Halali, die Kunstjäger sind auf der Pirsch. Sie streifen durch Wälder voller Bilder und Skulpturen, sie lauern zwischen Installationen und im Dunkel von Video-Projektionen auf die passende Beute. Jagdrevier ist für diese Woche Basel mit der weltweit grössten und (noch immer) wichtigsten Kunstmesse.

Die Art Basel und ihre Nebenmessen sind ein grosser Basar. Hunderte von Galerien aus (fast) der ganzen Welt bieten Kunstwerke von Tausenden von Künstlern zum Verkauf an. Da wird ob der Verquickung von Geld und Kunst gern und schnell die Nase gerümpft. Warum eigentlich? Weil man Kunst den Nimbus von etwas Höherem zugesteht, das so gar nicht zum schnöden Geld, zum profanen Handel passen will? Doch warum machen Künstler Kunst? Aus dem gleichen Grund, wie Komponistinnen Musik erfinden, Schriftsteller Texte schreiben oder Regisseure Filme drehen: aus der Lust und dem Willen also, etwas zu schaffen, das andere Menschen bewegt. Sie anregt, irritiert, ihnen Genuss und Freude bereitet, ihnen geistige Nahrung ist. Und auch weil man Geld verdient.

Haben oder nur schauen

Den Gegensatz von Haben oder Teilhaben, von Besitzen oder Schauen muss man an dieser Stelle nicht strapazieren. Und auch nicht fragen: Ist das eine gut und das andere verwerflich? Denn ohne Käufer und Vermittler könnten Künstler nicht leben. Förderung hin, Museen her.

Wer nur über die Kaufsummen und den riesigen Aufwand der Art Basel liest, der verpasst das Wichtigste. Man muss selber dabei sein, das Jagdfieber selber spüren. Dieses Kunstfieber ist nicht schreiend wie das Börsenfieber, sondern ist ein stilles Kribbeln, das beim Gang durch die Verkaufsstände leise beflügelnd vor sich hin blubbert – und plötzlich explodiert. Etwa wenn ein Streifenbild von Bridget Riley einem den Sehsinn durcheinanderwirbelt. Die Angestellte der Galerie nennt einem dann nicht nur den Preis (unerschwingliche 1,5 Millionen Pfund), sondern man redet über die Künstlerin, über die frühe Phase, aus der das Werk stammt, und über die Herkunft aus einer Privatsammlung. Man lässt sich gerne weitere Werke zeigen, die im Vorratskämmerlein warten oder über einen der jüngeren Künstler am Stand orientieren. Die Diskussionen an der Art sind eben nicht nur Verkaufsgespräche. Denn Galeristen wie Sammler wissen, es geht hier und jetzt zwar um Geld und Handel – aber was sie gemeinsam antreibt, ist das Interesse, ist die Liebe zur Kunst. Ein Galerist, für den Kunst nur Ware ist, wird keinen Erfolg haben. Und ein Käufer, der nur ans Investment denkt, wird – vielleicht – materiellen Gewinn erwirtschaften. Mehr aber nicht.

Die Preisspirale ist schwindelerregend

Zugegeben, die Preisspirale im Kunst- und Auktionshandel ist schwindelerregend. Zu erklären sind die explodierenden Millionenpreise nur noch bedingt mit künstlerischer Qualität, sondern mit ökonomischen Mustern. Mit Angebot und Nachfrage, mit Marketingstrategien und dem Aufkommen neuer Märkte. Es gibt mehr Geld, und weil Kunst als Lifestyle-Produkt als Inbegriff von Reichtum und Lebenskultur gilt, gibt es mehr Sammler. Das Resultat davon: mehr Messen, mehr Galerien, mehr Künstler, mehr Kunst.

Die Basler Messe hat Konkurrenz bekommen – und auf die Konkurrenz bisher gut reagiert. Die 1970 von einigen Basler Galeristen gegründete Messe ist erfolgreich gewachsen, rundum sind Nebenmessen entstanden, die Schweizer Museen und Zürcher Galerien umsorgen hilfreich den Sammlertross, und die Art Basel hat selber expandiert. 2002 nach Miami in den wichtigen amerikanischen Markt, letztes Jahr nach Hongkong in den boomenden asiatischen Kunst-Handelsplatz.

Weniger VIPs wegen der WM?

Die Mutter aller Messen in Basel hat ihren Nimbus trotzdem halten können. Es seien dieses Jahr aber weniger Privatjets in Basel eingeflogen, konstatiert das Szenen-Portal artnet. Begründet wird es mit der zu knapp davor terminierten Art Basel Hongkong und wegen der Fussball-Weltmeisterschaft. Aber es ist ein Fingerzeig: Auf den Lorbeeren ausruhen darf sich die Basler Messe nicht. Sie hat Trümpfe, um ihren Status als grösste und wichtigste Messe zu halten. Ihre zentrale Lage in Europa, die tiefen Mehrwertsteuersätze, das Umfeld einer Kunststadt und mit dem Rundhof-Gebäude eines der besucherfreundlichsten Messe-Gebäude.
Fragt sich nur, wie sie in Zukunft die Galerien auswählt und ihre Preise gestaltet. Die Standmieten wurden in den letzten Jahren laufend und zügig erhöht. Das zwingt Galeristen dazu, jedes Jahr mehr Umsatz zu machen, noch mehr auf die Rendite zu schielen. Verloren gehen damit aber Galerien und Kunst, die sich nicht nur an die Reichen, sondern an ein breiteres Sammler- und Liebhaber-Publikum richten. Dieses braucht die Art Basel aber zwingend, will sie lebendig und das wichtigste Jagdrevier bleiben.

Art Basel. Bis 22. Juni