Kaum eine andere Filmfortsetzung wurde mit solcher Spannung erwartet. «Blade Runner», Ridley Scotts düstere Science-Fiction-Vision, kam 1982 ins Kino. Heute gilt das Werk als einer der einflussreichsten Filme aller Zeiten, sein Inhalt und seine Bilder sind Gegenstand von Buchanalysen und Doktorarbeiten.

Seit wenigen Tagen läuft nun endlich das Sequel «Blade Runner 2049» im Kino – und sorgt bereits für ähnliche Begeisterungsstürme.

Blade Runner International Trailer #2

Trailer zu «Blade Runner 2049» mit Harrison Ford, Ryan Gosling und Carla Juri.

Mittendrin: Die Schweizer Schauspielerin Carla Juri, die mit der «Nordwestschweiz» erstmals über ihren geheimnisvollen Auftritt im 150 Millionen Dollar teuren Hollywoodblockbuster reden darf. «Ich spürte schon einen gewissen Druck», erzählt die 32-jährige Tessinerin, die für die Filmpremiere nach Los Angeles gereist ist, am Telefon. «Doch sobald die Arbeit losging, war er weg.»

Intensive Szene mit Ryan Gosling

Es ist nicht einfach, über Carla Juris Rolle in «Blade Runner 2049» zu sprechen. Die Filmemacher und das Filmstudio haben gebeten, möglichst wenig zu verraten. Es gibt nicht mal ein offizielles Bild von Juri aus «Blade Runner 2049».

Also sei nur so viel gesagt: Es dauert exakt 77 Minuten bis zu ihrer grossen Szene; die Schweizerin spielt eine Wissenschafterin und teilt die Leinwand mit Hauptdarsteller Ryan Gosling, der den Polizisten K. spielt; in der intensiven Szene wird geschrien und geweint. «Ryan und ich mussten während des Drehs voll konzentriert bleiben», erzählt Juri, «uns war beiden klar, wie wichtig diese Szene ist».

Carla Juri spielte eine gemeinsame Szene mit Ryan Gosling, der in «Blade Runner 2049» den Polizist K. spielt

Carla Juri spielte eine gemeinsame Szene mit Ryan Gosling, der in «Blade Runner 2049» den Polizist K. spielt

In der Tat: Wer «Blade Runner 2049» gesehen hat, möchte wissen, wie sich die zweifache Gewinnerin des Schweizer Filmpreises diese kleine, aber zentrale Rolle ergattert hat. «Ich bin ans Casting gegangen», sagt Juri und lacht.

Denis Villeneuve, der kanadische Regisseur des Films, kannte die Schweizerin bereits aus dem Film «Feutchtgebiete». Die Kinoadaption des deutschen Skandalromans hatte 2013 für Furore gesorgt. Und Carla Juri ins internationale Schaufenster katapultiert.

Die Darstellerin erzählt, sie habe den ersten «Blade Runner»-Film bereits gekannt und sei vor allem ein Fan der Romanvorlage von Philip K. Dick gewesen. Als sie vom neuen Film hörte, wollte sie unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Doch als Juri zum Casting erschien, musste sie eine Szene aus einem anderen Film, «Ex Machina», vorspielen. Einen Einblick in das streng geheime Drehbuch von «Blade Runner 2049» erhielt sie erst nach der Rollenzusage. Darüber reden durfte sie mit niemandem.

Der Durchbruch: Carla Juri in der Verfilmung des Skandalromans «Feuchtgebiete».

Der Durchbruch: Carla Juri in der Verfilmung des Skandalromans «Feuchtgebiete».

Jetzt kann Carla Juri zumindest ihre Erlebnisse bei den Dreharbeiten teilen – und zeigt sich dabei begeistert vom grossen Aufwand, der in diese Produktion floss, von den riesigen Kulissen, die im Filmstudio in Budapest gebaut wurden, und von der langen Zeit, die man sich für das Abdrehen ihrer Szene genommen hat. Juri flog für ihren Auftritt während Monaten mehrere Male nach Budapest.

Über Regisseur Denis Villeneuve sagt sie: «Er schenkte mir sein Vertrauen und liess mich vieles selber entscheiden. Er war richtig interessiert daran, wie ich meine Figur sehe.»

Juris schönste Erinnerung an den Dreh sei ihre Kulisse gewesen, das Labor ihrer Filmfigur, das aussieht wie ein Ei aus Zement. «Es war immer sehr ruhig dort, kein Chaos, kein Stress, fast wie in einer Kirche», schwärmt die Schweizerin. «Ich empfand das als sehr ungewöhnlich für so einen grossen Film, es war so intim wie auf einer Theaterbühne.»

Türe nach Hollywood aufgestossen

Die bisherigen Reaktionen auf Carla Juris Auftritt in «Blade Runner 2049» waren begeistert. Die «Süddeutsche Zeitung» schrieb, die Schweizerin sei dank dieser Rolle «auf dem Sprung zum Weltruhm».

Juri lacht und sagt, bis jetzt habe sich nichts geändert, sie sei neue Drehbücher am Lesen, wie immer. Und wenn sie eine Rolle auswählt, sei gar nicht ausschlaggebend, ob der Film in Hollywood produziert wird, «sondern der Filmstoff». Die Schweizerin schwärmt dabei von einer schwedischen Ko-Produktion, die sie soeben abgedreht hat.

Doch wir wetten: Mit «Blade Runner 2049» hat Carla Juri die Türe nach Hollywood ganz weit aufgestossen. Vielleicht sehen wir sie sogar in weiteren «Blade Runner»-Filmen, denn bei grossen Hollywoodproduktionen ist es üblich, dass die Darsteller gleich für mehrere Filme unterschreiben.

Auch Carla Juri? «Oh, darüber darf ich nicht sprechen», antwortet sie. Wir wünschen es der hochtalentierten Schweizerin.