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Wörter aus den Ferien beim Götti

Aargauer erinnern sich: An Ausdrücke des Grossvaters in Möhlin, an Wörter aus der Kindheit in Lenzburg oder den Ferien beim Götti in Villnachern.

Sabine Kuster

Die Reaktionen kamen aus allen Ecken des Kantons. Einmal war es ein einziges Wort, welches jemand mailte, meist waren es eine Handvoll und manche Leser sandten ganze Listen von Mundartwörtern, welche sie zusammengetragen hatten. So kamen in den letzten Tagen über 700 Dialektausdrücke zusammen. Und doch ist es nur ein Teil des Aargauer Wortschatzes - und bloss ein Bruchteil davon, was das Schweizerdeutsche Wörterbuch in seinen bisher 15 Bänden schon festgehalten hat.

Kaum benutzt - aber nicht vergessen

Die Einsendungen zeigen vor allem eines: Sehr viele Wörter sind zumindest noch im Passiv-Wortschatz vorhanden. Wegen der Liste «Schöne Aargauer Wörter» vom 8. 10. rief eine 80-jährige Zürcherin, die als Kind oft ihre Grosseltern in Leutwil besuchte, an, um zu sagen: «Ich kenne alle diese Ausdrücke noch.» Doch auch Jüngere erinnern sich: Eine 35-Jährige aus Vordemwald bei Zofingen schreibt: «Seit ich selbst Kinder habe, kommen mir wieder viele alte Wörter in den Sinn und ich gebe sie nun an meine Kinder weiter.» «Jäse» (stinken) «schlöfle» (Schlittschuh laufen) oder «rangge» (wenn jemand nicht stillsitzen kann) benutze sie nun wieder.

Eine Wettingerin erinnert sich an ihre Kindheit in Lenzburg: Dem Brotanschnitt sagte sie «Motsch» oder «Mörggel», den Gurken «Goggomere», verstrubeltem Haar «en Höiel» und dem Löwenzahn «Weifäcke».

Ein Wort für schwachen Milchkaffee

Ein Villnacher erinnert sich an einen Ausdruck der Grosseltern in Rütihof bei Baden: «Gunggeluuri» für schwachen Milchkaffee. Seine Mutter, eine Niederrohrdorferin, sagte dem Eichelhäher «Häzle». Dies meldete auch eine ehemalige Bruggerin, die aus der Zeit, als sie bei ihrem Götti in Villnachern in den Ferien war, noch viele Ausdrücke weiss. Doch in Seon sage man dem Eichelhäher «Heeregägsler», schreibt ein anderer.

«Von meinem Grossvater, der aus Möhlin stammte, habe ich folgende Ausdrücke beizutragen», schreibt einer und schickt sieben Wörter, darunter «nächti», was «letzte Nacht» bedeutet. Unter dem Titel «Ein paar Raritäten aus der Region Bremgarten-Mutschellen» steuert ein Wider ebenfalls sieben Wörter bei, eines mit französischer Abstammung: die «Schasse» (Fensterläden, frz. Chassis: Gestell oder Rahmen). Wie man erkenne, dass man sich im Freiamt befinde, beschreibt AZ-Freiamt-Redaktorin Andrea Weibel so: «Wenn man ein ‹Steigömperli› aus dem ‹Bumper› nimmt und nach einem ‹Gulag› wirft, der vom ‹Rabattli› auffliegt.» Murmel, Hosensack, Krähe und Beet heissen die Lösungswörter.

Ein richtiges Quiz schickte ein ehemaliger Gontenschwiler, der heute in Lupfig lebt. Die Auflösung seiner Wörterliste (alte bäuerliche Ausdrücke wie «Siwpängu», die Waage am Pferdegespann) mailte er erst später.

Die drei seltsamsten Wörter

Unter allen eingesandten Mundartwörtern erschienen der Redaktion die folgenden drei am seltsamsten: «Verbambelet» sei Wasser ohne Kohlensäure oder abgestandenes Wasser, schrieb eine Zufikerin - das Wort «haschpaggere» (sich ungeschickt beeilen) schickte ein Niederrohrdorfer und «gnieppe» heisse schneiden, schrieb ein Oftringer.

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