Interview

Carla Bruni über sich und ihren Ehemann: «Nicolas und ich sind wie Sonne und Mond»

Die Frau von Ex-Staatspräsident Sarkozy ist jetzt wieder vor allem Sängerin. Ihr neues Album klingt ausgesprochen charmant.

Carla Bruni Sarkozy in Paris bei der Promo ihrer neuen Scheibe.

Carla Bruni Sarkozy in Paris bei der Promo ihrer neuen Scheibe.

«Immer bin ich der Esel», sagt Carla Bruni während unseres fernmündlichen Gesprächs in den Strassen von Paris. An der einen Hand hält sie die fast neunjährige Tochter Giulia, in der anderen die Schultasche des Mädchens. Doch den Multitasking-Stress lässt sich die 52-jährige Supermodel-Ikone und Ehefrau des französischen Ex-Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy nicht im Geringsten anmerken.

Sie haben die Coronaquarantäne in Südfrankreich verbracht. Sind Sie froh, wieder in Paris zu sein?

Carla Bruni: Ja. Es ist schön, wieder bei der Arbeit zu sein, und dass die Schule wieder geöffnet hat. Ich bin ja gern in den Ferien, aber die Auszeit war wirklich sehr ausgedehnt. Das Gute ist: In der Zeit konnte ich intensiv an meinem Album arbeiten. Ich habe jeden Tag ein, zwei Stunden Sport gemacht, aber die Tage wurden schon sehr lang.

Ist das Album komplett während Ihres Lockdowns entstanden?

Teils, teils. Wenn ich so zurückblicke, ist das Album wirklich in einer wundervollen Stimmung entstanden. Der Umstand des erzwungenen Festsitzens war ideal für meinen Job.

Haben Sie Ihre Familie in diesen Monaten der kreativen Isolation intensiver kennen gelernt?

Mein Mann und ich, wir sind sowieso die ganze Zeit eng und intim verbunden. Und ich brauchte auch nicht diesen Corona-Lockdown, um Aurélien und Giulia für mich zu entdecken. Aber mit meiner Mutter und meiner Schwester war ich enger zusammen als normal. Meine Mutter ist 90 und hey, ich dachte ständig, ich werde sie umbringen (lacht). Habe ich dann aber doch nicht gemacht, denn ich liebe sie.

Warum um Himmels Willen?

Sie hat mich in den drei Monaten, in denen wir aufeinander hockten, behandelt hat, als wäre ich vier. Und meine Schwester als wäre sie sieben.

So sind Mütter nun mal.

Ja, aber mit über 50 lebt man normalerweise nicht mit ihnen zusammen (lacht).

Mit Ihrer Schwester Valeria Bruni-Tedeschi haben Sie das Lied «Voglio l’Amore» eingesungen.

Meine Schwester hat mich immer zur Musik ermutigt. Sie gibt dem Lied eine kleine Extra-Verrücktheit. Dazu ist dieser Song besonders, weil ich zum ersten Mal Italienisch singe. Ich bin ja in Italien geboren und aufgewachsen.

Wie haben Mutter und Grossmutter Sie geprägt?

Ich war eine Träumerin, und sie haben mich träumen lassen. Meine Träume waren nicht konkret, es waren Tagträume. Ich war verspielt, neugierig und abenteuerlustig – und hing sehr, sehr gern mit dem Kopf in den Wolken.

Sie schrieben ein Lied über eine Raubkatze. Welches Tier steckt in Ihnen?

Entweder eine Katze. Oder so jemand wie Bambi. Ein Reh.

Nicht sehr wild.

(sie nimmt kurz einen Anruf ihres Mannes entgegen): Nicolas wollte wissen, mit wem ich spreche. Ich sagte ihm: Mit einem Mann, der nicht findet, dass ich wild sei (lacht).

Handelt «Un Grand Amour» von Ihrem Mann und Ihnen?

Ja, voll. Weitergefasst spricht der Song über Menschen, die sich verlieben. Am Anfang weiss niemand, ob die Liebe ein Leben lang hält oder nur zwei Tage.

Als Nicolas und Sie sich verliebten, wusste wohl auch niemand, wie es laufen wird.

Doch! Ich wusste es! Wir erlebten diese süsse Erfahrung der Liebe auf den ersten Blick. Womit ich nicht gerechnet hätte, das ist der dauerhafte, beständige Teil unserer Liebe. Ich hätte es mir anfangs selbst nicht zugetraut, so eine wunderschöne Liebe leben zu können. Wir sind schon fast 13 Jahre verheiratet. Es ist ein grosses Glück, ein Segen.

Was macht Ihre Liebe aus?

Eine gute Beziehung lebt auch von Gegensätzen. Er ist ein Tagmensch, ich ein Nachtmensch. Nicolas und ich, wir sind wie Mond und Sonne.

Wer ist «Le Garcon Triste», der traurige Mann, in diesem Lied?

Oh, das ist Nicolas. Er hat so viel Energie und Stärke. Man kann sich nicht vorstellen, dass er mal niedergeschlagen und traurig ist. Ist er aber. Wir Menschen sind widersprüchliche Wesen.

Um welche Trennungen geht es in «Les Séparés»?

Um die Verabschiedung von immer weiteren Teilen unseres Lebens. Vielleicht hat es was mit dem Alter zu tun, dass ich immer feinfühliger und sensibler werde und immer öfter über das nachdenke, was schon hinter mir liegt: Die Kindheit, die Jugend oder all die Menschen, von denen ich mich für immer verabschieden musste.

Sie machen aber nicht den Eindruck, dass Sie sich innerlich von Ihrer Jugend verabschiedet hätten.

Oh, danke, das habe ich auch nicht. Die Leute denken, ich sei eine erwachsene Frau. Tatsächlich bin ich erst vierzehn Jahre alt, wenn überhaupt (lacht).

«La Chambre Vide» (Das leere Zimmer) ist von einem Kind inspiriert, das sein Elternhaus verlässt. Was hat Ihr 19-jähriger Sohn Aurélien über das Stück gesagt?

Ich habe den Jungen genötigt, sich das Lied mit mir anzuhören. Und er meinte «Hey, pass mal auf, du singst über mich, als wäre ich tot». (kichert). Ich bin nicht traurig, dass er ausgezogen ist. Er ist kein Baby mehr, sondern ein junger Mann, der seine eigenen Wege geht. Der Song ist vielmehr eine Betrachtung darüber, wie schnell das Leben vorbeizieht. Durch deine Kinder merkst du das besonders deutlich.

Wie weit ist er weg?

Nicht so weit. Er lebt in der Nähe von Reims, wo er studiert. Er lebt jetzt zum ersten Mal alleine, und das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Er bewundert Boris Johnson und befürwortet den Brexit. Habt ihr viele Diskussionen zu Hause?

Gott ja, ständig, vor allem auch mit meinem Mann zusammen. Keine Ahnung, was ihn da gerade reitet, neulich war er noch Kommunist (lacht).

Sie und Ihr Mann haben das Politische und das Private immer gut trennen können, oder?

Ja. Liebe und Politik standen sich bei uns nie im Weg. Als mein Mann noch Präsident war, kamen öfters Leute auf mich zu, die so taten, als wollten sie mich trösten. Sehr merkwürdig war das. Die Menschen waren immer so gestresst in Bezug und Politik und Macht. Mir selbst war das irgendwie ganz schön egal. Ich habe mich nie mitreinziehen lassen in diese politische Blase. Mir fiel es nie schwer, Abstand zu diesem Geschäft zu halten.

Soll Giulia lieber Politikerin oder lieber Künstlerin werden?

Künstlerin! Da bin ich mir sicher. Sie singt und tanzt den ganzen Tag. Für Politik brauchst du eine Neigung. Ich habe meinen Mann immer dafür bewundert, mit wie viel Begeisterung er Politiker war. Es hat ihn wirklich interessiert.

Carla Bruni verbrachte die Quarantäne mit Ehemann Nicolas Sarkozy und ihrer Familie in Südfrankreich, wo auch ihr neues Album entstand.

© CH Media

Das neue Album heisst schlicht "Carla Bruni" (Universal) und wurde in ihrer Residenz in Südfrankreich aufgenommen.

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