Ruedi Berner

«Wichtig, dass Ideen sprudeln»

Die Zähringerstadt lockt an diesem Wochenende wieder mit einem ihrer grossen kulturellen Highlights: Gäbe es in Rheinfelden das Festival der Kulturen nicht, müsste es geradezu erfunden werden. 1994 hatte der Rheinfelder Confiseur Ruedi Berner die zündende Idee – und realisierte sie. Heuer bereits zum 15. Mal.

Peter Rombach

Grosses Engagement, vielfältige Kontakte, Weltoffenheit und eifrige Mitstreiter bildeten die Basis des Erfolgs. Der Hauch des Internationalen, der Exotik, wehte plötzlich durch Rheinfelden. Innerhalb kürzester Zeit etablierte sich das Festival der Kulturen, verschaffte sich bei Teilnehmenden wie Schaulustigen einen hervorragenden Ruf. Wie es dazu kam, erfuhr die AZ im Gespräch mit Ruedi Berner.

War das denn nicht ein erhebliches Risiko, so viel Fremdländisches in einem eher behäbig wirkenden Städtchen zu inszenieren?
Ruedi Berner: An einem afrikanischen Trommel- und Tanzkurs im Toggenburg spürte ich plötzlich, wie Energien, Kraft und Lebensfreude frei werden. Und daran wollte ich Rheinfelden teilhaben lassen. Ein idealer Zeitpunkt für solch ein kulturelles Vorhaben war rasch gefunden, denn nach Auffahrt gabs bei uns stets ein totes Wochenende.

Ein Privatmann tritt als Organisator auf, obwohl Rheinfelden sich ein Kultur- und Tourismusbüro seit vielen Jahren leistet. Bekamen Sie wenigstens Unterstützung?
Berner: Bei den damals Verantwortlichen rannte ich offene Türen ein. Ein Glücksfall war sicherlich, dass ich die Premiere mit der musikalisch wie tänzerisch exzellenten senegalesischen Gruppe Saf-Sap bestreiten konnte. Die haben uns übrigens bis heute die Treue gehalten. In der Startphase halfen mir neben dem Südkulturfonds Bern und dem Kanton Aargau auch gewerbliche Kreise, private Sponsoren und viele Freiwillige. Das löste richtiggehend Aufbruchstimmung aus.

Auffallend erscheint mir die grosse Zahl afrikanischer Gruppen. Haben Sie spezielle Verbindungen zum Schwarzen Kontinent?
Berner: Vor allem im Senegal sind Freundschaften entstanden. Und von dort aus funktionierte dann das Buschtelefon hervorragend, so dass auch in anderen Ländern das Interesse an unserem Festival aufkam. In den ersten Jahren waren wir schon stark afrikanisch geprägt.

Sie bieten Kurse für afrikanisches Tanzen und Trommeln an. Ist hierfür ein Markt vorhanden oder gilt das als reines Showelement?
Berner: Der Ruf der Trommeln hat etwas Magisches an sich. Die Rhythmik verbindet, und Trommeln sind auch ein Symbol für Kommunikation. Tanz und Musik beinhalten eine Sprache, die alle Menschen in allen Kontinenten verstehen. Das mögen Showelemente in unserem Festival sein, die allerdings auch viel Philosophisches beinhalten. Ich denke da an Begriffe wie Freude, Entspannung, Völkerverständigung.

Der «Markt der Kulturen» wirkt sicherlich wieder magnetisch. Was dürfen wir uns unter fairen, exotischen Produkten vorstellen?
Berner: Die Marktfahrer haben direkten Kontakt mit Produzenten in Südamerika, Afrika oder Indonesien. Sie schalten den Zwischenhandel aus, wenn sie dort einkaufen. Damit ermöglichen sie, dass die Arbeitenden ein menschenwürdiges Leben in ihrer Heimat führen können, wozu auch die Pflege der kulturellen Eigenheiten zählt.

Macht es Sinn, Dritte-Welt-Gruppen in das bunte Treiben einzubinden und Integrationsprojekte einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen?
Berner: Einrichtungen wie Perukreis Dinkelberg, Verein Amis du Sénégal oder die Stiftung Biovision betreuen konkrete Hilfsprojekte und sind natürlich auf Unterstützung aus der hiesigen Bevölkerung angewiesen. Der Spender weiss, wo sein Geld hinfliesst. Das Festival ist also eine Art Informationsplattform.

Die alte Rheinbrücke und das Inseli sind erstmals in grossem Stil als Aktionsraum eingebunden. Sie schafften schon den Sprung nach Afrika, aber ins badische Rheinfelden hinüber war es scheinbar schwieriger. Klappt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit nun besser?
Berner: Die Kurbrunnen-Anlage ist eine bedeutende Visitenkarte unserer Stadt, also konzentrierten wir in jenem Bereich unsere Aktivitäten. Ein Sprung ins Badische hinüber brauchte Zeit. Auf beiden Seiten entwickelte sich aber Engagement und ein punktuelles Zusammenarbeiten. Dabei lernt man sich besser kennen, dabei lässt sich gegenseitig Vertrauen aufbauen. Wichtig ist, dass Ideen sprudeln, dann profitiert davon auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

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