Die zweifache Booker-Preisträgerin - die inzwischen von der Queen auch zur Dame geadelt wurde - nahm am Dienstag im Rathaus höchstpersönlich die Eröffnung der Aktion vor. Die Initiative "Eine Stadt. Ein Buch" findet heuer zum 17. Mal statt.

Der nun ausgewählte Roman erschien unter dem Originaltitel "Every Day is Mother's Day" im Jahr 1985. Es sei nicht ihr erstes Buch gewesen, aber das erste, das publiziert worden sei, berichtete die Britin. Entstanden sei das Werk unter nicht einfachen Bedingungen. Hilary Mantel arbeitete zu jener Zeit als Sozialarbeiterin - und begleitete ihren als Geologen tätigen Mann auf teils jahrelangen Auslandsaufenthalten.

Auch in den Roman sind Erfahrungen ihrer Tätigkeit im Sozialbereich eingeflossen. Im Mittelpunkt steht die schwierige und ungewöhnliche Beziehung einer Mutter zu ihrer vermutlich psychisch beeinträchtigten Tochter - die plötzlich schwanger wird. "Es ist eine Art Märchen", erzählte die Autorin. Wobei das durchaus für ihren eigenen Werdegang zutrifft: Die 1952 geborene Schriftstellerin feierte vor allem mit ihren in der Tudor-Zeit spielenden Romanen "Wölfe" und "Falken" grosse Erfolge. Sie gewann mit den Büchern auch jeweils den Booker-Preis.

In Wien war sie bisher noch nie, wie sie verriet: "Es ist mein erster persönlicher Besuch und der erste im 21. Jahrhundert." In ihrer Fantasie sei sie an dem historisch so bedeutenden Ort jedoch schon mehrmals gewesen.

Die Gratisbuchaktion fand erstmals 2002 statt, wobei Frederic Mortons "Ewigkeitsgasse" den Anfang machte. In den Folgejahren wurden unter anderem "Sehr blaue Augen" von Toni Morrison, "Fever Pitch" von Nick Hornby, "Der Geschichtenerzähler" von Mario Vargas Llosa, "America" von T. C. Boyle oder "Katzentisch" von Michael Ondaatje verteilt. Im Vorjahr wurde Stewart O'Nans "Letzte Nacht" aufgelegt.