Bührle-Debatte
Wenn an Bildern Blut klebt: Diese Bösen und Kriminellen waren erfolgreiche Kunstsammler

Das Gruselkabinett der zweifelhaften Sammler reicht weit in die Vergangenheit.

Daniele Muscionico
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Kunst und Kapital lieben sich. Des Öfteren als Mittel zum Zweck. Machthaber waschen mit Kunst ihr Geld oder ihr Image rein – oder sind verliebt in die Genievorstellung eines Künstlers. Das Geniekonzept bildet beispielsweise die Grundlage der Kunstbesessenheit des Dritten Reiches. Sammler sammeln aber nicht nur, sie schreiben auch Kunstgeschichte. Das sind die umstrittensten.

Die Medici, Politiker-Dynasten (15. bis 18. Jh.)

Bild: PD

Die David-Statue in Florenz wäre ohne sie nicht geschaffen worden und die Renaissance wäre nicht die Blütezeit der Kunst gewesen, hätten die Mäzene und skrupellosen Politiker Medici ihr Geld nicht in Kunst investiert. Sie förderten Botticelli, Michelangelo und Buonarroti und legten eine Sammlung an, die heute in den Uffizien zu bestaunen ist.

Adolf Hitler, «Führer» (1889–1945)

Bild: Bundesarchiv, Bildnummer 183-H1216-0500-002

Seinen Abgang aus der Geschichte plante Hitler als Kunstsammler und Stifter eines Museums, das er Linz, der Stadt seiner Jugend, schenken wollte: «Kriege kommen und vergehen, was bleibt sind einzig die Werke der Kultur», äusserte er 1942. Für den «Sonderauftrag Linz» häufte er zwischen 1939 und 1945 gegen 1000 Bilder an. Die Kunstwerke waren aus Deutschland und den vom Deutschen Reich besetzten Gebieten geraubt oder von der Gestapo beschlagnahmt worden.

Eduard van der Heydt, Bankier (1882–1964)

Bild: PD

Der Baron mit Schweizer Pass, NSDAP-Mitglied und Bankier des Ex-Kaisers Wilhelm II., besass nicht nur die weltweit grösste Privatsammlung von chinesischer und indischer Kunst. Van der Heydt gehörte zeitweise auch der Monte Verità. Nach seinem Parteiaustritt wurde er Mitglied im Schweizer «Bund treuer Eidgenossen nationalsozialistischer Weltanschauung». Seine Schenkung bildete den Grundstock des Zürcher Rietberg-Museums.

Giocchino Campolo, ’Ndrangheta-Mäzen (*1940)

«Die Geburt Christi» von Caravaggio ist eines der noch verschollenen Werke, die im Besitz der italienischen Mafia sein sollen.

«Die Geburt Christi» von Caravaggio ist eines der noch verschollenen Werke, die im Besitz der italienischen Mafia sein sollen.

Bild: PD

2016 öffnete in Reggio di Calabria ein ganz besonderes Kunstmuseum. Es zeigt die Sammlung des verhafteten Mafiaunternehmers Giocchino Campolo. Möglich war das, weil jener seiner Liebe zur Kunst legal frönte und seine Schätze bei Händlern und Galeristen erwarb.

Slobodan Milosevic, Balkan-Schlächter (1941–2006)

Bild: Keystone

Nach seiner Verhaftung fand sich in Milosevics Küche eine Radierung von Goya. Sie war mutmasslich Teil der Kunstsammlung von Tito, deren Spuren sich verloren hatten, als Milosevic sich als sein Nachfolger ausrufen liess und Titos Palast bezog.

Christian Friedrich Flick, NS-Profiteur (*1944)

Bild: Keystone

Die deutsche «Flick Collection» zählt zu den hochkarätigsten Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst. Finanziert mit dem Vermögen seines Grossvaters, eines NS-Rüstungsunternehmers, der von Zwangsarbeitern profitierte, hat Flick es jedoch nicht leicht, einen Standort zu finden. 2001 wollte er sie in Zürich der Öffentlichkeit zugänglich machen, doch der Widerstand war zu gross. Auch London lehnte ab. Berlin bot Hand. Im Herbst ist die Sammlung erneut heimatlos, Zürich scheint weiterhin erste Wahl zu sein.

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