Bühne
Das Kleintheater Luzern geht in die neue Saison – mit einem Festival-Reigen, digitaler Bühne und 3-G-Strategie

Das Luzerner Kleintheater präsentiert ein vielseitiges Programm für die kommende Spielzeit. Um einen weitestgehend normalen Betrieb zu garantieren, führt man schon jetzt die Zertifikatspflicht ein.

Stefan Welzel
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Eine von vielen prominenten Gästen aus der Schweizer Kleinkunst-Szene in der anstehenden Kleintheater-Saison: Slam-Poetin Lisa Christ.

Eine von vielen prominenten Gästen aus der Schweizer Kleinkunst-Szene in der anstehenden Kleintheater-Saison: Slam-Poetin Lisa Christ.

Bild: Claude Hurni

Schwierige Zeiten liegen hinter dem Kleintheater Luzern. Vergangene Saison konnte das Haus vier von neun Monaten gar nicht bespielt werden. Und das, was stattfand, durften meist nur bis zu 50 Menschen live vor Ort im Saal verfolgen. Nun blickt das Team um die beiden Co-Leiterinnen Judith Rohrbach und Sonja Eisl aber wieder deutlich optimistischer in die Zukunft. Nicht zuletzt, weil man «inzwischen gelernt hat, mit der Pandemie umzugehen», wie es Eisl am Donnerstag bei der Programmpräsentation für die neue Spielzeit 2021/22 formulierte.

Entscheidend für einen weitestgehend normalen Betrieb wird die Zertifikatspflicht für das Publikum sein. Denn nur so kann das Kleintheater den Aufwand in Grenzen halten und den Saal gleichzeitig ohne einschneidende Massnahmen füllen. Auf das entweder geimpfte, genesene oder negativ getestete (3-G) Publikum wartet sodann ein Programm mit unterschiedlichsten Formaten und Schwerpunkten. Insgesamt 170 Veranstaltungen mit 80 Künstlerinnen und Künstlern und Acts werden auf der Bühne beim Bundesplatz, aber auch bei Gastspielen an anderen Orten wie dem alten Krematorium, dem Bell-Areal Kriens oder dem Schüür-Garten zu sehen sein.

Auftakt im alten Krematorium

Fetter Vetter & Oma Hommage bespielen den Park um das alte Krematorium im Friedental.

Fetter Vetter & Oma Hommage bespielen den Park um das alte Krematorium im Friedental.

Bild: PD

Den Auftakt am Freitag, 10. September, macht eine Produktion aus der Feder des Luzerner Theatermachers Christoph Fellmann. Das Kollektiv Fetter Vetter & Oma Hommage spielt in «Apocalypse Now (And I Feel Fine)» eine Menschheits- und Klimageschichte nach. Im bereits erwähnten Aussenspielort, im Park des alten Krematoriums im Friedental, erwartet das Publikum ein endzeitliches, surreales und satirisches Stück, bei dem man sich auf die typisch heiter-zynischen Exkurse Fellmannscher Manier freuen darf.

Gleich zwei Saisons lang auf eine Aufführung warten musste die Produktion «Was bleibt» von Zell:Stoff und der Autorin Maria Ursprung. Nun findet die Premiere am 12. November statt. Das Stück steht stellvertretend für alle jene aufgrund von Corona verschobenen Inszenierungen, die nun in der neuen Spielzeit Unterschlupf fanden. Leider konnten nicht alle zuletzt abgesagten Stücke derart hinübergerettet werden.

Was beim Blick auf das Programm ins Auge sticht, sind die vielen Festivals, die das Kleintheater mit diversen Partnern auf die Beine stellt. Mit dem «Echolot Festival» folgt im Oktober eine Premiere. Das Haus wird das Zentrum dieses neuen Musikfestivals sein und unterstreicht damit die interdisziplinäre Breite, die man zunehmend anstrebt. Es folgt im Februar mit dem «Unfrisiert» (Thema «Sex Sells») ein weiteres Festival, welches nebst Bühnenproduktionen auch mit einem Filmprogramm, Workshops und Referaten sowie inklusiven Formaten (Deaf-Slam von und mit hörenden und gehörlosen Slammern) den Rahmen eines konventionellen Theaterhauses sprengt.

Anpassen an den Zeitgeist

Kleintheater-Co-Leiterin Sonja Eisl.

Kleintheater-Co-Leiterin Sonja Eisl.

Bild: Ingo Höhn

Nicht zuletzt die Herausforderungen und Chancen, die durch die Coronapandemie entstanden sind, beschäftigen die Macherinnen und Macher des Kleintheaters. Dazu zählt die neue Präsentations- und Austauschform durch digitale Kanäle, welche bereits letzte Spielzeit bestanden hat und in Zukunft das konventionelle Programm nicht ersetzen soll, sondern «als ein ergänzendes Angebot zu sehen ist», wie Co-Leiterin Rohrbach präzisiert. Und ihre Kollegin Eisl dazu: «Wichtig ist, dass wir immer wieder mal Neuland betreten. Mit der digitalen Bühne tun wir das.» Dazu gehören nicht einfach nur Livestreamings, deren Attraktivität je nach Produktion stark schwanken können, sondern explizit auch Workshops, Virtual-Reality-Labors und vor allem der direkte Austausch mit dem Publikum, der mit Livechats via Zoom möglich sein wird. Gute Erfahrungen hat man damit letzte Saison schon gemacht, das Angebot wurde gemäss Eisl über den Erwartungen rege genutzt. Im April 2022 lanciert das Haus sogar ein weiteres Festival zum Thema digitales Theater.

Ein wesentlicher Kern des Programms bleibt aber die traditionelle Kleinkunst, wie wir sie aus den vergangenen Jahrzehnten des Bestehens des Hauses kennen. So sind wie gewohnt grosse Namen aus der Schweizer Szene zu Gast. Es kommen unter anderem Ohne Rolf, Lisa Christ, Michael Elsener, Mike Müller, Barbara Hutzenlaub, Pedro Lenz oder Manuel Stahlberger nach Luzern. Auch bewährte Reihen wie die Stand-up-Philosophy (deren Folgen auch alle gestreamt werden) oder Hellowelcome werden weitergeführt. Und natürlich kommen auch die kleinsten Theaterfans – unter anderem dank des Theater-Tiger-Kinderklubs – nicht zu kurz.

Mehr Informationen zum Programm, konventionell auf der Bühne wie auch über digitale Kanäle, sowie zu Festivals, integrative und spartenübergreifende Formate finden Sie auf www.kleintheater.ch. Über die Durchführung und allfällige Verschiebung der Outdoor-Aufführungen von Fetter Vetter & Oma Hommage ab 10. September wird online auf der Webpage oder über Telefon 1600 informiert.

Kleintheater in der Coronasaison 2020/21 nur mit kleinem Verlust

Auch finanziell geht es für das Kleintheater optimistischer als während des Lockdowns befürchtet in die Zukunft. Nicht zuletzt dank staatlicher Hilfe. Rund eine Viertelmillion Franken hat das Haus an Hilfe erhalten, unter anderem in Form von Ausfallentschädigung und Kurzarbeit. Zudem kam der Hausbesitzer bei der Miete entgegen. Letztlich resultierte am Ende der abgelaufenen Saison ein Verlust im tieferen vierstelligen Bereich, wie Co-Leiterin Judith Rohrbach erklärte. Und das, obwohl man anstatt der budgetierten rund 28'000 Tickets aufgrund der Pandemiemassnahmen und des Lockdowns nur cirka 4500 Tickets an die Frau oder den Mann brachte.

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