Kann man in der Fremde Wurzeln schlagen? Was, wenn das Leben nicht so ist wie einmal erträumt? Ana Lang beschreibt in ihrer Erzählung «Ein Käfig der Träume», wie die Koreanerin Ziwon in die Schweiz, das vermeintliche Paradies, kam, indem sie den Piloten Nic heiratete. Eben noch Rosenkavalier, beginnt er Ziwon einzuengen. Der Traum vom glücklichen Leben im Westen stellt sich für Ziwon bald als Albtraum heraus.

Die Beziehung der beiden wird immer kälter. Ziwon vereinsamt und zieht sich in ihre Erinnerungen und Träume zurück. Auch gemeinsame Wanderungen in den Bergen helfen nicht, das Paar wieder zusammenzuschweissen. Im Gegenteil: Während Nic vorausrennt, stolpert ihm Ziwon hinterher. Alltag auch am Berg.

Doch auf einmal regt sich in Ziwon Widerstand. Sie beginnt, sich ihren eigenen Raum zu schaffen, und will dem goldenen Käfig entrinnen. Die anfangs in der Vergangenheit und ihren Träumen Zurückgezogene tritt mit der Aussenwelt in Kontakt. Sie lernt ihren Nachbarn Guido kennen und beginnt, sich um ein verwahrlostes Nachbarsmädchen zu kümmern.

Die Lektüre ist leicht zu bewältigen, wechselt die Handlung jedoch oft sprunghaft. Was möchte die Autorin sagen? Ist der Text symbolhaft oder doch reine Beschreibung? Was hat es mit Nics jüdischem Familienhintergrund auf sich? Weshalb erkrankt er an dem für Männer eher seltenen Brustkrebs? Warum steht das Nachbarskind einfach vor der Tür und spricht kein Wort? «Ich habe mir die Handlung sehr real vorgestellt», sagte Ana Lang. Alltagserfahrungen hätten sie inspiriert. Vieles, was im Text thematisiert wird, hat die Freiämterin in irgendeiner Form erlebt. «Ich verarbeite beim Schreiben, was mich beschäftigt», sagte die Autorin. Vielleicht ist diese Fülle an Eindrücken der Grund, dass viele Aspekte in die Erzählung einfliessen und dem Text etwas Ungelenktes geben.

Vor ihrer Pensionierung hat Ana Lang unter anderem Deutsch für fremdsprachige Kinder unterrichtet. Dort kam sie in Kontakt mit unglücklich verheirateten Asiatinnen. Deren Schicksal habe sie beschäftigt. «Die Bewegungsfreiheit dieser Frauen ist oft sehr eingeschränkt», findet sie und fügt an, dass in der heutigen Gesellschaft generell mehr Zwänge bestehen. Mit ihrer Erzählung möchte sie wachrütteln.

Sie selbst verschafft sich Freiheiten, indem sie schreibt. «Ein weisses Blatt bedeutet für mich Freiheit.» In einem Buch sei alles möglich und sie könne ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Themen, die Ana Lang beschäftigen – die Frau in der Gesellschaft, die Natur, Vögel und Fremdheit –, fliessen in ihre Erzählung ein. «Mich fasziniert vor allem das Fremde in uns, das sich in Träumen äussern kann», sagte Ana Lang und meint: «Träume können neue Impulse geben. Wir müssen sie nur zu nutzen wissen.»

Dies versucht auch die Protagonistin Ziwon. Nur: Vermag sie sich aus ihrem goldenen Käfig zu befreien? Und findet das Paar am Ende wieder zusammen? Diese Fragen beantwortet die Autorin nicht.

Ana Lang: Ein Käfig der Träume. Erzählung. Edition Isele, Eggingen 2010. 93 S., Fr. 21.50.