«Die Zuschauer erwartet das Duocalva in Reinkultur», sagt Alain Schudel. Und Daniel Schaerer doppelt nach: «Wir zelebrieren das, was unsere Produktionen von anderen unterscheidet». Die beiden Cellisten Schudel und Schaerer beigeistern seit fünf Jahren unter dem Namen «Duocalva» die Klassikszene mit ihren komödiantischen und musikalischen Programmen. Von Mozarts Zauberflöte über Bach bis hin zu Vivaldis Winter – die beiden Musiker arrangieren und interpretieren die Klassiker neu. Am Wochenende wollen die beiden nun während 20 Stunden drei verschiedenen Produktionen zum Besten geben. Es ist das erste Duocalva-Festival.

(Quelle: Youtube/duocalva)

Die zwei Cellisten vom Duocalva

Mut zum Risiko

Gefunden haben sich die Musiker 1996 im Schweizer Jugendsinfonieorchester. «Da haben wir gemerkt, dass der andere gar nicht einmal so unsympathisch ist», erzählt Schudel. Schnell haben sie entdeckt, dass es ihre Gegensätzlichkeit ist, die das Publikum anspricht. «Wir spielen beide Cello, was als Grundidee ja relativ langweilig ist.»

Aber die beiden haben auch Gemeinsamkeiten: «Der Mut zum Risiko und die Zuverlässigkeit verbinden uns», so Schaerer, der in Lenzburg lebt und unterrichtet. «Die Grundlage, dass wir uns an den Auftritten so necken können und fies miteinander umgehen, ist, dass wir uns schon zehn Jahre lang kannten, bevor wir uns auf der Bühne öffentlich angegriffen haben», bringt es Schudel auf den Punkt. Obwohl Schudel eigentlich Zürcher ist, wurde das Duocalva in seinen Anfängen vor allem im Aargau gefördert. Ihre Idee, die klassische Musik von ihrem todernsten Dasein zu befreien, komme selbst bei den Musikerkollegen sehr gut an.

Ein Problem der klassischen Musik sei der fehlende Kontakt zum Publikum. «Viele Leute fühlen sich nicht abgeholt», so Schudel. Diese Hemmschwelle will der 34-Jährige mit Schaerer überwinden. «In der klassischen Musik muss etwas geschehen, sonst gibt es sie in dreissig Jahren nur noch für wenige Leute».

«Es ist unser tiefer Ernst»

Denn trotz der Komik fühlen sich die beiden zu hundert Prozent als Musiker. «Es ist manchmal beängstigend, wie viele Leute uns nach dem Auftritt fragen, was wir denn eigentlich beruflich machen und das Gefühl haben, Cello spielen kann man einfach so nebenher», meint Schudel. Die Wahrheit ist: «Wir schwitzen jeden Abend Schweiss und Blut und es ist unser tiefer Ernst».

«Das Duocalva steht für qualitativ hochstehende, klassische Musik», meint Schudel mit feierlichem Unterton, wobei der Schalk in seinen Augen aufblitzt und Schaerer erwidert: «Wenn du das so sagst, ist es eigentlich ein Scherz, obwohl es stimmt. Die Leute lachen, wenn sie das hören.»

Nicht ganz ernst zu nehmen ist auch der Titel «Festival», den die beiden ihrem Wochenendprogramm verliehen haben, obwohl sie sogar «Festivalpässe» verkaufen. Geplant ist, dass das Duocalva innerhalb von 20 Stunden drei Produktionen spielt: ihr erstes Bühnenprogramm «Die Zauberflöte», «Cellolite» und «Das scheinheilige Adventsprogramm mit Bruno Gans». Die beiden haben zwei Gründe, wieso sie dreimal während zweier Stunden das Publikum unterhalten wollen: Sportlicher Ehrgeiz und der Wunsch, den Zuschauern alle Programme auf engstem Raum zu bieten.

Auch in Zukunft will das Duocalva der klassischen Musik, treu bleiben. An Silvester wird das Duo mit einem Profiorchester auftreten und für 2014 ist ein neues Programm geplant. «Wir zeigen, dass klassische Musik nicht elitär sein muss und auch ins kleine Dorf gehört. Missionieren wollen wir aber nicht – die meisten kommen immer noch freiwillig», scherzt Schudel.

1. Duocalva-Festival, Aarau, Kultur- und Kongresshaus, Sa, 15.12., 16 und 20 Uhr, So, 16.12., 11 Uhr. Weitere Vorstellung: Baden, ThiK, So, 16.12., 18 Uhr. Weitere Informationen: www.duocalva.ch