Konzert
Zwei Posaunen für ein Halleluja und viel Lebensfreude

Die Jazzformation Twobones begeisterte am Samstag mit groovigen Rhythmen und einer elektrisierenden Bühnenpräsenz die Jazzfans.

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Twobones

Twobones

Limmattaler Zeitung

Kathrin Schaffner

«Schön, dass Sie es trotz der Mister-Schweiz-Wahl hierher geschafft haben!» So begrüsste ein gut gelaunter Paul Haag das zahlreich erschienene Publikum am Samstagabend im Jazzclub Allmend. Schon bei den ersten Takten wurde es still im Saal, und konzentriert folgten die angereisten Jazzliebhaber den ersten Darbietungen der sympathischen fünfköpfigen Gruppe.

Stimmiger Dialog

Haag, der schon mit der Bob Henderson Band auf der Bühne stand, rief die Twobones 1986 gemeinsam mit dem Tessiner Posaunisten Danilo Moccia ins Leben.
Ein paar Jahre später bekam die Formation Verstärkung durch den Bassisten Isla Eckinger und den Schlagzeuger Peter Schmidlin, beide Meister ihres Fachs. 2006 stiess schliesslich der herausragende Genueser Jazzpiano-Virtuose Dado Moroni anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums dazu. Dass die routinierten Musiker trotz unzähliger gemeinsamer Auftritte noch immer Spass an ihrer Arbeit haben, war nicht zu übersehen.

Die Gäste liessen sich von so viel Lebensfreude gerne anstecken; immer wieder kam es zu spontanem Beifall nach einem improvisierten Solo. Zwischen den Stücken sorgte Paul Haag mit seinen humorvollen Sprüchen für Unterhaltung. «In Gedenken an den eben entschwundenen April spielen wir für euch I remember april.» Die Twobones, abgeleitet vom englischen «two trombones» (zwei Posaunen), bewiesen, entgegen aller Einwände von voreiligen Skeptikern, dass sich die Besetzung mit Doppelposaune sehr wohl für den Jazz eignet. Durch die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Musiker wird eine Spannung erzeugt, in der ihre Instrumente miteinander kommunizieren und sich dabei perfekt ergänzen.

Harlem lässt grüssen

Neben Standards wie Dizzy Gillespies «a night in tunesia» kamen die Zuhörerinnen und Zuhörer auch in den Genuss wunderbarer Eigenkompositionen. Während es sich Paul Haag diesmal auf einem Barhocker bequem gemacht hatte und manchmal andächtig und mit geschlossenen Augen spielte, war seinem Kollegen Danilo Moccia der Groove ganz offensichtlich in die Beine gefahren, und seine lockeren Zwischenrufe verbreiteten eine ausgelassene Stimmung.

Besonders unter die Haut ging die sensible Umsetzung des Klassikers «over the rainbow» - da schien so manch einer in höhere Sphären entrückt. Mehr als einmal stellten die Twobones mit Stücken, die wegen ihres rasanten Tempos nicht für Posaunen geschrieben worden waren, ihre technischen Fähigkeiten unter Beweis. Das Publikum brachte seine Begeisterung mit einem nicht enden wollenden Applaus zum Ausdruck und wurde mit der Zugabe «pennies from heaven» von J. J. Johnson belohnt.

Wer dieses Konzert erlebt hat, weiss, dass es für eine einzigartige Jazz-Atmosphäre keine von Rauchschwaden durchzogene, enge Kellerbar in Harlem braucht, sondern einfach eine hochkarätig besetzte Band wie die Twobones und ein mitreissend umgesetztes Repertoire. Ein wahrhaft himmlisches Musikerlebnis.

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