«Wir sind vom Standort Baden überzeugt»

«Wir sind vom Standort Baden überzeugt»

«Wir sind vom Standort Baden überzeugt»

Man sieht Grün in Baden. Kein Wunder, ein Plakat mit grünen Spaghetti lässt den Puls heftiger schlagen: Es ist Fantoche-Zeit. Duscha Kistler, die künstlerische Leiterin, freut sich auf die 8. Ausgabe.

Elisabeth Feller

Vom 7. bis 12. September wird man ihr allerorten begegnen: Ihr, der zierlichen blonden Frau mit den wasserblauen Augen. Duscha Kistler ist während des Festivals Fantoche fast rund um die Uhr unterwegs. Etwas sympathisch Atemloses haftet ihr an – auch jetzt im Café. Sie lächelt, als sie nach ihrer Hochsteckfrisur gefragt wird. «Nicht neu, nur bequem. Ich war in Eile.» Doch jetzt ist eine Auszeit beim Caffè Latte angesagt – danach ist «Pause» ein Fremdwort.

Duscha Kistler, 2009 hat «Fantoche» vom Zwei-Jahres- auf den Jahresrhythmus umgeschaltet. Hat die Verkürzung das gebracht, was Sie sich damals gewünscht haben: eine Beruhigung.

Duscha Kistler: Beruhigung? Ich weiss nicht. 2009 mussten wir uns nach dem Festivalende unverzüglich an die Planung für 2010 machen – das war für uns neu und sehr anspruchsvoll. Eine Beruhigung ist aber insofern eingetreten, als dass wir nun nicht mehr herausgerissen werden aus unserer Arbeit.

Weshalb macht es Sinn, in einer relativ kleinen Stadt wie Baden ein derart internationales Festival zu stemmen?

Kistler: Ganz einfach: Wir sind seit jeher vom Standort Baden überzeugt. Er bietet genau die richtige Grösse, Lage und Ambiance und vor allem eine tolle Kinoinfrastruktur. Unsere ausländischen Gäste sind jeweilen ganz begeistert von Baden. Und verkehrstechnisch ist die Stadt einfach super erschlossen.

Was ist 2010 anders als 2009?

Kistler: 2009 führten wir den Internationalen Wettbewerb fünffach, 2010 führen wir ihn vierfach durch. Auffallend waren im letzten Jahr die langen Kurzfilme. 2010 werden wir wieder Kurzfilme zeigen, die wirklich kurz sind.

Was heisst kurz?

Kistler: Sie sind 10 bis 15 Minuten lang.

Weshalb ist der Wettbewerb denn verkleinert worden?

Kistler: Weil wir nur Filme zeigen wollen, die herausragend sind. Nach wie vor wollen wir mit grösster Sorgfalt ein Programm erarbeiten mit einer Vielfalt von Themen und Themenschwerpunkten. Wir sind kein Festival, das einfach Filmprogramme einkauft, sondern eines, das wirklich alles selbst generiert.

Lässt sich 2010 eine Tendenz feststellen?

Kistler: Nein. Wir haben zwar einen Märchen-Schwerpunkt; wir zeigen alte und aktuelle Kurzfilme sowie Langfilm-Raritäten, zu denen ein Klassiker wie «Prinz Achmed» gehört, aber eine Tendenz? Höchstens die, dass die Animation weiterhin durch eine inhaltlich und stilistisch beeindruckende Vielfalt besticht und die Handarbeit vermehrt an Bedeutung gewinnt.

Morgen beginnt das «Fantoche». Hat ein Profi wie Sie noch Lampenfieber?

Kistler: Aber ja. Man fragt sich bei jedem Fantoche-Festival: Wird es das Publikum interessieren? Kommt überhaupt jemand? Doch dann gehe ich ins Kino und erlebe dort eins zu eins, wie das Publikum reagiert – und das ist fantastisch.

Wer sich ins Programm vertieft, möchte alles sehen. Worauf freuen Sie sich?

Kistler: Am meisten freut mich der Game-Bereich. Ganz besonders liegt mir dabei die Präsentation von Computerspielen am Herzen.

Wie bitte?

Kistler (lacht): Ja. Fantoche will ja nicht nur Filme zeigen, sondern auch Anwendungen von Animation in anderen Medienformen. Und da gibt es im Bereich Computerspiele Kunstformen, die von unglaublicher Kreativität zeugen.

Eine persönliche Filmempfehlung für einen Fantoche-Neuling?

Kistler: «Fantastic Mr. Fox», ein Langfilm, an dem auch zwei Schweizer mitgewirkt haben. Félicie Haymoz und Elie Chapuis waren als Character-Designerin und Animator tätig. Wunderbar, dass die beiden uns besuchen werden.

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