Film

Charles Dickens «David Copperfield» kriegt auf der Kinoleinwand endlich gute Laune

Dev Patel als erwachsener David Copperfield. Seine beste Leistung seit «Slumdog Millionaire».

Dev Patel als erwachsener David Copperfield. Seine beste Leistung seit «Slumdog Millionaire».

Die Dickens-Verfilmung «David Copperfield» von Armando Iannucci («The Death of Stalin») macht aus der düsteren literarischen Vorlage ein hochamüsantes Vergnügen.

David Copperfield ist ein glückliches Kind. Zumindest bis zum Tag, an dem seine Mutter in zweiter Ehe Mr. Murdstone (D. Boyd) heiratet. Der pfeift auf Fantasie und Fröhlichkeit und steckt den kaum zehnjährigen David in seine Flaschenfabrik in London, wo man ihm die Flausen austreiben und das Arbeiten beibringen soll.

Als Davids Mutter einige Jahre später stirbt, findet er Unterschlupf bei seiner Tante Betsey (T. Swinton) und deren exzentrischem Mitbewohner Mr. Dick (Hugh Laurie). Die beiden helfen ihm auf die Füsse und entlassen ihn in ein überaus wendungsreiches Leben, das ihn zum Schriftsteller heranreifen lässt.

Über 600 Seiten stark ist Charles Dickens Roman «David Copperfield» – eigentlich: «David Copperfield or The Personal History, Adventures, Experience and Observation of David Copperfield the Younger of Blunderstone Rookery (Which He Never Meant to Publish on Any Account)». Ursprünglich als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung erschienen, haftet ihm etwas Episodenhaftes an. Auch wirkt er in heutiger Sicht etwas düster. Doch es steckt darin viel von Dickens’ eigenem Erleben. Auch kennzeichnet ihn ein subtiler Humor, der in bisherigen Verfilmungen – so auch die von George Cukor aus dem Jahr 1935 – untergingen.

Rigoros gestraffte Handlung

Nicht so bei Armando Iannucci («The Death of Stalin»). Der Schotte, bekannt für seine TV-Satiren, hat die Handlung ­rigoros gestrafft. Ohne die tragische Weite der Romanvorlage zu verraten, setzt er in der filmischen Umsetzung auf deren Komik und spitzt das Geschehen zu. Tempo- und trickreich lässt er die einzelnen, zeitlich oft weit auseinanderliegenden Episoden ineinander überlaufen.

Obwohl viele darin vorkommende Figuren nur sporadisch auftreten, hinterlassen fast alle grossen Eindruck. Hervorzuheben sind nebst bereits Erwähnten etwa die herzensgute Haushälterin Mrs. Peggotty (D. M. Cooper), Davids grosse Liebe Dora Spenlow (M. Clark) mit ihrem Hündchen sowie der schwatzhafte Mr. Micawber (P. Capaldi), der auf seiner endlosen Flucht vor Schuldnern David immer wieder über den Weg läuft. Nicht zu vergessen natürlich Hauptdarsteller Dev Patel, der den erwachsenen David Copperfield als charismatischen Lebenskünstler gibt und in seinem wohl besten Auftritt seit «Slumdog Millionaire» überzeugt.

Obwohl man als Zuschauer nicht umhin kommt, eine Figur oder Episode aus dem Roman zu vermissen, ist «The Personal History of David Copperfield» unter dem Strich nicht nur hoch amüsant, sondern in seiner überbordenden skurrilen Bildlichkeit auch richtig grosses Kino.

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