Klassische Musik

Das junge Klassikfestival Swiss Alps Classics in Andermatt wagte es, Corona zu trotzen

Das Janoska Ensemble im Andermatter Konzertsaal.

Das Janoska Ensemble im Andermatter Konzertsaal.

An drei Abenden wurde munter aufgespielt: Das Klassikfestival in Andermatt hat eine Brücke vom Gotthard an den Vierwaldstättersee geschlagen.

Ist es nicht bezaubernd und erstaunlich, wie dieser aussergewöhnliche Sommer durch den Enthusiasmus von Festivalmachern einen aufmunternden Klang erhalten hat?

Selbst in Andermatt, wo die Swiss Alps Classics erst seit vier Jahren dank der Initiative des Österreichers Peter-Michael Reichel stattfinden, wurde übers Wochenende vor «vollen» Sälen munter musiziert. Das ursprüngliche Programm wurde zwar heftig durchgeschüttelt und verändert, die «normale» Konzertsaison von Investor Samih Sawiris hingegen ist bis Januar eingestellt.

Nicht alle halten sich an Maskenpflicht

Am Samstag zieht sich um 18 Uhr vom Luxushotel Chedi eine Schlange elegant gekleideter Menschen durch die Bahnhofunterführung und das anschliessende Niemandsland (Damen mit High Heels sitzen in den Shuttle-Bussen) hinüber zum surreal-komischen Radisson-Dörfchen, wo der im Juni 2019 von Samih Sawiris eröffnete Konzertsaal in den Untergrund lockt.

Ehe es in den akustisch und optisch überaus ansprechenden Saal geht, werden vorbildlich Masken und Desinfektionsmittel überreicht. «Maskenpflicht» steht in einer Ecke auf einem Zettel, doch nur zwei Drittel halten sich im Saal daran. Man fragt sich, warum es nicht alle taten – war letzte Woche nicht die Schlagzeile «Corona: Zwei Restaurants in Andermatt geschlossen» zu lesen?

Das Janoska Ensemble aus Bratislava – eine angesagte Formation aus zwei Geigen, Bass und Klavier – versteht sich darauf, Hits aus Klassik, Pop und Jazz virtuos zu vermischen.

Zufriedene Erschöpfung

Dem Festivalthema «Beethoven. 250» huldigt man kurz und korrekt, routiniert munter präsentiert man darauf die Klassiker, nicht ohne viermal auf die CDs zu verweisen. Der Mix spricht das bunt gemischte Publikum bestens an, Standing Ovations gibt’s dafür allemal.

Ab ins Tal heisst es am nächsten Morgen: An der Teufelsbrücke vorbei, ab Flüelen den lächelnden See vor Augen – und schon sitzen wir in einem schmucken Saal des Park Hotels in Vitznau.

Pianist Sergey Tanin hat sich vorgenommen, alle Stilrichtungen, die er kennt, auszuloten; dazu Beethoven («Eroica»-Variationen) zu spielen. Der Russe, der beim Géza-Anda-Wettbewerb 2018 begeisterte, meistert seinen Parcours via Liszt, Brahms und Prokofjew korrekt. Zufriedene Erschöpfung im Saal wie auf dem Podium.

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Autor

Christian Berzins

Christian Berzins

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