Erzähltal
Wynentaler sind jetzt Erzähltaler

Bereits in zwei Wochen laden in den Wynentaler Gemeinden und in Beinwil und Birrwil jüngere und ältere Geschichtenerzähler zum Zuhören ein. Das Projekt Erzähltal ist gestartet.

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Aargauer Zeitung

Peter Siegrist

Der Menziker Grossrat Ruedi Weber (Troleruedi) überraschte an der Startveranstaltung zum Projekt «Erzähltal» mit einer eher unpassenden Geste. Während seiner Grussbotschaft klingelte sein Handy. Weber unterbrach seine Worte und telefonierte drauflos. Dann piepste ein zweites Handy und Weber wurde mit seinem Schalk selber zum Geschichtenerzähler. «Zwei Telefone und am Notebook ein Gespräch übers Internet, das zeigt, wie uns die totale Kommunikation in den Wahnsinn treibt», sagte Weber.

«Erzähltal» ist ein Leuchtturmprojekt

Hinter dem Namen Erzähltal verbirgt sich ein regionaler Kultur-Event und damit ein weiterer Schritt in der regionalen Zusammenarbeit. Entstanden ist das Kultur-Projekt im Rahmen des Regionalen Entwicklungskonzeptes Wynental (REK). Unter den dreizehn teilnehmenden Gemeinden sind auch Beinwil und Birrwil, damit reicht das Erzähltal bis an den Hallwilersee. Der dreitägige Hauptanlass ist zwar erst über das Bettagwochenende 2010 geplant, aber dieses Jahr will ein zweitägiger «Vorfreude-Anlass» bereits die Erzählfreude testen und Lust aufs Geschichtenhören machen.
Von Freitag, 18., bis Sonntag, 20. September, gilt in der Region: «Erzähltal, Lüüt vo do verzelle, öberall wos gäli Pönkt hett.» Die grossen gelben Punkte weisen in den Gemeinden auf die über 45 Erzähl- und Aufführungsorte hin. Die Themen sind weit gefächert, sie reichen von persönlichen Erlebnissen älterer Mitbürger bis hin zu Lesungen von Wynentaler Autoren. (psi

«Liebe Erzähltalerinnen»

Thomas Huber, Vizepräsident des Regionalplanungsverbandes Wynental, nahm in seinem Grusswort die im Tal bekannten Wortspiele auf und erklärte, wie der Projektname in die Reihe passe. «Einst war das Wynental mit seiner Baumwolle- und Tabakindustrie ein Industrietal. In den Achtzigerjahren wurde es in Pressekolumnen zum «Tal der Ahnungslosen», um später, parallel zum Niedergang der Metallindustrie, zum «Jammertal» zu werden», sagte Huber. «Und das wollen wir jetzt verlassen, indem wir neu das ‹Erzähltal› anhängen.» So wie der Abschwung beginne auch der Aufschwung in den Köpfen, meinte Huber und forderte die Zuhörer zum kulturellen und gesellschaftlichen Aufschwung und Zusammengehen auf.

Eine verbandelte Region

Grossrätin Christine Haller, ebenfalls Mitglied der Kreativgruppe, hatte den verschiedenen Gemeindevertretern vorgängig einen Strick in die Hand gegeben. Jetzt liess sie die Stricke zusammenknüpfen und demonstrierte damit, wie im Projekt die Talgemeinden «gemeinsam an einem Strick ziehen werden».

Teammitglied Siegfried Sommerhalder begrüsste die Botschafter der einzelnen Gemeinden. «Sie sind der Motor, tragen unsere Botschaft hinaus und sorgen für die neue Identifikation unserer Region.» Die Veranstalter hoffen am 18. und 19. September auf einen grossen Publikumsaufmarsch, wenn es in Museen, Fabrikhallen, Kindergärten und Werkhöfen heisst: «Lüüt vo do verzelle.»