Sie steht wieder vor der Tür: Die Regionale, die grösste Ausstellungsreihe des Dreiländerecks. Wie jedes Jahr stehen die Besucher vor einer Herkulesaufgabe: 180 Kunstschaffende, 30 Kuratorinnen und Kuratoren, 19 Institutionen, drei verschiedene Länder. Wo soll man da hinschauen?

Am besten, indem man sich an den Lokalitäten orientiert. Schliesslich will man an der Regionale was entdecken – und das geht am besten an Orten, die nicht direkt vor der Haustür sitzen.

Für Glasfans: Kulturwerk T66

Das Kulturwerk T66 ist die einzige Institution, die sich in einem ehemaligen Künstleratelier befindet. In dem 1889 erbauten Turm arbeitete zeit seines Lebens der Freiburger Glasmaler Fritz Geiges. Um Platz für die Vormontage seiner riesigen Glasgemälde zu haben, liess er eine Glasfassade errichten, die mit Abstand vor den Geschossdecken angebracht war und sich über alle drei Geschosse erstreckte.

Geiges verstarb 1935, nach seinem Tod wurden der denkmalgeschützte Turm und die angrenzenden Gebäude erst von einer Freiburger Kunstakademie und später von der Staatlichen Kunstakademie Karlsruhe genutzt. Seit 2004 hat sich das Kulturwerk T66 eingemietet und führt die Tradition weiter: zeitgenössische Kunst hinter ganz viel Glas.
Kulturwerk T66, Talstrasse 66, 79102 Freiburg. www.t66-kulturwerk.de

Für Freigeister: Nord Théâtre Saint-Louis

Den Projektraum M54 in der Mörsbergerstrasse kennen Sie bestimmt. Doch was ist mit ihrem Satelliten in Saint-Louis? Hier hat das M54 dieses Jahr
eine riesige Fensterfront zur Verfügung, in der Videos und Performances laufen. Die kann man sich bequem von einer Tribüne aus anschauen – vorausgesetzt, man ist genug warm angezogen: Man sieht von aussen auf die Fensterfront, die Tribüne befindet sich im Freien.
Nord Théâtre Saint-Louis, Cité Danzas, 12 rue Théo Bachmann, 68300 Saint-Louis. www.nord-theatre.eu

Für Verliebte: Städtische Galerie Stapflehus

Kein Ort der Regionale ist so romantisch wie das Stapflehus (alemannisch für Staffelhaus) in Weil am Rhein. Vor über 450 Jahren wurde es als Amtssitz des Vogtes von Rötteln gebaut. Zwischen 1978 und 1982 hat man restauriert und seit 1986 dient das Gebäude am Lindenplatz in Altweil dem Kunstverein Weil am Rhein als Ausstellungsgebäude. Mit seinen Staffelgiebeln, dem Treppenturm und den hübschen, dreiteiligen gotischen Sandsteinfenstern ist es der perfekte Ort um nach einem Shoppingausflug in Weil verliebt rumzuschlendern und «Kunst anzuschauen».

Städtische Galerie Stapflehus, Bläsiring 10, 79576 Weil am Rhein. www.stapflehus.de

Für Tausendsassas: La Filature

Manchmal reicht das bisschen bildende Kunst nicht für einen Ausflug ins Ausland. Sollten Sie Verfechter dieser Haltung sein, ist die Filature genau das Richtige: Auf dem Gelände einer ehemaligen Baumwollfabrik steht dieses Bijou, in dem nicht nur Räumlichkeiten für Kunst, sondern auch drei Säle mit Bühnen stehen. Hier ist nebst der Regionale zurzeit auch noch die argentinische Künstlerin Lola Arias mit ihrem hervorragenden Stück «Champ de mines» vertreten. Und das Sinfonieorchester Mulhouse spielt mehrmals pro Monat auf der grossen Bühne. Lässt sich doch hervorragend verbinden.

La Filature, Scène nationale, 20 allée Nathan Katz, 68100 Mulhouse. www.lafilature.org

Für Verschwurbelte: Das Programmheft

Ein Programmheft kann man nicht besuchen, schon klar. Aber könnte man, es wäre kein Vergnügen. Ein kleiner Auszug aus den Programmtexten:

«Die antagonistisch wirkenden Kräfte, seien sie kompositorischer, inhaltlicher, zeitlicher oder körperlich-räumlicher Natur, finden zum prekären Gleichgewicht, manchmal strapaziert durch eine Massstäblichkeit, die den Werken einen überraschenden Ausdruck verleiht.»

«In der Situation der Instabilität und Verwundbarkeit vieler Knoten im Kunstsystem einerseits sowie seiner zunehmenden Korporativierung und wuchernden Professionalisierung andererseits könnte eine kurze Zeitlichkeit und Fluidität einer Institution ein befreiender Vorteil darstellen.»

«Zwei Ausstellungen begegnen einander mit einer Überzeugung, welche die kontemplativen, introspektiven Fähigkeiten unserer sozialen Kontakte, sowie unsere Intimitäten wieder fruchtbar machen.»

«Handschriftliches verselbständigt sich zu überdimensionalen Objekten, das Innehalten changiert zwischen Isolation und Konfrontation (...) und Materialien werden zu Resonanzkörpern unserer alltäglichen Geräuschkulisse.»

Das tolle Programm hätte ein paar sorgfältige Lektoren verdient. Diesbezüglich besteht Hoffnung fürs nächste Jahr: Da soll die Regionale eine neue Programmleitung bekommen.