Interview

Céline Dion drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes: «Vielleicht verliebe ich mich nie wieder»

Céline Dion will beweisen, dass es auch ohne ihren verstorbenen Mann geht.

Céline Dion will beweisen, dass es auch ohne ihren verstorbenen Mann geht.

Die kanadische Diva Céline Dion wagt drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes und Managers mit ihrem Album «Courage» einen Neuanfang.

Sechs Jahre sind seit dem letzten englischsprachigen Album vergangen. Die lange Pause hat einen traurigen Grund. Im Januar 2016 starb René Angélil – ­Céline Dions Entdecker, Manager und fast 30 Jahre lang ihr Lebens­partner und Ehemann, mit 73 Jahren an Krebs. Und so ist das neue Album «Courage» für die nun verwitwete ­Mutter der drei gemeinsamen Söhne René Charles (18), Eddy und Nelson (Zwillinge, 9) zum einen Trauerarbeit, zum anderen auch ein künstlerischer Aufbruch und Neuanfang. Ihre Haare sind heller und kürzer geworden. Dazu wirkt sie weniger hager als zuletzt.

Céline, Sie sehen super aus. Wie geht es Ihnen?

Céline Dion: Vielen Dank. Ich fühle mich wirklich fantastisch. Mein neues Album hat eine Weile gedauert. Zeitweise war es sehr hart und emotional.

Ihr Ehemann René Angélil starb im Januar 2016.

Ja. «Courage» ist mein erstes englischsprachiges Album ohne René. Ich habe bei der Arbeit immer an ihn gedacht, ach, ich denke sowieso immer an ihn. Bei jedem Song, den ich aufnahm, schaute ich nach oben und sagte «Du wirst diesen Song lieben». Ich war also, auch wenn er nicht mehr da war, im engen Austausch mit ihm. René hat so viel für mich getan, ich habe meinen Manager, meinen besten Freund, ­meinen Geliebten, meinen Ehemann, den Vater meiner drei Kinder verloren – das war ein unbeschreiblicher Verlust. Auf diesem neuen Album wollte ich mir, aber auch René etwas beweisen.

Was wollten Sie beweisen?

Dass ich, bei aller Trauer, das Leben nicht aus den Augen verliere. Wir alle verlieren geliebte Menschen, das gehört zum Leben dazu. Jeder Mensch macht niederschmetternde und traurige Erfahrungen, so ist es nun einmal. Aber was dann? Fallen wir hin, geben wir auf? Nein. Ich werde immer trauern, ich werde René immer vermissen und immer lieben, aber ich habe mich dazu entschlossen, mich aufzurappeln, mein Leben fortzusetzen.

Ihr Album heisst «Courage», also Mut. Ist es ein mutiger Schritt, so ein ehrliches Album zu veröffentlichen, auf dem Sie sehr offen mit Ihrer Trauer umgehen?

Im Nachhinein ja. Ich selbst habe lange nicht gewusst, dass ich diese Courage in mir habe. Auf eine Art hat Renés Tod dafür gesorgt, dass die innere Stärke, die immer schon in mir war, deutlicher hervorgetreten ist. Ich war gezwungen, plötzlich Entscheidungen zu treffen, die René mir immer abgenommen hatte.

René war immer auch Ihr Manager. Mussten Sie sich geschäftlich neu orientieren?

Zum Glück haben wir ein Team auf­gebaut, das aus Menschen besteht, die wir teilweise schon seit Jahr- zehnten kannten. Ich fiel also nicht plötzlich in ein Loch, was meinen Beruf angeht. Aber natürlich habe ich mir auch Sorgen gemacht und musste ­meine eigene Kraft, auch mithilfe all des Wissens, dass ich mit der Zeit von René bekommen habe, erst finden.

Im Song «Lying Down», von Sia und David Guetta geschrieben, sagen Sie, dass Sie Vertrauen in sich selbst gefunden haben.

(singt den Refrain von «Lying Down) Ja. Wenn du so einen Schlag abbekommst wie ich, dann ist erstmal nichts mehr so, wie es war. Es ist wahr, wir wussten, dass dieser Tag kommen würde. Wir waren auf Renés Tod vorbereitet, es gab auch nichts, was zwischen uns beiden und den Kindern unausgesprochen geblieben wäre, und trotzdem: Wenn es dann passiert, haut es dich um. Du bist nie bereit für den Abschied. Jetzt weiss ich, dass ich stärker bin, als ich glaubte.

Sie sind nach einem Jahr Pause, die Sie ganz bei Ihrer Familie verbracht haben und in der Sie Ihren Mann pflegten, ab August 2015 wieder regelmässig in Las Vegas aufgetreten. Brauchten Sie die Musik als Therapie und als Ablenkung?

Nein, das war definitiv keine Therapie für mich, sondern für René.

Wie meinen Sie das?

Bevor mein Mann starb, wollte er, dass ich zurück auf die Bühne gehe. Er wollte mich sehen, wie ich singe. Meine Techniker organisieren dann etwas Grossartiges. René war im Sommer 2015 bereits sehr schwach, er lag im Bett, und vor sich hatte er einen grossen Bildschirm. Dort konnte er dann jeden Abend meine Show anschauen, wenn er wollte. René war immer dabei, wenn ich auftrat – und ich war immer zu Hause, bei ihm. Wir waren also nie getrennt. Für ihn war das sehr wichtig. Er bat mich, weiterzumachen, nachdem ich ein Jahr zu Hause war. Das hat ihm unglaublich viel bedeutet. Glauben Sie, ich war in der Verfassung, kurze Kleider und Federn zu tragen und jeden Abend die Menschen zu unterhalten? Es war heftig, ich fühlte mich kein bisschen nach Party. Aber die Leute kamen natürlich, um die Show zu sehen. Die Fans wussten, dass René schwer krank war, aber die Einzelheiten kannten sie natürlich nicht, wir haben das niemandem wirklich erzählt. Aber was mich angetrieben hat, war der Gedanke an René. Ich habe es für ihn gemacht.

Wie war es, nach den Konzerten heimzukommen?

René war so glücklich, wenn er mich sah. Ihn strahlen zu sehen, hat es für mich unendlich einfacher gemacht, die Auftritte durchzuziehen.

Ihre Kinder werden erwachsen, René-Charles ist 18, die Zwillinge Nelson und Eddy sind neun geworden. Wie geht es den Jungs so?

Alle drei sind daheim, sie werden zu Hause unterrichtet. Wissen Sie was: Mein Grosser hat jetzt eine Freundin. Das finde ich total klasse. Ich war ja überrascht, wie lange er gewartet hat. Ich dachte immer, RC schleppt mir die Mädels ins Haus, sobald er 13 ist, oder allerspätestens ab 15. Hat er aber nicht. Jetzt ist da dieses Mädchen, und sie ist so süss. Ich meine, ich kann ja für die Jungs keine Entscheidungen treffen. Es ist ihr Leben, sie sollen machen, was immer sie möchten. Als Mutter hat man bloss ein Seil, an dem man ein bisschen ziehen kann. Die Kinder ziehen am ­anderen Ende, und hoffentlich hältst du alles in der Balance.

Wie ist eure Beziehung?

Wir können über alles sprechen. Ich will nicht, dass er etwas vor mir verbergen muss, unsere Kommunikation ist mir sehr wichtig. Und seine Freundin ist ein bisschen älter als er ...

«Ein bisschen» heisst?

Sie ist 20. Aber in dem Alter macht das viel aus. Wir wissen ja, dass Mädchen ohnehin reifer und vernünftiger sind als Jungs. Dass mein 18-jähriger Sohn mit einem 20-jährigen Mädchen zusammen ist, zeigt mir, dass er für sein Alter ziemlich erwachsen sein muss. Und die Kleine ist wirklich goldig, sie ist freundlich zu allen. Neulich hat sie mir sogar einen kleinen Brief ge­schrieben, wie dankbar sie ist, dass ich sie so offen empfangen habe.

Sie singen auf Ihrem Album das Lied «Falling In Love Again». Ist eine neue Liebe für Sie selbst überhaupt schon ein Thema?

Du weisst es nie, was passiert. Im ­Moment verliebe ich mich neu in das Leben. Ich hatte immer so viel Liebe, ich liebte meinen Mann, ich liebte _meine Musik, meine Kinder, meine ganze Familie, meine Geschwister, meine 92-jährige Mutter, ich liebe die Natur, die Kunst, den Tanz, ich ­liebe die Mode.

Wären Sie bereit für einen neuen Mann?

Im Moment habe ich keinen Freund. Ich suche auch nicht nach einem neuen Freund. Auch in der näheren Zukunft kann ich es mir nicht vorstellen, wieder mit jemandem zusammen zu sein. Doch vielleicht trifft mich eines Tages der Blitz. Und wenn es wahre Liebe ist, dann kannst du sowieso nicht auf die Suche gehen. Wahre Liebe muss dich finden. Dazu kommt: Liebt mich derjenige, weil ich der Mensch bin, der ich bin. Oder liebt er mich, weil ich Céline Dion bin, die berühmte Sängerin. Das ist ein bisschen komplex und ein weiterer Grund, warum ich besonders vorsichtig sein muss. Ich will auch meinen Kindern keinen Mann zumuten, dem ich nicht hundertprozentig vertraue. Vielleicht verliebe ich mich nie wieder.

Céline, Sie sind nach fast 40 Jahren im Musikgeschäft so cool wie nie zuvor, kann das sein?

(lächelt) Ist das so? Wenn Sie das sagen, dann will ich das mal glauben. Aber es geht mir nicht darum, cool zu sein. Sondern in allen Bereichen meiner Karriere das Beste und Hochwertigste zu geben, das ich zu geben imstande bin.

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