Comic-Roman
Er war eine Art Robin Hood des 19. Jahrhunderts: Zum 200. Geburtstag ist der Comic-Roman zu Bernhart Matter wieder erhältlich

Bernhart Matter ist in diesem Comic-Roman ein angry young man. Am Sonntag, 21. Februar jährt sich der 200. Geburtstag des zornigen und verarmte Temperamentbündels. Das längst vergriffene, nun neu aufgelegte Buch von Reto Gloor und Markus Kirchhofer ist auch eine energiegeladene Sozialkritik.

Hansruedi Kugler
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Bernhart Matter auf der Flucht.

Bernhart Matter auf der Flucht.

Edition Moderne

Dieser wilde Kerl wäre ein idealer Filmstoff. Da kommen ein ungestümes Temperament und der Zorn des Unterdrückten zusammen. Stark wie ein Ochse, dazu ein Frauenheld und spendabler Säufer. Einer, der nur die Reichen bestiehlt und immer wieder aus dem Gefängnis entkommt. Ein Robin Hood im Aargau des frühen 19. Jahrhunderts? Jedenfalls wurde er von den Armen bewundert, von der Obrigkeit gehasst und 1854 geköpft, erst 33 Jahre alt, obwohl er niemanden ermordet hatte.

Reto Gloor/Markus Kirchhofer: Matter. Edition Moderne, 130 Seiten.

Reto Gloor/Markus Kirchhofer: Matter. Edition Moderne, 130 Seiten.

Edition Moderne

Vor dreissig Jahren haben zwei Aargauer Künstler, der Zeichner Reto Gloor und der Texter Markus Kirchhofer dem legendären Räuber Matter, der auch Mani Matter zu einem seiner ebenfalls legendären Lieder («Ahneforschig») inspiriert hat, mit ihrem zweiteiligen Comic-Roman eine fabelhafte Würdigung geschaffen: Gloors skizzenhaft-expressiver Zeichenstil macht Matters zorniges Grummeln geradezu hörbar. Wie ein angeschossener Bär taumelt er durch die karge Winterlandschaft des Aargaus. Im raschen Rhythmus wechseln helle Tag- und düstere Nachtszenen. Mit Kirchhofers lebensnahen Dialogen und Zeitungsnotizen wird es ein packendes Epochenbild und Psychogramm.

Das Buch ist auch ein Statement gegen die Todesstrafe

Längst vergriffen, ist der Comic-Roman nun zum 200. Geburtstag Matters am 21. Februar neu aufgelegt, überarbeitet und mit einem informativen Nachwort von zwei Aargauer Historikern versehen worden. Sie skizzieren die historische Epoche mit Wirtschaftskrise, Auswanderung, Bevölkerungswachstum, den Auswirkungen der Gründung des Bundesstaates 1848 und der umstrittenen Todesstrafe.

Der zornige Matter bricht einmal mehr aus dem Gefängnis aus.

Der zornige Matter bricht einmal mehr aus dem Gefängnis aus.

Edition Moderne

Es ist eine harte Zeit, die Unterschicht ist verarmt und leidet Hungersnöte. Leute wie Matter haben die Wahl: Arm bleiben oder auswandern. Ein ungeduldiger, zorniger Underdog wie Bernhart Matter aber will mehr: Guten Wein und Schinken, ein eigenes Haus für Frau und Kind, ein neues Leben in Amerika beginnen.

Gloor und Kirchhofer unterschlagen keineswegs das Zwielichtige des Bernhart Matter – seine Unbeherrschtheit, Untreue und Trunksucht. Dramaturgisch packen sie eine Menge in ihren Comic-Roman: «Matter» ist abwechselnd Schelmenroman und tragisches Sozialdrama, spannender Krimi und melodramatische Liebesgeschichte. Am Ende ist das Buch ein politisches Statement auch gegen die Todesstrafe.

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