Zürich

Zürich lässt Stararchitektin abblitzen

Für den Flughafen zu gewagt

Für den Flughafen zu gewagt

Stararchitektin Zaha Hadid hat sich mit ihrem futuristischen Entwurf für den «Circle» am Zürcher Airport weit vorgewagt. Es reichte nur für Rang zwei.

Oliver Steimann

Sie ist berüchtigt für ihre kühnen Entwürfe, ihre eigenwillige Formensprache und ihre Abneigung gegen rechte Winkel. Zaha Hadid polarisiert, auch in Zürich. Die bislang einzige weibliche Trägerin des Pritzker-Preises – des «Nobelpreises der Architektur» – hat sich am Projektwettbewerb für den «Circle» am Flughafen beteiligt.

Hinter dem Sieger Riken Yamamoto (siehe Ausgabe vom 12.Januar) wurde sie von der Jury allerdings nur auf den zweiten Rang gesetzt. «Hadids fantastischer Entwurf hat uns Angst gemacht», bekannte Projektleiterin Birgit Werner an der Präsentation der Wettbewerbseingaben.

Zu wenig «Swissness»

Was genau die Flughafenbereiberin Unique davon abhielt, der britisch-irakischen Architektin den Zuschlag zu geben, zeigt ein Blick in den Jurybericht. Dort wird unter anderem die Befürchtung geäussert, der futuristische Baukörper könnte die «Swissness» des Projekts infrage stellen und die benachbarten Gebäude visuell abwerten. Zwar wird gerade die Eigenständigkeit des Entwurfs als besonderes Merkmal gewürdigt. Doch hier stellte sich offenbar ein Kostenproblem: «Das Projekt ist als Gesamtkunstwerk ohne wesentliche Einbussen am architektonischen Wert schwerlich zu vereinfachen.» Und obwohl Unique die Baukosten auf rund eine Milliarde Franken veranschlagt hat, soll offenbar nicht mit der ganz grossen Kelle angerührt werden. Hadid wird zum Vorwurf gemacht, dass die Möglichkeiten für eine «Optimierung bei den Investitionen» limitiert seien.

Zu grosszügige Freiflächen

Mit dem bananenförmigen, ohne Ecken und Kanten konzipierten Projekt mit dem Titel «Freitag» wollte Hadid einen Kontrapunkt zu den würfelförmigen Gebäuden am Flughafenkopf setzen. Doch die Fachjury befürchtete, dass die eigenwillige Formensprache die Gestaltungsfreiheit der künftigen Mieter zu stark einschränken würde. «Dies könnte sehr starke Marken davon abhalten, sich im ‹Circle› zu präsentieren», heisst es in der Beurteilung.

Yamamotos Siegerprojekt gleicht sich hingegen der bewährten Zürcher Flughafenarchitektur an: Durchwegs kubische Formen, kombiniert mit einer einfachen Fassadengestaltung. Die Jury wertet dies als «adäquate städtebauliche Positionierung», an der man auch «eine gewisse ‹Swissness› ablesen» könne. Trotzdem: Ob der «Circle» in dieser Form und Grösse jemals gebaut wird, ist weiterhin offen. Zunächst muss Unique Mieter und Investoren finden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1