Rock-Legenden

Darum spielen Krokus im Aargau

Der Rocker vom Dienst: Chris von Rohr.

Der Rocker vom Dienst: Chris von Rohr.

Krokus geben am Riverside Festival in Aarburg das einzige Konzert in diesem Jahr. Im Interview spricht Chris von Rohr über die Popsülze am Radio und die Fehde mit Gotthard.

Was können wir in Aarburg erwarten?

Chris von Rohr: Eine extrem spielfreudige, gut gelaunte Band, die voll aufgetankt wieder auf die Bühne zurückkehrt und das tut, was sie am liebsten tut: live spielen. Und ja, wir haben unser Liveset mit ein paar neuen Krachern erweitert. Es wird ein Hard-Rock-Feuerwerk, wie wir es in dieser Form noch nie hatten. Jetzt müssen nur noch die Wettergötter mitspielen.

Weshalb machen sich Krokus so rar?

Es gibt Jahre, wo man ernten kann, und Jahre, wo man säen muss. Dieses Jahr ist ein Studiojahr. Nur weil der ganze CD-Markt eingebrochen ist und man kaum noch Tonträger verkauft, machen Krokus jetzt keine halbbatzigen Sachen. Wir nehmen uns Zeit und arbeiten sorgfältig. Das Ziel ist, etwas aufzunehmen, worauf wir alle stolz sein dürfen und das man auch in 10 Jahren noch hören kann. Wir sind auch keine Band mehr, die inflationär rumtourt. Vorletztes Jahr spielten wir intensiv in der Schweiz und in Deutschland. Letztes Jahr in den USA, Schweden und Spanien. Ein Krokus-Konzert sollte etwas Besonderes sein: für uns und die Fans.

Hat es auch mit dem Alter zu tun?

Eher mit Erfahrung. Wir wissen heute, was uns guttut. Natürlich lieben wir es, zu spielen, und sind zum Glück noch fitter als die Polizei erlaubt, aber endlose Tourneen wirds bei uns nicht mehr geben. Die hatten wir genug. Aber wir sind bereit, nächstes Jahr wieder mehr zu spielen. Angebote aus den USA, Deutschland, Japan und sogar Russland sind bereits da und werden geprüft. Natürlich auch in der Schweiz.

Für Bands, die in dieser allgegenwärtigen Popsülze nicht gross am Radio stattfinden, ist das auch wichtig. Wir stehen mit vielen hart arbeitenden Bands für eine andere Kultur. Unsere Musik findet nicht am Computer und im Fotostudio statt, sondern live auf der Bühne.

Gibt es für Rock ’n’ Roll eine Altersgrenze?

Nein, aber eine Qualitätsgrenze. Die muss jede Band für sich selbst definieren. Hardrock altert sicher nicht so gut wie Country oder Blues, das ist klar. Trotzdem sind wir froh, dass es die Rolling Stones, Black Sabbath und AC/DC noch gibt. Aber auch das ist leider bald vorbei und Vergleichbares wirds nicht geben. Eine grosse Ära geht bald zu Ende. Geniessen wirs also noch.

«TalkTäglich» zur Krokus-Ehrung: Sehen Sie hier die ganze Sendung.

«TalkTäglich» zur Krokus-Ehrung: Sehen Sie hier die ganze Sendung (2015)

Sie schreiben Artikel und Bücher. Hat sich Ihre Arbeit weg von der Musik verlagert?

Ich schaue auf meinen Organizer 2016–17. Da steht 80 Prozent Musik und 20 Prozent schreiben und sonstige Engagements. Musikmachen wird immer meine Lieblingsbeschäftigung sein. Das ist meine Medizin und so wird das auch bleiben. Aber man darf von einem 64-jährigen, weit gereis-ten Rockdruiden auch erwarten, dass er
etwas zum ganzen Irrsinn dieser Welt zu sagen und zu schreiben hat. Ich will mit meinen Büchern vor allem den Jüngeren und Älteren Mut machen und etwas weitergeben – die Botschaft der Unerschrockenheit und die Freude am Kleinen.

Was steckt hinter den Projekt «Swiss Monsters of Rock»? Ist das Kriegsbeil mit Gotthard endgültig begraben?

Die Idee ist, den Fans das Beste und Erfolgreichste zu geben, was der Schweizer Hardrock über Jahrzehnte zu bieten hat, und zwar zusammen am gleichen Abend auf der gleichen Bühne. Also Krokus, Shakra und Gotthard. Das wird definitiv ein historischer Moment für Fans und uns Bands. Auch für mich, der mit allen drei Bands zu tun hatte, ist das aussergewöhnlich. So viele Geschichten, Blut, Schweiss und Tränen. Für Streitereien ist das
Leben einfach zu kurz. Es ist viel besser, zusammen zu rocken und Freude zu
haben. Da sind heute ein gegenseitiger
Respekt, Reife und Wertschätzung.

Zum Mitgrölen: Krokus mit «Bedside Radio» live in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn, 30.8.2013

Zum Mitgrölen: Krokus mit «Bedside Radio» live in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn, 30.8.2013

Hunde wollt ihr ewig rocken?
Gibt es Krokus in fünf Jahren noch?

Wer weiss? Die Zeit vergeht extrem schnell. Wir haben uns 2008 bei unserer Reunion auf die Fahne geschrieben, nur so lange zu spielen, wie es wirklich Spass macht. Fernando und ich sagen immer, wenn wir unsere Aufnahmen durchhören: So stark war diese Band noch nie, aber auch wir werden nicht jünger. Klar ist: Diese Band wird würdig abtreten, damit man sich auch so an Krokus erinnert und nicht an eine Geriatral-Truppe, die bis zum «Schlag-mich-tot» in jedem Festzelt rumdudelt. Doch solange wir Neues dazulernen können und fit sind, werden wir mit unseren Fans zusammen in den Rock-’n’-Roll Sonnenuntergang reiten.

Wie sehen Sie die Zukunft des Rock?

Um den mach ich mir keine Sorgen. Schon der grosse Chuck Berry sagte: Gegen den Rock ’n’ Roll hat nicht mal der Teufel eine Chance. Obwohl immer wieder totgesagt. Trends kommen und gehen, der Rock bleibt und ist nach bald 70 Jahren immer noch hier. Gute, handgemachte Gitarrenmusik mit geilen Riffs, frechen Botschaften und starken Melodien berühren sogar die digitalen Zombies. Ich gehe jede Wette ein: Diese Musik und dieser Beat wird nie verschwinden, solange es Säugetiere auf diesem Planeten gibt.

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