«And this Buddy Elias was Annes Uncle?», fragt ein Museumsbesucher seine Begleiterin. «No, her Cousin!» erklärt sie und führt ihn zum übersichtlichen Stammbaum der Frank-Familie. Welchen Bezug es zwischen Anne Frank und der Stadt Basel gibt, wird hier mit einem Blick klarer. Ihre Grossmutter Alice und die Familie ihrer Tante Leni Frank zogen in den 1930er-Jahren von Frankfurt nach Basel.

Ebenfalls von Frankfurt weg zog Annes Familie nach Amsterdam, wo sie sich von 1942 bis zu ihrer Entdeckung 1944 in einem Hinterhaus vor den Nationalsozialisten versteckten. Als Staatenlose scheiterte der Versuch der Familie, ein Visum für die USA zu erhalten. Um von ihrem Versteck abzulenken, hatten die Franks das Gerücht verbreitet, in die Schweiz geflohen zu sein. Hier hatte Anne Frank in einem Ferienhaus im Engadin mit ihren Cousins Buddy und Stephan in früheren Zeiten die Winterferien verbracht.

Ein Platz in Birsfelden

In Realität hielt die Schweiz ihre Grenzen für Juden bereits früher geschlossen, ab 1942 mit dem Wissen, Zurückgewiesene in den sicheren Tod zu schicken. Nach der Entdeckung ihres Versteckes wurde Anne Franks Familie in Konzentrationslager gebracht. Otto Frank überlebte als Einziger der Familie. 1947 beschloss er, das Tagebuch seiner Tochter, das ihre Zeit im Versteck beschrieb, zu veröffentlichen.

Es folgten Übersetzungen in zahlreiche Sprachen. Anne Franks Tagebuch führte zu einer neuen Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus. In Deutschland war es in den 1950er-Jahren das meist gekaufte Taschenbuch. Von Birsfelden aus widmete sich Otto Frank der Korrespondenz mit Leserinnen und Lesern des Tagebuches aus der ganzen Welt. In Birsfelden konnte ihr Cousin Buddy Elias auch erreichen, was in Basel nicht gelang: Ein «Anne Frank Platz» wurde gegründet.

Im zweiten Stock der Basler Ausstellung ist die Schreibmaschine zu sehen, auf der die zahlreichen Briefe getippt wurden. Man erhält Eindruck, mit welcher Herzlichkeit und welchem Interesse sich Otto Frank den Lesenden widmete. Ebenfalls erhält man einen Einblick in die Rezeption von Anne Franks Tagebuch, das jedes Medium erreichte.

Mit Blick auf den Petersplatz, auf dem sich im Mittelalter ein jüdischer Friedhof befand, kann man sich verschiedensten Publikationen zu Anne Frank widmen. Dass beim grossen Interesse, das das Tagebuch auslöste, auch Holocaustleugner auf die Idee kamen, die Echtheit des zweifellos authentischen Tagebuches infrage zu stellen, liegt nahe. Die Ausstellung dokumentiert die juristischen Auseinandersetzungen einzelner solcher Fälle.

Projekte des Fonds

Konzentriert sich der erste Stock auf einen Rückblick — man kann Kindheitsfotos anschauen und sieht die Bücher, die Anne Frank im Hinterhaus gelesen hat —, so werden im zweiten Stock auch die Projekte des Anne Frank-Fonds vorgestellt, welcher dieser von Basel aus ins Leben ruft. Eine Stiftung in Cusco engagiert sich für Perus Bevölkerung und das Leo Baeck Education Centre in Haifa fördert die Verständigung zwischen jüdischen und arabischen Kindern durch den gemeinsamen Sport-und Schulunterricht. Anne Frank war eine begeisterte Schlittschuhläuferin.

In der Ausstellung erfährt man in einem Film über ihren Cousin Buddy Elias auch etwas über dessen Karriere als Schlittschuhläufer. Elias, 2015 verstorben, hatte sich nebst seiner Tätigkeit als Schauspieler sehr für den Anne Frank-Fonds eingesetzt, den er präsidierte. Der Fonds verwaltet nach dem Tod von Anne Franks Vater die Autorenrechte am weltbekannten Tagebuch.

Warum dieses Tagebuch ausgerechnet Kitty heisst, sei hier nicht verraten: Man findet es aber bei einem Museumsbesuch heraus.

Ausstellung: Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Sonntag, 15. April.
Ausstellung «Das Tagebuch», Jüdisches Museum der Schweiz, Galerie am Petersgraben 31, Basel. Bis 8. August.