Ralf E. Krüger, dpa

Liebhaber von Büchern des schwedischen Erfolgsautors Henning Mankell können sich auf eine neue Übersetzung freuen: «Daisy Sisters» - so der Titel - ist allerdings weder ein typischer Mankell-Krimi noch ein Afrika-Roman. Das

bereits 1982 in Schweden erschienene Werk ist irgendwo an der Nahtstelle zwischen Frauen-, Sozial- und Generationenroman angesiedelt. In Schweden erscheint indessen am 18. August der nach Angaben des Autors wirklich letzte Roman über Polizeiinspektor Kurt Wallander.

In «Daisy Sisters» geht es um Frauen mit Jugendträumen von grenzenloser Freiheit und einem besseren Leben. Im Zentrum der Handlung, die sich in Zeitsprüngen über 40 Jahren von 1941 bis 1981 abspielt, steht die Schwedin Eivor Skoglund. Ihre Mutter, die junge Arbeitertochter Elna, war eine der beiden «Daisy Sisters». So hat sie sich und eine Brieffreundin bei einer Fahrradtour im dritten Kriegsjahr 1941 übermütig genannt. Ein junger Grenzsoldat vergewaltigt dabei die betrunken gemachte Elna - und neun Monate später zerstört die Geburt von Tochter Eivor alle Träume der jungen Frau.

Die Geschichte wiederholt sich in ähnlicher Weise Jahre später, nachdem Eivor bei einem verzweifelten Ausbruch aus der spiessigen Welt ihres Dorfes mit einem Kleinkriminellen durchgebrannt ist. Auch sie wird bei der Suche nach einer besseren Welt nach einen Ausbruch männlicher Gewalt schwanger und landet trotz allen Träumen und Ausbruchsversuchen ernüchtert in einem Leben, das sie wie eine einzige Plage empfindet.

Eingebettet in die gesellschaftlichen Strömungen der jeweiligen Zeit skizziert Mankell Eivors Leben von ihrer Zeugung bis zu ihrem 40. Geburtstag. Es ist ein faszinierendes Buch, das man je nach Blickwinkel als Frauenbuch oder auch einfach als Sozialroman lesen kann. Obwohl bereits 1982 geschrieben, ist es noch heute aktuell.

In seiner eigenen, kompromisslosen Sprache transportiert Mankell seine Kernbotschaft, dass der Mensch zuerst die gesellschaftlichen Einflüsse wahrnehmen muss, die ihn prägen. Mit Blick auf Elna meint er: «Sie ist kein Satellit, der einsam seine Bahn zieht, sie ist Teil eines Zusammenhangs. Und ehe sie das nicht einsieht und anfängt, Erklärungen dafür zu suchen, was um sie herum geschieht, wird sie wie eine Beinamputierte durchs Leben robben, der man die Krücken geklaut hat.»

Henning Mankell «Daisy Sisters». Zsolnay, Wien 2009. 558 S., Fr. 41.90.