Anlässlich der Expo 64 malte der Aargauer Künstler Werner Holenstein (1932–1985) das Bild «Vêtement et parure» («Kleidung und Schmuck»). Man erkennt einen Raum, in dem mehrere festlich gekleidete Menschen sich aufhalten. Ihre Gesichter sind nur angedeutet. In der Mitte des 2,4 mal 5,3 Meter grossen Bildes eine Früchteschale, im rechten Teil sitzt eine weisse Katze.

Eine Feier im intimen Kreis. «La joie de vivre», «Lebensfreude», lautete das Konzept des Ausstellungsteils, in dem Holensteins Auftragswerk gezeigt wurde. Im Wissen darum, dass der Maler selbst immer wieder mit dem Leben zu kämpfen hatte, ein Titel, der stutzig macht.

Bilder als Sonntagsgesicht

In ihrem Nachruf schreibt die Kunsthistorikerin Annelise Zwez: «Seine Bilder waren sein Sonntagsgesicht. (...) So entstand die bizarre Situation, dass man ihn als Maler der Freude feierte und daneben den einsamen, das Leben gleichzeitig liebenden und hassenden Künstler vergass oder keinen Zugang zu ihm fand.»

Nun ist ein grosser Teil des Werkes des in Buchs AG geborenen Malers im Kunstmuseum Olten ausgestellt. Geht man durch die Räume mit den thematisch gruppierten Arbeiten, entsteht tatsächlich der Eindruck von Lebensfreude, von scharfer Beobachtungsgabe, gepaart mit Freude an Farbe und Komposition. Viele Bilder sind sehr bunt – in «Kaffeehausszene» von 1975 zum Beispiel fliessen Formen und Farben ineinander über und machen es fast unmöglich, einen Raum zu erkennen.

Die Perspektive ist ausser Kraft gesetzt wie in vielen von Holensteins Bildern. Menschen sind zwar erkennbar, sie befinden sich aber in einem wahren Wimmelbild.

Noch stärker geschieht dies in Bildern wie «Demonstration» (1979), «Farbtübchen» oder «Regenschirme» (beide 1983): Hier sind die einzelnen Objekte und Personen nur noch Teil eines grossen, bunten Ornaments. Holenstein, sagen Menschen, die ihn persönlich kannten, habe in den Bildern mit den lebhaften Motiven und Farben eine fröhliche Welt erschaffen, wie er sie um sich herum nicht sah.

Bilder aus 40 Privatsammlungen

Ausgangspunkt der Retrospektive in Olten war das Bild «Am Tisch» (1966), das sich seit 1967 in der Sammlung des Kunstmuseums befindet. In Museen ausserhalb des Mittellandes ist Holenstein nicht vertreten, was dazu beitrug, dass er nach seinem Tod in Vergessenheit geriet.

Dafür besitzen viele Sammler Bilder von Holenstein: Aus über 40 Privatbeständen und mit einigen wenigen Museumsleihgaben hat Patricia Nussbaum eine Schau zusammengestellt, die das Werk des vergessenen Aargauers zugänglich macht.

Man erhält eine Übersicht über die Themen, die ihn interessierten, und die Reisen, die er unternahm. Die erste führte ihn nach Paris, wo er sich stark mit dem Kubismus und anderen Stilrichtungen, die er in der Kunstmetropole antraf, beschäftigte.

Später reiste er nach Nordafrika, wo seine geliebte Schwester Emma 1967 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Die bunte Welt, die er dort antraf, war für den Maler ungemein inspirierend: Er übermalt andere, grossformatige Arbeiten ganz oder teilweise, um die Basar- und Teeszenen festzuhalten.

Seine letzte Reise führte Werner Holenstein 1985 zusammen mit Carlo Mettauer, heute Kulturstadtrat in Aarau, nach Venedig. Der Künstler muss eine Vorahnung gehabt haben, dass er nicht mehr lange leben würde. Ein Bild, eines der kleinsten in der Ausstellung, könnte ebenfalls in diese Richtung interpretiert werden: «Der Tod in Venedig» zeigt vier unheimlich maskierte Gestalten auf einer Brücke. Im August 1985 starb Werner Holenstein im Alter von erst 53 Jahren.

Werner Holenstein (1932–1985) Kunstmuseum Olten. Bis 15.Mai. Veranstaltungen siehe www.kunstmuseumolten.ch