Baden
Wohin das neue Figura-Duo das Festival lenken will

Katja Spiess übernimmt die künstlerische Leitung beim Badener Theaterfestival. Das Führungsduo ist damit wieder komplett. Die 10. Durchführung des Festivals im Juni 2012 wird die Handschrift der erfahrenen Theaterfrau tragen.

Marco Guetg
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Die Figura-Macher Katja Spiess und Markus Lerch. Emanuel Freudiger

Die Figura-Macher Katja Spiess und Markus Lerch. Emanuel Freudiger

Den Namen Katja Spiess muss sich merken, wer künftig irgendetwas mit dem Figura Theaterfestival in Baden zu tun haben wird – sei es als Theaterschaffender, Politikerin oder Zuschauer. Denn seit Anfang April ist die Stuttgarterin für die künstlerische Leitung des Festivals verantwortlich. Die 48-jährige Literaturwissenschafterin arbeitet seit 1993 am Zentrum für Figurentheater in Stuttgart (FITZ!). Seit 2001 steht sie ihm als Leiterin vor. Daneben kuratiert sie alle zwei Jahre ein internationales Festival. Die 10. Durchführung des Figura Theaterfestivals im Juni 2012 in Baden wird somit die Handschrift dieser erfahrenen Theaterfrau tragen.

Produktionsleiter hielt die Stellung

Was so nicht ganz stimmt. Denn bei ihrem «Amtsantritt» in Baden hat sie bei weitem keine Theaterbrache angetroffen. Im Gegenteil. Das Figura Theaterfestival ist in Baden einerseits etabliert und akzeptiert. Andererseits hat seit dem überraschenden Abgang des künstlerischen Leiters Lothar Drack im vergangenen Juni Markus Lerch als Produktionsleiter die Stellung gehalten und zusammen mit einer fünfköpfigen Programmkommission schon einige Marken gesetzt.

Dennoch: Mit Katja Spiess’ Engagement beginnt eine neue Ära. Gestern bot sich im Figura-Büro Gelegenheit für eine erste Erkundigung. «Wir machen nichts völlig Neues», sagt Katja Spiess – ganz nach dem Sportlergrundsatz: Never change a winning team: «Figura ist ein wunderbares Festival mit einer hervorragenden Programmation.» Ganz besonders herausstreichen will die neue künstlerische Leiterin eine Baden-Spezialität: «Dass hier Theater sowohl im Kunstraum wie im öffentlichen Raum stattfindet und man immer zu beiden Orten gleich grosse Sorge trägt.» Diese Stärke müsse unbedingt weiter gepflegt werden. Eine weiteres Baden-Plus sei der Förderpreis «Grünschnabel». Auch auf ihn wird weiter gesetzt – allerdings wünscht sich Katja Spiess eine stärkere internationale Ausrichtung.

Im Gespräch mit dem Führungs-Duo wird schnell deutlich, dass dem Produktionsleiter Lerch nicht nur die Umsetzung vor Ort wichtig ist. «Ich teile die Begeisterung auch inhaltlich», sagt er. Wer einen Blick auf seinen Werdegang wirft, begreift, warum. Markus Lerch war der Gründer des Zirkus Chnopf, taucht hier und dort noch als Schauspieler auf und inszeniert auch. Katja Spiess dagegen ist weniger die Macherin. Sie ist die Ermöglicherin, und sie tuts aus Passion an dieser «sehr visuellen Theaterform mit ihrer ungeheuer vielfältigen Formensprache».

«Eine kreative Bande»

Hier die Kunst, dort die technische Produktion. Diese Zweiteilung besteht durchaus, geht es letztlich doch um Kernkompetenzen und um Zuständigkeiten. Doch die Grenzen sind fliessend. «Wir ergänzen uns auch programmatisch», sagt der einstige Zirkusmann Lerch mit einem erklärten Flair für Open Airs. Hier das Leitungs-Duo, dort die Programmgruppe. Auch das wirkt ergänzend. «Die Programmgruppe ist eine kreative Bande von Menschen, die begeistert ist von dieser Art Theater!» Katja Spiess’ Aufgabe sei es, in diesem Kreativpool dieser Bande die Richtung zu zeigen.

Im Juni 2012, wenn das Figura- Festival sein 10-Jahr-Jubiläum feiert, wird die erste Wegmarke zu sehen sein. Was Theaterschaffende, Politikerin und Zuschauer erwartet? Markus Lerch: «Wir nehmen das Festival beim Wort und festen.» Vor allem aber wolle man aus Anlass des Jubiläums noch grössere Präsenz in Badens Gassen markieren – auch als Zeichen des Dankes an einen Ort, «der Figura über all die Jahre ermöglicht hat».

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