich schon als Kinder erlebt haben. Manchmal ist auch noch die Grossmutter dabei, dann sind es drei Generationen. Das macht einfach Spass!», erzählt Bardill im Gespräch.

Bardill ist seit über dreissig Jahren eine feste Grösse der Schweizer Märchen-Szene.

Der Bündner Liedermacher Linard Bardill

Bardill ist seit über dreissig Jahren eine feste Grösse der Schweizer Märchen-Szene.

Der Liedermacher tritt bereits zum dritten Mal bei «Klapperlapapp» auf. Trotzdem ist er jedes Mal aufs Neue erstaunt, wie aufmerksam die Kinder den Erzählungen folgen. «Sie sitzen da, hören mit grossen Augen zu und sind unendlich offen für diese Sagen und Geschichten.» Mit seiner jahrelanger Erfahrung weiss der Märchenexperte genau, was eine gute Geschichte ausmacht: «Die guten Geschichten sind nicht für Kinder – sie sind für alle. Gute Geschichten haben zudem verschiedene Ebenen.» Als Beispiel nennt der Liedermacher die Geschichte von «Hans im Glück». Auf der einen Ebene sei sie einfach lustig und man könne herzhaft mitlachen. «Auf der anderen Ebene beschäftigt sich die Geschichte mit der Frage, was Glück für uns überhaupt bedeutet. Mit dieser Frage setzen sich auch die Erwachsenen auseinander.»

Nebst den Erzählern auf den Bühnen treten eine Reihe von weiteren Künstlerinnen und Künstlern auf. Samstagabend entführt, zum Beispiel, die Gruppe Landstreichmusik die Besucher in zauberhafte Sagenwelten und das Animationsduo «Merkel und Vannix» begeistert die Besucher mit seiner Strassenkunst.

Campen am Fusse des Schlosses

Das Festival-Programm erstreckt sich sogar über den Tag hinaus. Zwar kann man die Führungen durch das Schloss auch tagsüber besuchen, doch nachts ist es bestimmt spannender, die geheimen Winkel zu erkunden. Bei einem derart üppigen Programm werden auch die hartgesottensten Märchen-Liebhaber irgendwann Müde. Verlassen muss man das Schloss trotzdem nicht, denn im Campground am Fuss des Schlosses kann man sein Zelt aufschlagen und die Abenteuer vom Tag im Schlaf fortsetzten.